Der eigene Gemüsegarten Kickstart in die Gartensaison: Keimprobe und erste Samen

Von dpa | 10.02.2017, 07:00 Uhr

Es geht los! Bald können die ersten Samen für Gemüse, Kräuter und Blumen gesät werden. Aber das Saatgut muss nicht jedes Jahr frisch gekauft werden. Ob Eingelagertes zur Pflanze werden kann, lässt sich mit einer Keimprobe prüfen.

Wenn die ersten Sonnenstrahlen den kalten Boden erwärmen, geht es los: Die ersten Samen dürfen in die Erde. Allerdings noch im Topf auf der Fensterbank. Neues Saatgut ist dafür nicht immer notwendig. „Die meisten Samen sind in der Regel mehrere Jahre keimfähig, wenn sie trocken und luftdicht in einem Schraubglas gelagert werden und keinen extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt sind“, sagt Cornelia Lehmann vom Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen in Brandenburg.

So funktioniert eine Keimprobe

Seine besten Erfahrungen hat Hartmut Clemen mit Tomaten gemacht: „Die Samen keimen auch noch nach fünf Jahren“, sagt der Landesfachberater der Gartenfreunde Bremen. Vier bis fünf Jahre hält Saatgut von Gurke, Mangold, Kürbis, Zucchini, Rettich, Radieschen, Roter Beete, Spinat und diversen Kohlarten. Pastinaken aber sollte man jedes Jahr frisch kaufen. Schwarzwurzeln, Erbsen, Bohnen, Porree, Dill, Schnittlauch und Petersilie gelten für ein bis zwei Jahre lang als brauchbar.

Für den Handel schreibt die Saatgutverordnung eine Keimfähigkeitsquote vor. Aber auch im Hobbybereich lohnt es sich, eine Keimprobe zu machen – insbesondere bei Salaten und Hackfrüchten wie Möhren, Roter Beete, Schwarzwurzeln und Pastinaken, die direkt im Garten ausgesät werden. „Bevor man erkennt, dass man nachsäen oder sogar neues Saatgut kaufen muss, können Tage ins Land gehen. Diese Zeit kann man oft nicht wieder einholen“, erklärt Erika Brunken, Leiterin der Niedersächsischen Gartenakademie.

Für eine Keimprobe legt man eine flache Schale, einen Teller oder einen Plastikbehälter mit Küchenkrepp, Papiertaschentuch oder Kaffeefilter aus, feuchtet die Lagen gut an und legt zehn Samen darauf aus. „Die Samen sollten sich nicht berühren, damit sie sich nicht gegenseitig beeinflussen und genügend Platz haben, um Keimlinge zu bilden“, erläutert Lehmann. Dann die Schale mit Frischhaltefolie überspannen, damit die Feuchtigkeit nicht verdampft. Sie kommt an einen hellen, warmen Ort.

Hobbygärtner brauchen Geduld

Als ideal gilt eine Raumtemperatur von 21 bis 23 Grad – ausgenommen für Pflück- und Kopfsalate. Hier sollte die Temperatur nicht über 16 Grad liegen. Bei einem Standort direkt über der Heizung ist regelmäßiges Nachfeuchten nötig. „Das Papier sollte nicht austrocknen, sondern immer gleichmäßig feucht sein“, erklärt Lehmann.

Experten empfehlen bei Gemüsesorten, die Keimprobe zwei Wochen lang durchzuführen, um dem Saatgut ein ausreichend großes Zeitfenster zum Keimen zu geben. Sie beginnen in der Regel jedoch schon nach wenigen Tagen damit. Dill und Petersilie brauchen aber drei bis vier Wochen. „Je schneller ein Samen keimt und sich die Keimpflanze entwickelt, umso vitaler ist das Saatgut und später auch die einzelne Pflanze“, erklärt Lehmann.

Geht am Ende weniger als die Hälfte des Saatgutes auf, ist es ratsam, neues zu kaufen und das alte als Vogelfutter zu verwenden. Allerdings nur aus wirtschaftlicher Sicht: „Wenn das Saatgut für den Gartenliebhaber einen besonderen Wert besitzt, er es geschenkt bekommen hat oder es sich um eine alte Sorte handelt, kann man es natürlich noch aussäen“, sagt Brunken. „Gesundheitliche Bedenken gibt es nicht.“ Und immerhin bekommt man einige Pflanzen.

Wer Pflanzen ziehen möchte, sollte sich noch ein wenig in Geduld üben. In der Regel können Frühgemüse und Sommerblumen zwar ab Ende Februar im warmen Haus angezogen werden. Doch nicht immer tut man ihnen damit einen Gefallen. „Anfang bis Mitte April ist für die Anzucht im Haus früh genug, vor allem im norddeutschen Raum“, sagt Clemen, der auch Leiter des Beratungszentrums FlorAtrium ist.

Ideale Temperatur liegt zwischen 18 und 22 Grad

Nicht die Größe der Pflanze sei ausschlaggebend für eine gute Ernte, sondern ihre Gesundheit. Denn ist es den Pflanzen im Haus zu dunkel, bilden sie lange und weiche Triebe – Vergeilen nennt das der Profi. Daher betont Clemen: „Lieber kleine, kräftige Jungpflanzen in die Erde bringen statt große, geilwüchsige. Sie sind kränklich und sehr empfindsam zur Pflanzzeit.“

Die Samen kommen in Töpfe, mit Folie oder Zeitungspapier ausgelegte Holzkisten und Schalen aus Kunststoff. „Die Anzuchterde sollte luftig, durchlässig, nicht zu sauer, frei von Krankheitserregern, wasserspeichernd und arm an Nährstoffen sein“, erklärt Brunken. Die ideale Temperatur für die Anzucht liegt zwischen 18 und 22 Grad. Lediglich Salat muss nach der Aussaat etwa zwölf Stunden kühl stehen.

Die ersten Pflanzen bereits im April setzen

Nach der Keimung müssen die Sämlinge an tiefere Temperaturen gewöhnt werden. „Je wärmer es ist, desto heller muss der Standort sein. Sonst schießen die Keimlinge hoch und fallen um“, erklärt Brunken. Ein Mini-Gewächshaus, regelmäßig gelüftet, bietet für die Keimlinge ideale Startbedingungen: Die Luftfeuchtigkeit bleibt darin gleichmäßig hoch, die Anzuchtschalen trocknen nicht zu schnell aus.

Für die eigene Anzucht eignen sich grundsätzlich gut Tomaten, Paprika, Sellerie, Auberginen, Artischocken, Neuseeländer Spinat, Gurken und Kürbis. Sie alle werden erst Mitte Mai in den Garten gepflanzt. Frühe Sorten von Kopfsalat, Kohlrabi und Blumenkohl können je nach Witterung und Lage bereits im April ausgesetzt, Dicke Bohnen sogar schon im März bis Anfang April. „Vor dem Verpflanzen müssen die Pflanzen unbedingt abgehärtet werden“, betont Clemen. Sein Tipp: Die Pflanzen über zwei bis drei Tage an einen windgeschützten, schattigen Platz im Freien stellen und nachts wieder ins Haus holen.