Spiele -App bricht Rekorde Pokémon -Monster in KZ-Gedenkstätten sorgen für Ärger

Von Waltraud Messmann | 13.07.2016, 21:07 Uhr

Kurz nach seinem Erscheinen hat Pokémon Go in den USA bereits Rekorde gebrochen: Es ist dort beliebter als die Facebook-App und die Pornoseite YouPorn. Auf der Suche nach Monstern dringen Spieler aber auch in Gedenkstätten und Krankenhäuser ein. Das sorgt für Ärger.

Laut der Mobile-App-Statistik-Firma Sensor Tower verbrachten die Nutzer in den USA im Schnitt mit der Pokemon Go App 33 Minuten während sie nur 22 Minuten ihrer Zeit in die Facebook-App schauten.

Zu Respekt aufgerufen

Doch nicht alle sind glücklich mit der neuen Spiele App für Smartphones: Denn Pokémon-Spieler suchen zuweilen auch in Gedenkstätten nach den kleinen Monster-Figuren. Dies soll zum Beispiel auch in dem ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz der Fall gewesen sein. Wie das „New York Magazin“ berichtet, wurde einem Pokémon-Nutzer auf dem Gelände des NS-Vernichtungslagers ein sogenannter „Rattfratz“-Pokémon angezeigt.

Ähnliches geschah im Holocaust-Museum in Washington. Über den Kurznachrichtendienst rief das Museum die Besucher deshalb zu einem respektvollen Verhalten auf. Am Berliner Denkmal für die ermordeten Juden Europas versucht man aus gleichem Grund, das Denkmal aus dem Spiel entfernen zu lassen.Nach einem Fernsehbericht bemühen sich der Entwickler Nintendos Pokémon Company und die Spielefirma Niantic Labs, diese Wünsche zu erfüllen.

Spieler im Krankenhaus

In Amsterdam drangen Spieler in das Akademische Medizinische Zentrum (AMC) ein. Die Krankenhausleitung sah sich gezwungen, die Besucher aufzufordern beim Spielen von „Pokémon Go“ nicht mehr in nicht-öffentliche Bereiche des Krankenhauses einzudringen. „Es gibt tatsächlich ein krankes Pokémon im AMC, aber wir sorgen gut für dieses. Bitte besucht es nicht“, teilte die Klinik nach einem Bericht des „Standard“ im Kurznachrichtendienst Twitter mit. Auch den Nutzern geben die Entwickler der Spiele-App übrigens die Möglichkeit, unangemessene Orte zu melden.

Ärger mit Ingress

Im vergangenen Jahr hatte es in Deutschland ähnlichen Ärger mit dem Spiel Ingress gegeben: Auch bei diesem Spiel von Niantic waren einige der Portale, um die Nutzer kämpfen müssen, bei ehemaligen Nazi-Konzentrationslagern platziert. Dies hatte heftige Kritik ausgelöst und wurde dann auch korrigiert. Auch „Pokemon Go“ greift  auf Datenbanken von „Ingress“ zurück.

Schon bald sollen übrigens weitere Features zu Pokémon Go nachgeliefert werden. Unternehmen können dann dafür Geld zahlen, dass ihre Location Teil vom virtuellen Spiel wird, um die Besucheranzahl zu erhöhen. In den USA sind bereits sehr viele Einzelhandel-Läden inoffizielle Pokestops und Pokemon Gyms geworden. Manche Geschäfte und Läden versuchen auch, mit seltenen Pokemons zu werben, um Kunden zu gewinnen.

Geplant ist auch eine Tauschfunktion, mit der Spieler untereinander ihre Monsterinventare ergänzen können. Denn nicht jedes Pokémon kommt überall auf der Welt vor.