Der ersten Stollen seiner Art Ein Winterquartier für Fledermäuse nahe Rabber

Von Volker Tiemeyer

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Rabber. Sie heißen Zwergfledermaus, Braunes Langohr oder Kleine Bartfledermaus. Für sie und ihre Verwandten wird ein neues, unterirdisches Quartier im Wiehengebirge im Grenzgebiet zwischen Bad Essen-Rabber und Melle-Buer errichtet.

Initiator dieses im Landkreis Osnabrück einzigartigen Vorhabens ist die Stiftung für Ornithologie und Naturschutz (SON).

Begehbarer Hohlraum

Fledermäuse faszinieren gleichermaßen durch ihr anmutiges Aussehen und bizarres Verhalten, doch geeignete Unterschlupfmöglichkeiten für diese nachtaktiven Tiere werden immer seltener. „Ihnen muss schlichtweg unter die Armen gegriffen werden“, meint Gerhard Hagensieker, der das Projekt für die SON maßgeblich leitet. Deshalb wird zurzeit im Rahmen des Vorhabens „Fledermaus-Stollen Melle“ im Großen Kellenberg ein untertägiger, begehbarer Hohlraum aus Betonprofilen gebaut.

In den lehmhaltigen Erdboden

Jedes dieser Betonelemente wiegt um die vier Tonnen. Sie wurden jetzt mittels Bagger und weiterem technischen Equipment millimetergenau zwei Meter tief in den lehmhaltigen Erdboden eingelassen. Auf diese Weise möchte die SON ein Winterquartier für bedrohte Fledermäuse bauen, das über Jahrzehnte von den Tieren genutzt werden kann.

Dafür müssen in den nächsten Wochen noch an unterschiedlichen Orten im Stollen Spaltenquartiere in Form von speziellen Hohlkammersteinen, die die Wienerberger AG für den guten Zweck unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat, angebracht werden, weil die glatten Betonwände selbstverständlich nicht geeignet sind, den Fledermäusen Verstecke zu bieten. Die Spaltenquartiere und das feuchte, jedoch frostfreie Mikroklima des Stollens sind besonders wichtig für überwinternde Fledermäuse. Der verwinkelte Bau sorgt zudem für eine Zonierung, die die Besiedlung fördern soll.

Passende Kleinklima

Fledermäuse halten in der kalten Jahreszeit Winterschlaf in Hohlräumen unterschiedlicher Struktur. „In diesen Örtlichkeiten, die sich tief unter der Erdoberfläche in natürlichen oder künstlichen Hohlräumen befinden können, verbringen sie einen Großteil des Jahres, sodass dem Winterquartier eine elementare Bedeutung im Leben einer Fledermaus zukommt“, erläutert Astrid Kienker, die sich gemeinsam mit der SON für den Fledermaus-Schutz in Melle einsetzt. Doch solche Hohlräume, die auch noch das für Fledermäuse passende Kleinklima aufweisen müssen, seien eine absolute Seltenheit.

Es bestehe daher ein großer Handlungsbedarf, was Winterquartiere anbelangt. Ganz einfach ist das Unterfangen der SON jedoch nicht, gilt es doch die speziellen Anforderungen der einzelnen Fledermausarten zu erfüllen. „Auch deshalb war unsere Planungsphase für die Realisierung des Stollens mit über zwei Jahren sehr lang“, unterstreichen Klaus Wolf und Manfred Tzschachmann vom Stollen-Team der SON.

Unterstützung des Landkreises

Für das rund acht Meter lange Bauwerk, das mit finanzieller Unterstützung des Landkreises, der Stadt, der Bürgerstiftung der Kreissparkasse Melle und privater Mittelgeber errichtet wird, sind noch weitere umfangreiche Detailarbeiten erforderlich. So ist beispielsweise die komplette Stollendecke inklusiv einer aufwendigen Überwallung aus Sand und Lehm zwecks Isolierung und Erreichung des für Fledermäuse wichtigen Kleinklimas im Stollen durch ehrenamtliche Handarbeit umzusetzen. Dafür werden noch fleißige Hände gesucht. „Die Fledermäuse werden all den Bürgern danken, die mithelfen, das einzigartige Bauwerk zugunsten des Artenschutzes zu vollenden“, schmunzeln Florian Seifert und Volker Tiemeyer vom Vorstand der SON und ergänzen: „Und wir von der Stiftung werden unseren Dank selbstverständlich mit kulinarischer Verpflegung auf der Baustelle zum Ausdruck bringen“.

Weitere Infos

Wer bei der Errichtung des Fledermausstollens tatkräftig mit anpacken oder ihn finanziell fördern möchte, der sollte sich unbedingt mit der SON in Verbindung setzen: Telefon 05422/9289328 oder kontakt@son-net.de


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