2400 Freiwillige boykottieren Olympische Winterspiele: Ausbeutung der Helfer

Von Luis Rewwer


Osnabrück. In Pyeongchang helfen derzeit 15.000 freiwillige Helfer bei den Olympischen Winterspielen. Nun der Boykott; einige hundert Volunteers schmeißen hin. Der Grund ist nicht nur das miserable Essen.

„Wie sie uns hier behandeln! Ich will mich eigentlich für mein Land einsetzen, aber das werde ich nicht mehr“, drohen derzeit einige freiwillige Helfer bei den Olympischen Winterspielen. Sie nehmen sich von ihrem eigentlichen Job Urlaub, um bei den Winterspielen Zuschauern den Weg zu weisen, Karten und Gepäck zu kontrollieren und für Sicherheit in den Stadien zu sorgen.

Rund 2400 Volunteers haben sich schon dazu entschlossen, nicht mehr zu helfen. Ein Aufstand aufgrund miserabler Arbeits-und Lebensbedingungen vor Ort. Die Helfer klagen über zu kurze Essenspausen, fehlende Unterstützung bei der Anreise zu den Einsatzorten und über unzumutbare Übernachtungsorte. Die Arbeit, die die Freiwilligen verrichten, werde in keinster Weise gewürdigt. Helfer beschweren sich über kaltes und fettiges Essen. „Selbst Gefängnisnahrung ist besser, als das hier“, titelte die einheimische Tagszeitung „Seoul Shinmun“. Die Volunteers übernachten derweil zu zehnt in einem für vier Personen ausgelegten Zimmer. Dass die Duschen kein warmes Wasser bieten, ist nur Nebensache.

Milliarden-Einnahmen – kein Cent für die Helfer

Die Einnahmen des IOC werden auf etwa 2,4 Milliarden Euro geschätzt, die Ausgaben auf deutlich weniger. Verwunderlich, dass die Helfenden keinen Cent verdienen: „Wenn ich überlege, wie viel Geld hier umgesetzt wird“, sagte ein Freiwilliger in Gangneung, „frage ich mich schon, warum wir überhaupt keinen Lohn verdienen.“ Dennoch sprechen die Organisatoren der Veranstaltung vor jeder großen Ansprache ihren Dank aus: „Vielen Dank an die Volunteers! Ohne euch wäre das alles gar nicht möglich.“ Eine Verbesserung der Bedingungen? Fehlanzeige.

Mehr als 60 Petitionen haben die Freiwilligen schon initiiert und an das Präsidentschaftshaus in Seoul geschickt. Ob der Aufstand die Situation der Helfenden verbessert – kaum zu glauben. Dennoch: Der IOC muss aufpassen, sonst droht bei den anstehenden Paralympics die fehlende Unterstützung von freiwilligen Helfern. Für die Veranstaltung, die vom 9. bis zum 18. März stattfindet, sind 6600 Volunteers eingeplant. Springen noch mehr ab, ist ein geschmeidiger Ablauf bei den Paralympics kaum noch möglich.

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