Kriminalität Betrug: Windkraftunternehmer Holt zu Haftstrafe verurteilt

Von dpa

Vor dem Meppener Amtsgericht steht ein Schild mit der Aufschrift "Amtsgericht".Vor dem Meppener Amtsgericht steht ein Schild mit der Aufschrift "Amtsgericht".
Friso Gentsch/dpa/Archivbild

Meppen. Der emsländische Unternehmer Hendrik Holt soll Windkraftinvestoren um Millionen betrogen haben. Das Amtsgericht Meppen verurteilte ihn nun wegen zwei kleinerer Betrugsdelikte zu einer Freiheitsstrafe.

Der emsländische Windkraftunternehmer Hendrik Holt ist wegen Betrugs vom Amtsgericht Meppen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Das Schöffengericht sah es am Mittwoch als erwiesen an, dass der 30 Jahre alte Holt in zwei Fällen im Jahre 2019 Verträge mit einem Makler, einem Notar und einem Unternehmen abgeschlossen hatte, ohne die Absicht zu haben, die Kosten zu begleichen. (Az.: 7 Ls 710 Js 10291/20 (20/20))

Dabei ging es einmal um ein größeres Grundstücksgeschäft im Landkreis Rotenburg, bei dem Holts Firma Makler- und Notargebüren schuldig geblieben war. In einem anderen Fall hatte seine Firma einem Düsseldorfer Unternehmen nicht das vereinbarte Erfolgshonorar bezahlt. Laut Staatsanwaltschaft beträgt der Gesamtschaden rund 600 000 Euro. Holts Anwalt kündigte Rechtsmittel gegen die Entscheidung an.

Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt gegen Holt und andere Beschuldigte, weil sie mit fingierten Windparkprojekten Investoren getäuscht und geschädigt haben sollen. Der Schaden soll mehr als zehn Millionen Euro betragen. Möglicherweise wird auch in diesem Komplex noch in diesem Jahr Anklage zum Landgericht Osnabrück erhoben.

Das Schöffengericht in der emsländischen Kreisstadt folgte den Argumenten der Staatsanwaltschaft, wonach Holt die Verträge abgeschlossen hatte, ohne jemals die Absicht gehabt zu haben, die Kosten zu begleichen. Unter anderem sprach aus Sicht des Berufsrichters und der zwei ehrenamtlichen Richter gegen Holt, dass er und seine Firma in beiden Fällen abgetaucht waren, als es um die Bezahlung der Kosten ging.

Nach dem Immobiliengeschäft hatte die Firma Holts ihren Sitz von Osnabrück ins sächsische Bautzen verlegt, ohne seine Geschäftspartner zu informieren. Diese mussten die neue Adresse erst recherchieren. Telefonisch war Holt nicht erreichbar. Der Makler hatte von einem Familienmitglied die Auskunft erhalten, der Jungunternehmer sei in Malaysia verschollen - was nicht den Tatsachen entsprach. Die Geschäftsräume in Bautzen seien „eine Ruine“ gewesen, sagte der Richter - ohne Telefonanschluss und Geschäftsausstattung.

Auch als es um die Bezahlung der Rechnung der Düsseldorfer Firma ging, war Holt und sein gesondert verfolgter Geschäftspartner nicht mehr erreichbar. Der Geschäftsführer schilderte, wie die Firma Holts auf Anrufe und Mails nicht mehr reagierte. Dabei hatte die Firma aufgrund des erfolgreichen Abschlusses mit einem schottischen Energieversorgungsunternehmen zur Jahreswende 2019/2020 einen Betrag von vier Millionen Euro erhalten. Zum erfolgreichen Geschäftsabschluss hatte die Düsseldorfer Firma maßgeblich beigetragen und ein dreiviertel Jahr lang für den Auftrag gearbeitet, sagte der Geschäftsführer. Das Honorar von 275 000 Euro sei fest eingeplant und der Verlust nur schwer verkraftbar gewesen.


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