Kriminalität Geldautomatensprengungen: Polizei verschärft Ermittlungen

Von dpa

Ein gesprengter Geldautomat. Foto: Holger Hollemann/dpa/ArchivbildEin gesprengter Geldautomat. Foto: Holger Hollemann/dpa/Archivbild
Holger Hollemann/dpa/Archivbild

Osnabrück. Seit Jahren sorgen Geldautomatensprengungen für hohen Schaden und gefährden Anwohner. Die Polizeidirektion Osnabrück will ihre Ermittlungen konzentrieren - und greift dabei auf gute Kontakte zurück.

Die Polizeidirektion Osnabrück intensiviert die Ermittlungsarbeit gegen Geldautomaten-Sprengungen. Wie die Behörde am Freitag in Osnabrück mitteilte, sollen die Ermittlungen in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft und den örtlichen Polizeiinspektionen von der Zentralen Kriminalitätsinspektion Osnabrück aus geführt werden. Allein im Emsland gab es von November 2019 bis Januar 2020 sieben versuchte oder vollendete Sprengungen von Geldautomaten.

Die Kriminalbeamten wollen die Taten mit einem überregionalen Ansatz analysieren und bei den Ermittlungen auch grenzüberschreitende Tatzusammenhänge aufklären. „Die Tätergruppierung ist nach unseren Informationen gut organisiert und agiert meist aus den Niederlanden heraus“, sagte dazu der Sprecher der Polizeidirektion, Marco Ellermann. Die Osnabrücker Polizisten setzen auf ihre gute Vernetzung mit ihren Kollegen in den Niederlanden und Nordrhein-Westfalen.

Nach Angaben der Sprecherin des Landeskriminalamtes, Katrin Gladitz, gab es bislang in diesem Jahr fünf Taten in Niedersachsen, wovon eine Sprengung erfolgreich war - beim Rest blieb es beim Versuch. Im Januar 2019 habe es zwei Taten gegeben, im Februar vergangenen Jahres neun Taten. Insgesamt seien im vergangenen Jahr 44 Geldautomaten gesprengt worden, im Jahr 2018 waren es noch 54 Taten.

Mittlerweile hätten die Banken aufgerüstet, es gebe auch technische Zusatzausrüstungen, zum Beispiel Farbmarkierungen für die Geldscheine oder Nebelmaschinen, die es den Tätern schwer machten. Schon seit Jahren berate die Polizei die Geldinstitute, sich gegen diese Art der Kriminalität zu schützen.

Anfänglich hätten die Täter versucht, die Geldautomaten komplett aus ihren Verankerungen zu ziehen, dann seien hydraulische Scheren zum Knacken der Geldmaschinen verwendet worden. Eine neue Vorgehensweise setze darauf, sich in die Software der Geldautomaten zu hacken - „Jackpotting“ nennen die Experten das.

Die Sprengungen bedeuteten nicht nur hohe Sachschäden für die Geldinstitute, sondern brächten auch Menschen in Gefahr. „Diese Sprengungen verursachen immense Gebäudeschäden, es kann im Einzelfall auch mal zu einem tragischen Unfall der Anwohner führen“, sagte die LKA-Sprecherin.

In den vergangenen Jahren habe es auch viele Fahndungserfolge und Verurteilungen gegeben. Die Taten seien aber aus Sicht der Banden zu lukrativ. „Wenn man zwei wegfängt, kommen wieder zwei nach“, sagte die LKA-Sprecherin. Bei der Fahndung helfen würde eine feste Alarmleitung zwischen Geldautomaten und der Polizei. Wenn die erst gerufen werde, weil Anwohner von dem Knall geweckt werden, seien die Täter in der Regel schon weit weg.

Die Sparkasse Emsland hat Ende 2019 elf SB-Filialen geschlossen, um sie sicherheitstechnisch zu optimieren, sagte Sparkassen-Sprecher Georg Schröer. Einige seien schon wieder ans Netz gegangen, der Rest werde wahrscheinlich bis Mitte Februar wieder in Betrieb genommen.

Jede Bank und jede Sparkasse führe kontinuierlich Gefährdungs- und Risikoanalysen für jeden Geldautomatenstandort durch, sagte der Sprecher der Deutschen Kreditwirtschaft, Steffen Steudel. Sicherheitsmaßnahmen würden der aktuellen Risikolage entsprechend angepasst. „Die Investitionen in diesem Bereich sind erheblich“, sagte er. Zahlen nannte er allerdings nicht.


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