Im Papenbörger Hus Wie Buchweizenpfannkuchen zum Kultgericht der Region wurden

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Ludger Stukenborg, Vorsitzender des Vereins Papenbörger Hus, sagt: „Der ausgelassene Speck gibt dem Buchweizenpfannkuchen eine pikante Note. Wenn man ihn ohne isst, fehlt etwas.“ Foto: Lorena DreusickeLudger Stukenborg, Vorsitzender des Vereins Papenbörger Hus, sagt: „Der ausgelassene Speck gibt dem Buchweizenpfannkuchen eine pikante Note. Wenn man ihn ohne isst, fehlt etwas.“ Foto: Lorena Dreusicke

Papenburg. Vom Arme-Leute-Essen zur Spezialität: Mit dem „Baukweiten-Janhinnerk“ sind viele in der Region aufgewachsen. Er ist dunkler als ein Eierpfannkuchen, herber im Geschmack, dazu gibt es traditionell süßen Apfelmus und salzigen Speck. Das muss so sein, meint der Verein Papenbörger Hus, der in seinem Café jährlich 30.000 Buchweizenpfannkuchen serviert.

Der Verein Papenbörger Hus hat das Haus 1979 als Ruine erworben und umfassend saniert. Seit 25 Jahren betreiben die Vereinsmitglieder halb-ehrenamtlich das Café in der Von-Velen-Anlage. Früher lebte in dem Gebäude eine Kapitänsfamilie, heute steht das Haus dreimal wöchentlich für Einheimische und Besucher offen. Neben Kaffee und selbst gebackenem Kuchen sind Pfannkuchen die Spezialität des Hauses. Denn der „Baukweiten-Janhinnerk“ kommt im Emsland schon seit Jahrhunderten auf den Esstisch.

Für einen Pauschalpreis können Gäste so viele Pfannkuchen essen, wie sie möchten. Dazu gibt es Ostfriesentee – wer mag, mit Kluntje-Kandis und Sahnewölkchen. Der Speck im Pfannkuchen schreckt viele Schleckermäuler ab - nicht so Ludger Stukenborg, Vorsitzender des Vereins Papenbörger Hus. Er meint: „Der ausgelassene Speck gibt ihm eine pikante Note. Wenn man ihn ohne isst, fehlt etwas.“

Geschichten über Speck im Pfannkuchen

Was die Anzahl der Speckstreifen zu bedeuten hat, darüber gibt es mehrere Geschichten. Eine hat mit Heiraten und den Schwiegereltern in spe zu tun. Wollten früher der Sohn oder die Tochter des Hauses heiraten, wurde der oder die Zukünftige zunächst von den Eltern ausgefragt – etwa nach Gesundheit und Vermögen. Anschließend aß man gemeinsam Buchweizenpfannkuchen. Dabei signalisierte die Zahl der eingebackenen Speckstücke dem „Prüfling“, ob er oder sie im Hause willkommen war oder nicht: Eine gerade Anzahl Speckstücke bedeutete, er hat den Segen der Schwiegereltern. Eine ungerade Anzahl zeigte ihm: Das wird nichts mit dem Einheiraten in die Familie.

Gisela Dopp ist Küchenchefin

Manche der Gäste im Café der Von-Velen-Anlage stärken sich hier für eine geplante Bootsfahrt auf dem Kanal, andere hatten einfach Appetit auf die Buchweizenpfannkuchen. In dem urigen Café ist das Licht gedämpft. Der Saal ist fensterlos. Es duftet meist intensiv nach Bratfett und Gebäck. Küchenchefin im Papenbörger Hus ist Gisela Dopp. Seit sieben Jahren backt sie hier abwechselnd mit neun anderen Frauen Pfannkuchen für die Gäste. Oft bedeutet das Akkordarbeit. „Es kommen sehr viele Touristen. Manchmal haben wir hier 80 Personen, dann stehen drei Frauen hinterm Herd“, sagt Dopp.

Rezept bleibt geheim

Das Rezept für die Buchweizenpfannkuchen hält der Verein geheim. Doch ein Detail verrät Küchenchefin Dopp: „Der Speck muss vorher ausgelassen werden.“ Im Papenbörger Hus werden die Pfannkuchen sehr dünn gebacken. Sättigend sind sie trotzdem. Für die Urahnen in der Region war das ein Vorteil. Immerhin vertrug der Buchweizen den sauren Boden im Emsland. So diente er als Getreideersatz. Angebaut wird das Knöterichgewächs im Emsland seit rund 500 Jahren.

„Ich bin mit Buchweizenpfannkuchen aufgewachsen. Wenn ich einen esse, kommen Erinnerungen an die Kindheit hoch“, sagt Dopp, die aus Bockhorst stammt. Die Gäste seien meist sehr freundlich. „Viele sind in Urlaubsstimmung und finden es toll hier“, sagt Dopp. Der Verein bekomme regelmäßig Post von Gästen, die das Café besucht haben. „Darin bedanken sie sich noch mal. Sie merken, dass wir mit viel Herzblut bei der Sache sind“, sagt Dopp.


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