20.12.2013, 15:13 Uhr

Lebendige Tanzgeschichte 100 Jahre „Sacre du Printemps“ wurde von Bühnen aktiv gefeiert


Ch.A. Osnabrück. Sie ist das Osnabrücker Theaterereignis 2013 in Osnabrück: Das Tanztheater rekonstruiert Mary Wigmans Version von „Le Sacre du Printemps“.

Ein Schock war die Uraufführung von „Le Sacre du Printemps“ am 29. Mai 1913 im Pariser Théatre des Champs-Élysées i n zweierlei Hinsicht: Der berühmte Tänzer Vaslav Nijinsky brach in seiner Choreografie gründlich mit den Konventionen des Balletts und ließ „Sacre“, wuchtig stampfend, mit eckigen und erdnahen Bewegungen und eingedrehten Füßen tanzen – fürs Ballett undenkbar. Dazu kam Igor Strawinskys Musik, die kühnste, modernste seiner Ballettmusiken. Die Aufführung wurde zum Skandal – und zugleich zum Fanal für den modernen Bühnentanz.

Denn auch die deutsche Ausdruckstänzerin Mary Wigman bezog sich auf Nijinskys Arbeit, indem sie 1957 eine eigene „Sacre“-Choreografie auf die Bühne der Berliner Staatsoper brachte – mit großem Publikumserfolg. Das zurückliegende Jahr 2013 war auch ein Jahr der großen Rekonstruktionen historischer Choreografien. So wundert es nicht, dass im Mai zur Hundertjahrfeier von „Le Sacre du Printemps“ das Pariser Uraufführungstheater von 1913 eine Rekonstruktion der Nijinsky-Choreografie auf die Bühne stellte. Doch auch das Osnabrücker Theater wagte sich mit Mitteln der Bundeskulturstiftung an Großes: Mithilfe der Choreografin Henrietta Horn, mit einstigen Wigman-Tänzerinnen und dem Tanzensemble des Theaters Bielefeld wurde die nur skizzenhaft überlieferte Choreografie von Wigman rekonstruiert und im November aufgeführt.

Fast zeitgleich brachte die Berliner Choreografin Sascha Waltz einen eigenen, hochgelobten „Sacre“-Abend heraus, und es befasste sich ein hochkarätig besetzter Berliner Kongress mit der „Sacre“-Rezeption. Während Wuppertal und Essen zwei rekonstruierte Teile aus Pina Bauschs „Frühlingsopfer“-Trilogie zeigte: „Wind von West“ und „Der zweite Frühling“ zusammen mit Bauschs furiosem „Frühlingsopfer“, längst Repertoire geworden.


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