Tarife Metallabschluss in Niedersachsen: Kein Lohnplus, aber Hilfen

Von dpa

Eine Fahne der IG Metall weht bei einem Warnstreik. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/ArchivbildEine Fahne der IG Metall weht bei einem Warnstreik. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild
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Hannover. Eigentlich sollte der Branchenumbruch das Hauptthema sein. Doch dann überschattete auch bei den Metall-Tarifgesprächen die Viruskrise alles andere. Gewerkschaft und Unternehmen gehen erst einmal auf Nummer sicher.

Die Beschäftigten der niedersächsischen Metall- und Elektroindustrie müssen in der Corona-Krise auf reguläre Lohnsteigerungen verzichten, erhalten dafür aber Unterstützung bei Kurzarbeit und Kinderbetreuung. Arbeitgeber und IG Metall einigten sich wegen der starken Belastung vieler Betriebe vorzeitig auf einen Tarifabschluss, wie sie am Freitag mitteilten.

Dabei wurden weite Teile der Vereinbarungen aus dem Pilotbezirk Nordrhein-Westfalen übernommen. Der bisherige Entgelttarifvertrag soll zunächst bis zum Jahresende weiterlaufen - daneben gibt es einige Sonderregelungen. Das Verhandlungsergebnis für die Gebiete Niedersachsen und Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim sieht vor:

- Einkommenseinbußen bei Kurzarbeit werden durch eine Aufstockung aus einem „betrieblichen Solidartopf“ abgefedert. Bei Vollzeit zahlen die Unternehmen für jeden Beschäftigten 350 Euro ein, für Auszubildende die Hälfte der Summe, für Teilzeitkräfte entsprechende Anteile.

- Sonderbezüge wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld können über das Jahr verteilt werden.

- Auch Leiharbeiter können Kurzarbeit beanspruchen.

- Betriebsbedingte Kündigungen sind nicht zulässig.

- Eltern von Kindern bis zu zwölf Jahren sollen während der Schul- und Kitaschließungen anstelle eines tariflichen Zusatzgeldes acht Tage freinehmen können. Es gibt mindestens fünf weitere freie Tage mit Lohnfortzahlung und ohne Anrechnung auf den normalen Urlaub.

„Die Tarifpartner waren sich einig, dass in der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg vor allem Planungssicherheit und Liquiditätsabsicherung für die Betriebe Priorität haben muss“, erklärte der Verband Niedersachsenmetall.

IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger sagte: „In dieser besonders schwierigen Situation geht es darum, Entgeltverluste durch Kurzarbeit zu mildern, soziale Härten zu vermeiden und schnelle Lösungen zur Freistellung für die Kinderbetreuung zu finden.“ Die Verhandlungen über die eigentlichen Themen der Tarifrunde seien aber nur aufgeschoben. „Wir werden unsere Ziele, mit denen wir ursprünglich in gestartet sind, weiterverfolgen“, betonte der Gewerkschafter.

In der Branche hatten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer schon vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie darauf verständigt, das Thema Lohnerhöhungen zunächst einmal hintanzustellen. Viele Unternehmen belastet der Umbruch zu Digitalisierung und Elektrifizierung von Antrieben. Etliche Jobs sind allein schon deshalb gefährdet.

Der Hauptgeschäftsführer des Metallverbands, Volker Schmidt, erklärte: „Es muss jetzt alles dafür getan werden, damit die Liquidität der Betriebe gesichert wird. Hunderttausende Arbeitsplätze stehen allein in Niedersachsen auf dem Spiel. Daher ist es mehr als erfreulich, dass wir zu einer schnellen Einigung gekommen sind.“


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