Sexismus-Falle Streit um Ü-Eier für „Weltmeister“ und „Spielerfrauen“

Von Corinna Berghahn | 05.03.2014, 15:05 Uhr

Von Weltmeistern und Spielerfrauen: Mit der Titulierung von Überraschungseiern ist Ferrero schon wieder in die Sexismus-Falle getappt. Doch der Konzern weist die Kritik von sich.

Eines der Angebote, das die Supermarktkette Minipreis diese Woche im Bereich Paderborn in ihrem Prospekt hatte, waren die um 20 Cent im Preis gesenkten Überraschungseier. Einigen Lesern schlugen sie trotzdem auf dem Magen. Stein des Anstoßes: Auf dem einen Ei stand „Weltmeister“, auf dem zweiten „Spielerfrau“. „Weltmeister“ war dabei in goldener, klarer Schrift gedruckt, „Spielerfrau“ eher verschnörkelt in Pink.

Entdeckt hat das Prospekt Blogger Luca Hammer, der die Frage stellte: „Jungs sind Weltmeister, Mädels sind Spielerfrauen?“ Sein Eintrag fand schnell Aufmerksamkeit in den Sozialen Netzwerken und auf der Facebook-Seite von Ferrero grollten nicht wenige, „Voll daneben“ oder „Meine Tochter ist mehr als eine Spielerfrau!!!! Das ist Diskriminierung!“, finden sie einige. Im Gegenzug meldeten sich auf der Kommentarspalte der Seite auch Gegner der Kritiker zu Wort mit Aussagen wie „Die ganzen Emanzen hier haben gewaltig was am Keks“.

Im Gendersturm

Und schon steht Ferrero wie im Jahr 2012 wieder einmal mitten im Gendersturm. Damals sorgte die Einführung der pinken Mädchen-Eier mit dünnen Elfenfiguren für Proteste von Organisationen wie Pink Stinks. Dieses Mal gibt Ferrero lieber der Supermarktkette die Schuld an der Diskussion: „Wir bedauern, wenn die Abbildung auf dem Zettel des Einzelhändlers den Eindruck erweckt, dass es nur diese zwei Eier mit Begriffen aus dem Fußball gibt und dass das eine explizit für Mädchen und das andere nur für Jungen gedacht ist“, schreibt die Presseabteilung auf Anfrage von noz.de.

Und weiter: „Die Darstellung auf dem von Ihnen angesprochenen Foto erzeugt ein falsches Bild, denn die beiden abgebildeten Motive sind nur ein kleiner Teil einer ganzen WM-Sonderedition, die mit verschiedenen Motiven das Fußball-Ereignis des Jahres feiern will.“

Die Weltmeisterschaft der Frauen im Jahr 2011 wurde übrigens nicht von dem Konzern mit besonderen Eier-Titulierungen begleitet. Doch da die Fußballweltmeisterschaft der Männer ein weitaus größeres Thema für die Wirtschaft und Werbung ist, kann man es Ferrero wohl auch nicht verdenken, einen Teil vom Umsatz-Kuchen zu wollen.

Minen auf dem Fußballfeld

Dass sich das Fußballfeld schnell in ein Minenfeld der Geschlechterklischees verwandeln kann, zeigten die Reaktionen auf einen ZDF-Spot zur vergangenen Frauenfußball-WM: Dieser zeigte die sauberen Beine einer Frau im Nationaltrikot, die in einen aufgeräumten Keller geht und dort ihren dreckigen Fußball in die Waschmaschinentrommel schießt. Motto der Werbung: Ballsauber. Da die Reaktionen auf den Film bei Twitter eher unangenehm waren („Archaisch, tumb, langweilig“), ergänzte ihn das ZDF später um einen bügelnden Mann.

Seitens Ferrero verweist man nun auf die Bandbreite der gesamten Aktion, die im Werbeprospekt nicht wiedergegeben werde: „Die Auswahl auf dem Zettel des Einzelhändlers spiegelt nicht die Vielfalt der Motive wider.“ Denn es wird noch mehr als 20 Motive und Fußballbegriffe geben, beispielsweise „Abseitsversteher“, „Flankengott“, „Megafan“, „Spielemacher“ „Oleee!“ oder „Tooooor“. Hätte der Supermarkt die zwei letzten Bezeichnungen gewählt, wäre es wohl nie zu der Aufregung gekommen.