Gefahr für Unternehmen EU-Verordnung: Schluss mit Whatsapp im Beruf?

Von Waltraud Messmann | 21.05.2018, 19:01 Uhr

Am Freitag tritt die EU-Datenschutzgrundverordnung in Kraft. Ein Nebeneffekt: Der Einsatz von Whatsapp auf Firmengeräten zu beruflichen Zwecken könnte dann mit erheblichen Risiken verbunden sein.

Auch im Geschäftsalltag wird immer häufiger über den Messenger Whatsapp kommuniziert. Dabei sind oft auch Kundendaten im Spiel. Die Landesbeauftragte für Datenschutz des Landes Schleswig-Holstein, Marit Hansen, warnt vor möglichen Folgen: Sowohl nach jetzigem als auch nach dem neuen Datenschutzrecht handle es sich bei der Weitergabe solcher Daten „ohne Rechtsgrundlage oder Einwilligung um einen Datenschutzverstoß“, sagte sie der „Welt“. Ab Inkrafttreten der EU-Datenschutzgrundverordnung am 25. Mai könnten solche Verstöße mit hohen Bußgeldern geahndet werden. Betroffenen riet Hansen, sich von Anfang an rechtskonform zu verhalten.

Nach ihrer Einschätzung gilt das vor allem für Freiberufler und Handwerker, die Kundendaten auf Whatsapp verwenden. Eine Online-Umfrage der „Deutschen Handwerks Zeitung“ ergab, dass 59 Prozent der 391 Befragten Messenger wie Whatsapp zur Kommunikation mit und zwischen den Mitarbeitern oder zum Kontakt mit Kunden zu nutzen.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) bestätigt, dass auf Handwerker „datenschutzrechtliche Probleme“ zukommen könnten. Handwerker verwendeten Whatsapp als Kommunikationsmittel auf dem Bau sowie oft auch dafür, sich von Kunden Fotos von Stellen in der Wohnung schicken zu lassen, die repariert werden sollen. „Da Whatsapp Zugriff auf dieses Bild erhält, handelt es sich hierbei um eine Datenübertragung an Whatsapp, für die der betroffene Kunde jedoch keine Einwilligung erteilt hat“, sagte ZDH-Datenschutzexperte Markus Pfeifer der „Welt“. Eine gesetzliche Grundlage für den Datentransfer bestehe somit nicht.

Nutzung „nicht unproblematisch“

Der IT-Rechtsexperte Christian Solmecke hält die berufliche Nutzung von Whatsapp für „ grundsätzlich nicht unproblematisch“. Im geschäftlichen Kontext sei ab Freitag zweifelsfrei die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) anwendbar, betont der Jurist im Gespräch mit unserer Redaktion. „Und da bin ich dann quasi dafür verantwortlich, dass meine Telefonnummer gespeichert mit den Daten in meinem Adressbuch möglicherweise an einen amerikanischen Großkonzern weitergeleitet wird, der damit Schindluder betreiben kann.“ Die Aufsichtsbehörde werde dem einzelnen Handwerker wohl nicht das Handy abnehmen und kontrollieren, ob er Whatsapp installiert habe. „Die Gefahr ist aber, dass der Kunde ihn abmahnen könnte.“

Der IT-Rechtsexperte Hauke Hansen sieht das Hauptproblem ebenfalls in der Synchronisation von Kontakten. Wer den Messenger auf seinem Smartphone nutze, gewähre Whatsapp auch Zugriff auf sein Adressbuch, betont er in der „Deutschen Handwerkszeitung“. Somit erhalte der US-Konzern auch Telefonnummern von Kontakten, die den Messenger überhaupt nicht nutzten. Was die Facebook-Tochter mit diesen Daten anstelle, sei nicht bekannt. Fakt sei jedoch, dass die Telefonnummern so ohne Berechtigung an das US-Unternehmen weitergegeben würden. „Der Nutzer begeht wahrscheinlich Datenschutzverstöße“, warnt Hansen.

Der Fall liege möglicherweise anders, wenn alle Kontakte im Telefonbuch ebenfalls Whatsapp nutzten. Dann hätten sie den Geschäftsbedingungen ja zugestimmt. Seiner Ansicht nach wären Betriebe in diesem Fall aus dem Schneider. „Wenn der Kunde der Ansicht ist, dass seine Rechte durch die Art der Datenverarbeitung von WhatsApp verletzt würden, müsste er gegen Whatsapp klagen“, sagt Hansen.

Was droht Privatnutzern?

Privatnutzer haben wohl nichts zu befürchten: In der „Computer Bild“ erklärt Cornelius Matutis, Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz, dass die Datenverarbeitung für rein persönliche und familiäre Zwecke laut Artikel 2 Abs. 2c der DSGVO nicht betroffen ist.

Der Messenger-Dienst lässt sich in seinen Nutzungs- und Datenschutzbedingungen umfassende Rechte einräumen. Dort heißt es unter anderem: „Du stellst uns regelmäßig die Telefonnummern von Whatsapp-Nutzern und deinen sonstigen Kontakten in deinem Mobiltelefon-Adressbuch zur Verfügung. Du bestätigst, dass du autorisiert bist, uns solche Telefonnummern zur Verfügung zu stellen, damit wir unsere Dienste anbieten können.“ Es ist aber wohl davon auszugehen, dass fast alle Nutzer der Chat-App Zugriff auf die in ihrem Smartphone gespeicherten Kontakte erlauben, ohne vorhertatsächlich deren Einwilligung ihrer Kontakte einzuholen.

Seit der Übernahme durch Facebook im Jahr 2014 hat WhatsApp zudem angefangen, die mit verknüpften Telefonnummern und andere Account-Informationen mit dem sozialen Netzwerk zu teilen. Facebook kann die geteilten Daten dazu benutzen, die eigenen Benutzer-Profile um fehlende Informationen zu ergänzen. Das hat zur Folge, dass der US-Konzern auch Telefonnummern von Kontakten erhält, die den Messenger überhaupt nicht nutzen.

Inzwischen hat Whatsapp eine Erklärung unterzeichnet, dass man mit dem Start der europäischen Datenschutzverordnung am 25. Mai nur Daten in Übereinstimmung mit der neuen Verordnung teilen wolle. Das Unternehmen erklärte außerdem, bislang keinerlei Daten europäischer Nutzer mit Facebook-Firmen für eine kommerzielle Nutzung ausgetauscht zu haben.

(Mit AFP)