Erhebliche Gefahr von Nebenwirkungen Norwegische Studie: Botox hilft bei Migräne

Von Elke Bunge, Elke Bunge | 23.09.2017, 17:59 Uhr

Botox-Injektionen könnten bei therapieresistenter schwerer Migräne Linderung verschaffen. Zu diesem Ergebnis kommen norwegische Forscher. Die Behandlung mit dem Nervengift bewirkt eine langfristige deutliche Besserung. Aber kennen die Patienten die Risiken der Modedroge?

Kopfschmerzen zählen neben Rückenschmerzen zu den häufigsten Beschwerden, unter denen Menschen leiden. So leiden nach Angaben des deutschen Gesundheitsministeriums etwa 70 Prozent der deutschen Bevölkerung unter Kopfschmerzen. Fast jeder zehnte Deutsche ist an Migräne erkrankt. Dabei kann die Intensität dieser meist einseitigen Kopfschmerzen derart stark sein, dass die betroffenen Patienten zur Suizidalität neigen. Medizinische Intervention ist hier dringend geboten.

In einer jüngst veröffentlichten Studie stellen norwegische Neurologen eine ihrer Ansicht nach erfolgreiche Behandlungsmethode von Migräne vor. Mit gezielter niedrigdosierter Botulinumtoxin-Injektion (BTA), allgemein bekannt als Botox, soll der Kopfschmerz eingedämmt und damit die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessert werden.

Wo andere Mittel versagen

Das Ärzteteam des norwegischen St. Olav’s Hospital in Trondheim unter Leitung von Daniel Fossum Bratbak behandelte in der Studie zehn Patienten im Alter von 18 bis 70 Jahren. Kriterien für die Auswahl der Patienten waren die sichere Diagnose, dass es sich um Migräne und nicht um eine andere Kopfschmerzform handelt. Hinzu kamen Migräneanfälle im vergangenen Jahr von länger als zwölf Wochen, jegliches Versagen anderer Medikation wie ACC, Paracetamol oder die Gabe von Triptanen. Desweiteren setzten die Mediziner voraus, dass ein Migräneereignis vor dem Erreichen des 50. Lebensjahrs eingetreten war. Ausschlußkriterien waren psychische oder psychosomatische Erkrankungen, Schwangerschaft und natürlich Drogen-, Medikamenten- und Alkoholabusus.

Schmerz lässt nach

Waren diese Kriterien erfüllt, unterzogen sich die Patienten kontrolliert der BTA-Therapie. 50 Einheiten BTA wurden zu je 25 in beide Nasenflügel injiziert, um von dort in die Flügelgaumenganglien zu gelangen. Dort sollte das Botox seine schmerzlindernde Wirkung entfalten.

Bratbak zeigte sich zufrieden mit den erzielten Ergebnissen. „Die Hälfte der an der Studie teilgenommenen Patienten erklärten, nur noch an einem geringen oder dumpfen Kopfschmerz zu leiden.“ Acht der zehn an der Studie teilnehmenden Patienten zeigten an, dass eine Schmerzreduktion wenigsten um etwas mehr als 50 Prozent eingesetzt habe. Das sind vielversprechende Aussichten bei einem Kopfschmerz, der Selbsmordgedanken auslöst.

Erhebliche Gefahr von Nebenwirkungen

Botox ist bislang vor allem von der Anwendung in der kosmetischen Chirurgie bekannt. Dort soll es vor allem die Gesichtshaut straffen, vollere Lippen suggerieren und somit zur Schönheit der Damenwelt beitragen. Seit einigen Jahren wird die BTA-Injektion auch bei der Behandlung von Hemi- oder Tetraplegien – Körperlähmungen - verwandt, um Muskeln und Sehnen zu glätten und zu entspannen.

Botulinumtoxin gehört jedoch auch zu den stärksten Nervengiften. Seine Nebenwirkung können zu erheblichen Gesundheitseinschränkungen führen. Der international agierende Pharmakonzern Allergan gibt als mögliche Begleiterscheinungen Atemdepressionen, Sprach- und Sehstörungen und mögliche Inkontinenz durch erschlaffte Muskeln an. Zu den gravierenden Risiken zählen cerebrale Schäden sowie ein drastisches Muskelerschlaffen, das auch tödlich enden kann.

Während Kunden der kosmetischen Chirurgie nicht immer über die Risiken des Eingriffs informiert werden, hofft man bei klinischen Anwendungen auf eine entsprechende Patientenaufklärung. Es wird selbst bei geringer Konzentration auch im Falle der Migränetherapie stets ein Abwägen bleiben, ob man wegen dringend erforderlicher Schmerzreduktion – etwa bei Suizidgefährdung – die Risiken einer BTA-Injektion in Kauf zu nehmen gewillt ist.