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4:2 gegen Kroatien Frankreichs WM-Triumph nach furiosem Finale

Von dpa

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Moskau. Frankreich ist Nachfolger von Deutschland als Fußball-Weltmeister. Im Finale von Moskau bezwingt die Équipe Tricolore Kroatien mit 4:2. Eigentor-Premiere, umstrittener Videobeweis und ein Torwart-Lapsus machen das Endspiel zu einer denkwürdigen Partie der WM-Historie.

Mit dem glückseligen Staatschef Emmanuel Macron im Arm schmetterte Paul Pogba ein „Vive la France“ in die Videokamera.

In der Kabine des neuen Weltmeisters ging die Titel-Fete nach der Sintflut-Siegerehrung mit Kremlchef Wladimir Putin als Ehrengast mit einer Ansprache von Macron erst so richtig los. Im strömenden Regen hatte der klitschnasse französische Präsident zuvor als Party-Anführer jeden seiner Fußball-Helden geherzt und noch schnell einen Schmatzer auf den WM-Pokal gedrückt. Mit der Tricolore um den Hals stemmte Kapitän Hugo Lloris die goldene Trophäe in die Höhe.

Vom Glück über den zweiten WM-Sieg nach 1998 berauscht, rutschten die neuen Helden der Grande Nation über das goldene Konfetti auf dem durchweichten Rasen im Moskauer Luschniki-Stadion. Bei einer bizarren Siegerzeremonie war nur Putin die ganze Zeit per Regenschirm vor dem heftigen Unwetter kurz nach dem WM-Abpfiff geschützt worden.

Angeführt von Man of the Match Antoine Griezmann hatte Frankreich im torreichsten Endspiel seit 1966 einen 4:2 (2:1)-Triumph im WM-Finale in Russland gegen den Überraschungsfinalisten Kroatien gefeiert und Deutschland auf dem Fußball-Thron abgelöst.

Mit der blau-weiß-roten Fahne in den Händen ging es für Kylian Mpabbé und seine Kollegen auf die Ehrenrunde. „Der Weg zum Titel war weit, aber wir sind sehr stolz darauf, dass wir die Franzosen glücklich machen konnten, damit sie ihre Alltags-Sorgen vergessen können. Jetzt feiern wir, und wir werden den ganzen Sommer feiern“, sagte der zum besten Jungprofi des Turniers gekürte Mbappé. „Ich weiß gar nicht, wo ich bin“, sagte Offensivkollege Griezmann und kündigte an, den Goldpokal mit ins Bett nehmen zu wollen. „Das Herz ist glücklich. Wir haben es geschafft, den Pokal nach Frankreich zu holen“, fügte er an.

Ein Eigentor von Mario Mandžukić (18. Minute), Griezmann per Handelfmeter (38.), Paul Pogba (59.) und Kylian Mbappé (65.) vor 78.011 Zuschauern im ausverkauften Luschniki-Stadion stürzten die Millionen Fans in der Heimat endgültig in den ultimativen Party-Rausch von den Champs-Élysées bis an die Côte d'Azur.

„Es ist zu schön, es ist wunderbar für die Spieler, eine junge Generation. Wir haben viel Qualität an den Tag gelegt, mental und oft genug getroffen“, sagte Trainer Didier Deschamps. Seine Spieler warfen ihn jubelnd in die Höhe. „Es war nicht immer einfach, aber weil sie zugehört haben, haben wir schwere Momente hinter uns gelassen“, betonte Deschamps. Er setzte sich mit dem Titel ein weiteres Denkmal: 1998 hatte er den Pokal als Kapitän entgegen genommen. Der 49-Jährige ist nach Franz Beckenbauer und Mario Zagallo der dritte Fußballer, der als Spieler und Trainer Weltmeister wurde. „Der Stolz ist da. Ich bin hier, um Ziele zu verwirklichen.“

Kroatien konnte seinem Ruf als Comeback-Team nach mehrmaligem Rückstand nicht gerecht werden. Ivan Perišić (28.) erzielte den Ausgleich zum 1:1. Das 2:4 durch Mandžukić (69.) nach einem schweren Patzer von Frankreich-Torwart Lloris konnte keinen furiosen Schlussspurt mehr auslösen. „Wir sind traurig, wir sind aber auch stolz, was wir erreicht haben“, sagte Trainer Zlatko Dalic.

Der zweite WM-Platz ist der größte Fußball-Erfolg nach dem dritten Platz vor 20 Jahren. Luka Modric wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt - als trauriger Finalverlierer wie Lionel Messi vor vier Jahren. „Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft. Ich habe viele Nachrichten bekommen, dass die Leute Kroatien bewundern“, sagte Verbandschef Davor Suker.

Zweimal gab es noch kurze Erinnerungen an deutschen Titelglanz. Philipp Lahm - WM-Kapitän der 2014-Champions - brachte mit dem russischen Model Natalja Wodjanowa den Goldpokal vor dem Spiel ins Stadion. Vor der Siegerehrung platzierte er ihn auf dem Siegerpodium. Die größte aller Fußball-Bühnen gehörte diesmal anderen.

Ein von Griezmann geschickt herausgeholter Freistoß war die erste viel versprechende Offensivaktion der Blauen. Und Mandžukić wurde zum Pechvogel. Griezmanns Freistoß berührte er mit dem Scheitel minimal, die Flugkurve veränderte sich. Etwas ungläubig nahm der ehemalige Bayern-Stürmer das erste Eigentor in einem WM-Finale zur Kenntnis.

In allen K.o.-Spielen waren die Kroaten in Rückstand geraten - und wieder gelang ihnen der Ausgleich. Perišić drehte sich geschickt um N’Golo Kanté und schoss ein, bevor der Stuttgart-Profi Benjamin Pavard zur Rettung herbeieilen konnte.

Die Kontroversen gingen weiter und gipfelten in der ersten Videobeweis-Entscheidung in einem WM-Finale. Das Handspiel von Perišić bewertete Referee Nestor Pitana nach Bildschirm-Studium als strafstoßwürdig. „Ich kommentiere nie Schiedsrichter-Entscheidungen. In einem WM-Finale gibst du so einen Elfmeter aber nicht“, sagte Dalic. Griezmann ließ sich die Chance zu seinem vierten WM-Treffer nicht nehmen. Häufiger hat nur Just Fontaine mit seinen 13 Toren 1958 für die Équipe Tricolore bei einer WM getroffen.

Kroatien musste wieder seine Aufhol-Qualitäten zeigen. Ging das noch, nach drei K.o.-Partien inklusive Verlängerung? Frankfurts Ante Rebic (48.) setzte mit einem wuchtigen Schuss ein erstes Signal. Für die Franzosen öffneten sich Räume - wie gemacht für Mbappé. Er entwischte nach 52 Minuten Domagoj Vida, scheiterte aber an Kroatiens Torwart Danijel Subašić. Wenige Minuten später machte er einen Schritt zu viel nach links. So konnte er Pogbas wuchtige Abnahme nicht mehr parieren. Wieder war es Griezmann gewesen, der das Tor entscheidend initiierte, diesmal per filigraner Jonglage als Ablage für Pogba.

Was hatte Kroatien jetzt noch zu bieten? Einen Zwei-Tore-Rückstand hatten sie bei ihrem WM-Erfolgszug noch nicht. Weltmeister wurde mit so einer Konstellation nur Deutschland 1954. Kurz darauf hatten sich alle rechnerischen Gedankenspiele ohnehin erledigt. Mbappé durfte unbedrängt aus etwa 18 Metern abziehen. Der 19-Jährige ist nun der zweitjüngste Torschütze in einem WM-Finale nach Pelé 1958.

Dann leistete sich Lloris einen fatalen Aussetzer. Beim Versuch, den Ball um Mandžukić zu spielen, ließ der Kroate einfach den Fuß stehen - nur noch 2:4. Für den großen Endspurt brachte Dalic den Hoffenheimer Andrej Kramarić für Rebic. Bei den Franzosen verteidigte Bayern-Profi Corentin Tolisso den Vorsprung mit. Ivan Rakitic (78.) setzte einen Schuss knapp neben das Tor. Die Wende gelang dem Außenseiter nicht mehr. Die blau-weiß-rote Party konnte beginnen.


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