Nährwertangaben und Nutri-Score Woran Sie gesunde Lebensmittel beim Einkaufen erkennen

Von Jan-Malte Wortmann | 16.12.2021, 17:26 Uhr

Vieles von dem, was wir heutzutage essen, besteht aus verarbeiteten Lebensmitteln. Diese sind mit unterschiedlichen Angaben versehen, von Nährwerten bis zum Nutri-Score. Wir zeigen, woran Sie gesunde Produkte erkennen.

Fertiggerichte, Tiefkühlpizza, aber auch Softdrinks, Joghurt, Brotaufstriche oder Frühstücksflocken: Ein Großteil der Lebensmittel, die wir konsumieren, ist industriell verarbeitet. Die Auswahl an Produkten ist schier unendlich. Doch woran lässt sich erkennen, ob ein Lebensmittel gesund oder ungesund ist?

Mit Hilfe von Nährwertangaben auf den Produkten soll es Verbrauchern erleichtert werden, diese Unterscheidung zu fällen. Wir zeigen Ihnen, wie die Nährwerttabellen zu deuten sind und worauf Sie beim Einkaufen achten sollten.

Warum gibt es die Nährwerttabelle?

In der Europäischen Union müssen seit Dezember 2014 auf allen verpackten, verarbeiteten Lebensmitteln die Nährstoffe und der Energiegehalt in Form einer Nährwerttabelle angegeben sein. Die Angabe ist verpflichtend nach der EU-Lebensmittelinformationsverordnung. Nur auf sehr kleinen Produkten darf auf die Tabelle verzichtet werden, hier werden die Angaben direkt hintereinander abgedruckt.

Die Nährwerttabelle soll Verbrauchern eine Orientierung bieten, um sich bewusster und gesünder zu ernähren. So lässt sich auf einen Blick erkennen, welche gesunden und ungesunden Inhaltsstoffe ein Lebensmittel in welcher Menge enthält.

Bei Lebensmitteln, die nur aus einer Zutat bestehen, sogenannten Monoprodukten, entfällt die Pflicht zur Kennzeichnung. Dazu gehören etwa Obst, Gemüse, Mehl oder Reis. Ausnahmen gelten auch für Kräuter, Gewürze oder Tee.

Diese Angaben sind in der Nährwerttabelle zu finden

Neben dem Energiegehalt in Kilokalorien und Kilojoule ist in der Tabelle der Gehalt von sechs Nährstoffen angeben, jeweils pro 100 Gramm oder 100 Milliliter:

  • Fett
  • Gesättigte Fettsäuren
  • Kohlenhydrate
  • Zucker
  • Eiweiß
  • Salz

Hersteller können diese Angaben freiwillig um Ballaststoffe, ungesättigte Fettsäuren, Vitamine oder Mineralstoffe ergänzen. Vitamine und Mineralstoffe dürfen allerdings nur aufgeführt werden, wenn sie in signifikanten Mengen enthalten sind.

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Worauf Sie bei den Nährstoffangaben achten sollten

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für Frauen eine durchschnittliche tägliche Kalorienaufnahme von 2000 Kilokalorien, für Männer von 2500 Kilokalorien. Besonders Zucker, Salz und gesättigte Fettsäuren sollten nur sparsam konsumiert werden.

Die Nährwerttabelle ist oft um eine GDA-Kennzeichnung ergänzt. Die Abkürzung steht für "Guideline Daily Amounts". Diese Angabe soll einen Richtwert für den täglichen Bedarf an Nährstoffen und Energie liefern, bezogen auf 100 Gramm oder 100 Milliliter. So kann auf einem Produkt beispielsweise vermerkt sein, dass 100 Gramm sechs Prozent des täglichen Kalorienbedarfs decken. Die Angabe bezieht sich immer auf den Tagesbedarf für Frauen.

Auf vielen Produkten sind die Nährstoffwerte auch bezogen auf eine Portionsgröße angegeben. Aber Vorsicht: Hersteller geben hier oft sehr kleine Portionen an, von denen man in der Regel nicht wirklich satt wird. Damit wollen sie den Eindruck erwecken, dass weniger ungesunde Inhaltsstoffe enthalten seien, wie das Gesundheitsmagazin der AOK Krankenkasse berichtet.

Was sagt der Nutri-Score aus?

Seit Herbst 2020 gibt es in Deutschland zusätzlich den Nutri-Score, den Hersteller freiwillig auf ihren Produkten anbringen können. Entwickelt wurde das Siegel vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Der Nutri-Score gibt nicht den Gehalt an Nährstoffen oder Kalorien an, sondern soll die Nährstoffzusammensetzung des gesamten Produkts darstellen.

Der Wert verrechnet den Energiegehalt und den Nährstoffgehalt eines Lebensmittels miteinander und soll Verbrauchern so ermöglichen, sich innerhalb einer Produktgruppe für das gesündere Produkt zu entscheiden. So ist auf einen Blick zu erkennen, welche Pizza oder welcher Joghurt im Vergleich besser abschneidet.

Der Nutri-Score besteht aus einer fünfstufigen Skala von A (grün) bis E (rot). A steht dabei für die gesündeste Nährstoffzusammensetzung, E für die ungünstigste. Positiv beeinflusst wird der Score beispielsweise vom Gehalt an Ballaststoffen und Eiweiß und von Inhaltsstoffen wie Gemüse, Obst und Nüssen. Ein schlechter Nutri-Score wird etwa von einem hohen Kalorienwert und einem hohen Gehalt an gesättigten Fettsäuren, Salz und Zucker beeinflusst.

Je weniger verarbeitete Lebensmittel, desto besser

Sowohl die Deutsche Gesellschaft für Ernährung als auch die AOK betonen allerdings, dass zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung vor allem möglichst viele unverarbeitete Lebensmittel wie frisches Gemüse oder Obst gehören.

Industriell hochverarbeitete Lebensmittel beinhalten darüber hinaus häufig viele Zusatzstoffe, die gesundheitsschädlich sein können. Auch der Nutri-Score sagt nichts über den Gehalt an Zusatzstoffen aus. Experten betonen daher, dass es nicht ausreiche, nur Produkte mit dem Nutri-Score A zu essen. Stattdessen gehöre es zu einer gesunden Ernährung unabdingbar dazu, möglichst viel mit frischen Lebensmitteln selbst zu kochen.