Absicherung für Freiwillige Was Flüchtlingshelfer beachten sollten

08.12.2015, 14:27 Uhr

Wer sich als Flüchtlingshelfer engagiert, sollte sich Gedanken über die Absicherung machen. Was zudem für Geldspenden gilt, was Sie bei der Vermietung beachten sollten und ob Ihr Arbeitgeber Ihnen freigeben muss, erfahren Sie hier – und übrigens: Die meisten Tipps gelten auch für alle, die ein anderes Ehrenamt übernommen haben.

 Unfall: Für die meisten Ehrenamtlichen greift die gesetzliche Unfallversicherung. Auch Sammelverträge, welche die Vereine abgeschlossen haben, zahlen bei einem Unfall. Doch nicht alle Helfer können sich darauf verlassen: Wer sich über eine Stiftung oder bei der Bürgerinitiative beteiligt, sollte klären, ob auch hier der Schutz greift. „Eine private Unfallversicherung macht durchaus Sinn“, sagt der Finanzjournalist Horst Biallo, der sich selbst als Helfer engagiert. Lediglich von Verträgen mit Beitragsrückgewähr sollten Sie Abstand nehmen, da diese neben dem Beitrag für die Versicherung zusätzlich Guthaben aufbauen, welches schlecht verzinst wird. Fragen Sie bei Ihrer Bank nach einer „Unfallversicherung ohne Rückgewähr“.

 Haftpflicht: Es muss aber nicht immer ein Unfall mit Folgen für den Helfer sein. Beschädigt der Freiwillige zum Beispiel etwas im Haushalt der Flüchtlinge, übernimmt den Schaden in der Regel seine private Haftpflichtversicherung. Vorausgesetzt, der Versicherer hat „Ehrenamt“ nicht ausgeschlossen. Selbst wenn die Flüchtlingsfamilie etwas zerstört, könnte die eigene Haftpflichtversicherung einspringen. Denn Asylbewerber haben meist keine Versicherung hierzulande abgeschlossen. Wer aber die sogenannte Schadenersatzausfalldeckung mitversichert hat, bekommt auch dann Geld. Fragen Sie bei Ihrem Versicherer danach. Das Aufstocken der eigenen Police um diesen Punkt kostet zudem nur wenig Aufpreis. Wer über einen Träger oder Verein tätig ist, erhält in der Regel Versicherungsschutz über dessen Haftpflichtversicherung.

 Steuererklärung: Für Geldspenden an die Flüchtlingshilfe gilt derzeit ein vereinfachtes Verfahren, hat das Bundesfinanzministerium festgelegt. Um die Spenden in der Steuererklärung im Mantelbogen auf Seite 2, Zeilen 45 bis 56, einzutragen, genügt eine Kopie des Kontoauszuges. Vorerst im Zeitraum 1. August 2015 bis 31. Dezember 2016 gilt zudem keine Beitragsbeschränkung. „Ähnliche Regelungen gab es schon häufiger, wie zum Beispiel bei der Hochwasserkatastrophe 2013 oder des Erdbebens in Nepal“, sagt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine e.V. Wer Arbeitnehmer ist und seinen Arbeitgeber bittet, einen Teil von seinem Bruttogehalt zu spenden, ist für diesen Teil von den Sozialabgaben befreit. Zusätzlich kann die Spende jedoch nicht in der Steuererklärung abgesetzt werden.

 Vermietung: Grundsätzlich darf jeder Mieter einen Flüchtling aufnehmen. Vorübergehend, also für ein paar Wochen, können Flüchtlinge als ganz normaler Besuch in der Wohnung aufgenommen werden. Das muss nicht einmal der Vermieter wissen. „Der Mieter kann gegenüber seinem Vermieter so argumentieren, als ob man kurzfristig Freunden die Wohnung überlässt, was durchaus erlaubt ist“, erklärt Ulrich Ropertz, Geschäftsführer des Deutschen Mieterbunds.

 Arbeitgeber: Kann oder muss der Arbeitgeber einen Mitarbeiter freistellen, der helfen will? „Einen Rechtsanspruch auf Freistellung hat der Arbeitnehmer nicht“, sagt Rechtsanwältin Nathalie Oberthür, Mitglied im Geschäftsführenden Ausschuss der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht beim Deutschen Anwaltverein. Fragen Sie Ihren Chef, ob es möglich ist, unbezahlten Urlaub oder unbezahlte freie Tage zu beantragen. „Oder, ob er sich mit bezahlten Freistunden an der Flüchtlingshilfe beteiligen möchte“, rät sie.