Fußball HSV-Trainer Thioune: Skepsis treibt mich an

Von dpa

Daniel Thioune.Daniel Thioune.
Axel Heimken/dpa/Archivbild

Hamburg. Dieter-Hecking-Nachfolger Daniel Thioune hat klare Vorstellungen von seiner Aufgabe beim HSV. Stößt er auf Ablehnung, spornt ihn das an. Sein Ziel ist trotz Kurskorrekturen unumstößlich: Bundesliga!

Daniel Thioune begreift Kritik an seiner Verpflichtung beim Fußball-Zweitligisten Hamburger SV als Antrieb. „Wahrscheinlich ist nicht jeder begeistert, dass man den Trainer vom 13. der Zweiten Liga geholt hat. Aber Skepsis treibt mich an. Ich möchte diesen Menschen beweisen, dass ich es kann“, sagte Thioune dem „Hamburger Abendblatt“ (Freitag). Persönliche Kontakte seien bislang immer positiv verlaufen, versicherte der Nachfolger von Dieter Hecking. „Es passiert schon mal, dass an der Ampel jemand neben mir steht, zweimal ins Auto schaut, um zu gucken, ob ich es auch wirklich bin, und dann den Daumen hebt.“

Trotz der Abkehr des HSV-Vorstandes, als Ziel in dieser Saison die Rückkehr in die Bundesliga auszugeben, dafür vielmehr von einer Entwicklung der Mannschaft zu sprechen, hat Thioune klare Vorstellungen: „15.30 Uhr. Bundesliga. Das möchte ich irgendwann erleben. Und ich habe das Gefühl, dass das hier möglich sein kann, denn der eingeschlagene Weg der Verantwortlichen überzeugt mich“, betonte der 46-Jährige in der „Hamburger Morgenpost“ und ergänzte in der „Bild“: „Wir haben eine ordentliche Substanz, einen Kader, um den uns viele in der 2. Liga beneiden. Der Hamburger SV ist gut aufgestellt, aber Ziele sollten grenzenlos sein!“

Thioune sieht in der Entwicklung der Mannschaft auch die Möglichkeit zu eigener Reife. Durch die Verpflichtung als Trainer gab es „für mich die Chance, selbst ein Stück zu wachsen. Ich brauche da niemandem etwas vorzumachen, die Herausforderung Hamburger SV ist groß. Es kann der nächste Schritt sein“, sagte Thioune der „Hamburger Morgenpost“. „Ich komme aus meiner Wohlfühloase heraus und tauche ein in die nächste Herausforderung.“

Bei der Führung der Mannschaft setzt der ehemalige Coach des VfL Osnabrück sowohl auf Eigenverantwortlichkeit als auf klare Grenzen. „Wenn sich jemand wichtiger nimmt als das Team und ausschließlich sich selbst in den Vordergrund stellt, bekommt er mit mir Probleme. Dann spreche ich das direkt, klar und deutlich an“, sagte er der „Hamburger Morgenpost“.

Das betrifft auch den Umgang mit mobilen Telefonen. „Handy-Nutzung ist ein allgegenwärtiges Thema, das ich nicht gänzlich untersage. Aber es gibt Bereiche, wie den Besprechungsraum oder die Kantine, wo ich es nicht zulassen werde“, betonte Thioune in der „Bild“-Zeitung. Dabei will sich der Coach bei möglichen Strafzahlungen in die Mannschaftskasse nicht ausnehmen. „Teilweise biete ich einem Spieler auch an, dass ich einen Teil der Strafe übernehme“, meinte der Trainer. „Hat er es zum Wohle des Teams gemacht, teilen wir uns die Strafe. Dazu bin ich gerne mal bereit.“

Er selber werde nicht fehlerfrei bleiben, bekannte er. „Ich werde auch mal Dinge sagen, die ich mir besser hätte verkneifen sollen. Es gehört zu meiner Fehlerkultur dazu. Manchmal treffe ich Entscheidungen aus dem Bauch heraus“, sagte er dem „Hamburger Abendblatt“. Als einziger schwarzer Trainer in der Bundesliga sieht er sich nicht in einer Sonderrolle: „Als ich zur Schule gegangen bin, war ich das einzige schwarze Kind. Heute gibt es in jeder Klasse eines. Es ist alles im Wachstum. Es wird sich verändern.“

Jedoch beklagt er: „Ich habe zu vielen Themen eine Haltung, werde aber immer nur zu dem einen gefragt. Ich bin kein Freiheitskämpfer. Mir geht es um ethische Werte, für die ich mich einsetze.“


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