Erdbeermarmelade verboten Marmelade oder Konfitüre: Was ist der Unterschied?

Von Christian Lang | 12.06.2015, 21:00 Uhr

Seit 2003 ist die Bezeichnung „Marmelade“ auf Erdbeer-Konfitüre verboten. Warum das so ist und was die Briten damit zu tun haben, erklären wir hier.

Osnabrück. Zu einem reich gedeckten Frühstückstisch gehören auch leckere Fruchtaufstriche. Vor allem Erdbeeren, Kirschen oder Himbeeren sind als Sorten hierzulande sehr beliebt. Die süßen Brotaufstriche werden in der Alltagssprache meist als „Marmelade“ bezeichnet. Doch streng genommen ist das in vielen Fällen falsch. Die richtige Bezeichnung hängt vor allem von der Zusammensetzung der Produkte ab. Was macht ein Fruchtaufstrich zur Marmelade? Und worin liegen die Unterschiede zu Konfitüren und Gelees?

„Schatz, kannst du mir mal die Marmelade reichen?“ Dieser Satz gehört morgens zum Alltag an vielen Frühstückstischen. Doch häufig ist diese Frage falsch – es sei denn, Fruchtaufstriche unter anderem mit Quitte oder Orange als Zutaten stehen bereit.

Denn laut EU-Vorgaben und der deutschen Konfitürenverordnung aus dem Jahr 2003 darf Marmelade neben Wasser und Zucker nur aus Zitrusfrüchten bestehen. Dass sich die EU für eindeutige Bezeichnungen für die Fruchtaufstriche eingesetzt hat, lag vor allem am Einfluss der Briten. Diese wollten sich den Begriff dadurch für ihre geliebte Orangenmarmelade reservieren lassen. Der Fokus auf die Zitrusfrüchte entspricht zudem auch der eigentlichen Herkunft der Bezeichnung: Ursprünglich stammt der Begriff vom portugiesischen Wort „marmelo“ ab, was übersetzt „Quitte“ bedeutet.

Sprachliche Verwirrung

Streng genommen gibt es also gar keine Erdbeermarmelade. Wer diese Bezeichnung dennoch verwendet, meint dabei meist „Konfitüre“. Im Gegensatz zur Marmelade darf eine Konfitüre auch aus anderen Fruchtarten hergestellt werden. Sie zeichnet sich zudem durch einen recht hohen Zuckeranteil aus – mindestens 60 Prozent muss dieser laut deutschem Lebensmittelgesetz betragen.

Um die sprachliche Verwirrung komplett zu machen, unterscheidet der Gesetzgeber noch zwischen „Konfitüre“ und „Konfitüre extra“. Letztere zeichnet sich durch einen höheren Fruchtgehalt aus. Bei beiden Kategorien sind aber auch bei bestimmten Arten wie Passionsfrüchten niedrigere Grenzwerte erlaubt. Wichtig: Aus Äpfeln, Melonen, Birnen und Trauben darf keine Konfitüre produziert werden.

Während Marmeladen und Konfitüren aus ganzen Früchten oder zumindest Fruchtstücken hergestellt werden, bestehen Gelees aus Gelierzucker und Fruchtsaft, der Fruchtgehalt liegt in der Regel zwischen 30 und 40 Prozent. Die Konsistenz von Gelees ist normalerweise fester als die einer Konfitüre.

Schließlich gibt es noch den „Fruchtaufstrich“, der im Gegensatz zu den vorherigen Bezeichnungen nicht im Lebensmittelrecht definiert ist. Deshalb ist sein Frucht- und Zuckergehalt gesetzlich nicht festgelegt. Meist ist der Fruchtanteil höher als bei Marmeladen oder Konfitüren. Dennoch lohnt sich ein Blick aufs Etikett, da sich die genaue Zusammensetzung von Produkt zu Produkt unterscheiden kann.

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