Betriebe in Osnabrück und GMHütte Es geht auch ohne Sprit: Handwerker nutzen E-Bike statt Bulli

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Solar, Heizung, Bad per Rad - Christian Götz kommt mit dem Lastenrad zum Kunden. Foto: Anke Herbers-GehrsSolar, Heizung, Bad per Rad - Christian Götz kommt mit dem Lastenrad zum Kunden. Foto: Anke Herbers-Gehrs

Osnabrück / Georgsmarienhütte. Feinstaub, Dieselskandal, teures Benzin – einige Handwerksbetriebe satteln um und setzen statt Firmenwagen Räder ein. Elektromobilität macht den Umstieg leichter. Zwei Beispiele aus der Region.

Christian Götz braucht keinen Firmenwagen: Heizungs- und Sanitärinstallationen sowie thermische Solartechnik bietet er per Lastenrad an. Das Konzept des Handwerksbetriebs ohne Firmenwagen hatte der 49-jährige Handwerksmeister schon vor über 15 Jahren kennengelernt, durch ein Zeitungsinserat des Sanitärunternehmers Theodor Röhm, der mit seinen sechs Mitarbeitern als „radelnder Installateur“ seit 2001 in Bremen unterwegs ist.

Vorbild in Bremen

2011 konnte Götz einige Monate in Röhms Team mitarbeiten. „Ich habe gesehen, was alles möglich ist – und auch, wo man Einschränkungen hat. Osnabrück ist natürlich anders strukturiert als Bremen, weitläufiger. Und in Bremen gibt es auch keine Hügel.“ So kommt der Bremer Betrieb bis heute nur mit einem E-Bike aus und setzt ansonsten auf Muskelkraft. In Osnabrück wäre das unmöglich, meint Götz. 


25 km/h ist die Höchstgeschwindigkeit - dann schaltet sich der Motor des E-Bikes ab. Foto: Anke Herbers-Gehrs


Sein sonnengelbes Lastenrad der Marke Yuba ist fast ein ganz normales E-Bike, mit 24 Gängen, einem 250-Watt-Motor und einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h. Es kann allerdings noch 200 Kilogramm zusätzlich zum Fahrer tragen, auf den Anhänger passen dann auch noch mal 100 Kilo. Meist müssen aber gar nicht so schwere Lasten transportiert werden: „Es gibt in Osnabrück ein dichtes Netz von Großhändlern und damit verbunden einen sehr guten Belieferungsservice. Darauf greifen die anderen Unternehmen bei größeren Materialmengen auch zurück.“ Nicht nur Kleinreparaturen, auch Bad-Installationen oder den kompletten Neueinbau eines Heizkessels könne man so per Rad erledigen, sagt Götz. Seine Werkstatt liegt zentral in der Kokschen Straße, sein Aktionsradius umfasst das Stadtgebiet und etwas darüber hinaus, wie Belm oder Lotte-Wersen. „Le Radiateur“ hat er sein Unternehmen genannt – denn bei dem französischen Wort für „Heizung" ist das Rad ganz vorn dabei, und auch der Installateur schwingt mit. 

Maler mit Speed-E-Bike

Bei Malermeister Jürgen Vogelsang hat sich der Kundendienst auf zwei Rädern schon seit zwei Jahren bewährt, stolze 8557 Kilometer Gesamtstrecke verzeichnet das Display. Er nutzt das schicke schwarze Lastenrad für Beratungsgespräche und Baustellenbesuche und hat in der Transportkiste Platz genug für Muster- und Tapetenbücher. Im Gegensatz zu Götz setzt er auf ein S-Pedelec, die bis zu 45 km/h schnelle Speed-Variante des Pedelec. Das bedeutet Versicherungskennzeichen und Helmpflicht. 


Malermeister Jürgen Vogelsang macht seine Kundenbesuche seit 2016 mit dem S-Pedelec. Foto: Anke Herbers-Gehrs


„Im Schnitt bin ich mit 30 km/h unterwegs“, so der Maler. Seine Erfahrungen sind rundherum gut. „Da gibt es den Gesundheitsaspekt, es ist gut für die Umwelt, und nicht zu vergessen auch fürs Marketing.“ Über seinen Einsatz des Lastenrades berichtete nicht nur die NOZ, auch in bundesweit verbreiteten Fachzeitschriften fand er Beachtung und ist sogar als Klimabotschafter für Osnabrück unterwegs. Aufs Auto verzichten wie Christian Götz kann Vogelsang allerdings nicht. „Maler haben zu viel Material mitzunehmen, die Leitern, die man braucht, das Abdeckmaterial.“ Die sechs Mitarbeiter fahren daher weiterhin mit Firmenwagen zum Kunden.  

Mit dem Bike auf der B68

Der Chef aber bewältigt alleine schon seinen täglichen Arbeitsweg vom Sonnenhügel zur Werkstatt in GMHütte-Harderberg mit dem Pedelec. Dabei muss er teilweise auf der B68 fahren, mit dem S-Pedelec dürfen keine Radwege benutzt werden. Wetterfest ist er auch: „Es regnet viel weniger, als man denkt.“ Bei Schnee- und Eisglätte weicht Vogelsang allerdings aufs Auto aus. Einen Sturz hat er schon hinter sich, aber Helm und Lastenkiste hätten da viel abgefangen, berichtet er.

Sein Rad der Marke Riese & Müller hat der Maler im Radgeschäft gekauft. Nur einen Windschutz hat er noch zusätzlich anbringen lassen. Und was ist seine Empfehlung für Neueinsteiger im Lastenrad-Sektor? „Klein anfangen, es muss nicht alles sofort perfekt sein. Beim Kauf ruhig Zeit lassen und verschiedene Räder probefahren. Und Abschließbarkeit ist wichtig.“ Damit hat Vogelsang auch schon schlechte Erfahrungen gemacht: Seine Satteltaschen wurden gestohlen. Neue kaufte er nicht mehr, die verschließbare Transportkiste reicht für das Material aus. Um sein 6000 Euro teures S-Pedelec macht er sich nicht so große Sorgen: Da nimmt er einfach das Display ab, dann kann man nicht mehr losfahren. 


Pedelec, E-Bike, Elektrofahrrad – alles das Gleiche?

Diese Begriffe werden oft synonym verwendet für alle Fahrräder mit Elektromotor, bei denen der Motor unterstützen kann, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Verkehrsrechtlich wichtig ist die Unterscheidung zu den über 25 km/h schnellen S-Pedelecs. Sie sind rechtlich wie Kleinkrafträder eingeordnet, brauchen Betriebserlaubnis, Versicherung, Kennzeichen und Fahrerlaubnis, zudem besteht Helmpflicht. Bei einem normalen Pedelec schaltet sich der Motor bei mehr als 25 km/h selbstständig ab, es ist rechtlich einem Fahrrad gleichgestellt. Pedelec ist die Abkürzung für Pedal Electric Cycle, Elektrorad mit Pedalen. ahg

Quelle: Wikipedia

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