20.12.2013, 13:25 Uhr

Angela Merkel auf dem Zenit der Macht Die uneitle Kanzlerin

Angela Merkel ist zum dritten Mal zur Kanzlerin gewählt worden. Foto: reutersAngela Merkel ist zum dritten Mal zur Kanzlerin gewählt worden. Foto: reuters

Osnabrück. Für manche ist Angela Merkel eine Physikerin der Macht – eine Wissenschaftlerin, für die Politik eine Versuchsanordnung ist. Visionen hätten in dieser rationalen Welt keinen Platz. Für andere ist Angela Merkel die mächtigste Frau der Welt.

Sie halten sie für die Königin des Kontinents Europa – andere auch für die strenge Finanz-Diktatorin.

Tatsächlich hat die 59-Jährige sich bei der Euro-Rettung als Krisenkanzlerin profiliert. Sie hat das Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit und striktem Schuldenstopp in den Mittelpunkt ihres Handelns gestellt. Die Folge: Merkel ist beliebt wie selten ein Vorgänger vor ihr.

Was ist ihr Geheimnis? Sie weckt Vertrauen durch Normalität, uneitlen Auftritt und eine Sparsamkeit, die sie selbst einmal mit der einer schwäbischen Hausfrau verglichen hat. Fakt ist: Das 41,5-Prozent-Ergebnis für die Union bei der Bundestagswahl am 22. September geht auf ihr Konto. Das Wahlprogramm der Union war mit einem Wort zu fassen: Merkel.

Die steht seit Erreichen einer dritten Amtsperiode in einer Reihe mit Konrad Adenauer und Helmut Kohl. Sie hat damit den Zenit ihrer Karriere erreicht. Was soll nun noch kommen? Ein Zeichen, dass die Frau mit dem ausgeprägten Machtinstinkt über 2017, das nächste Wahljahr, hinausdenkt, ist die Benennung von Ursula von der Leyen zur Verteidigungsministerin: Angela Merkel lässt zu, dass sich eine Nachfolgerin profiliert – dies ist die stärkste Nachricht der letzten Tage.

Denn der Regierungschefin haftet bisher der Ruch an, nicht nur den politischen Gegner zu „zerschreddern“ (die große Angst der SPD!), sondern auch parteiinterne Konkurrenten gnadenlos „wegzubeißen“. Tatsächlich kann sie eiskalt sein, wenn es um Machtsicherung ging – wie die Entlassungen ihrer Minister Norbert Röttgen und Karl-Theodor zu Guttenberg gezeigt haben.

Bei den Koalitionsverhandlungen mit der SPD entwickelte Merkel eine bemerkenswerte Geduld: „Ich kann warten“, sagte sie, als das SPD-Mitgliedervotum sich zwei Wochen hinzog. Die Bundesbürger konnten erleben, wie SPD-Chef Sigmar Gabriel ein 25,7-Prozent-Ergebnis in einen Erfolg umwandelte. Er machte aus Blei Gold – und Merkel überließ ihm die Bühne. Doch die SPD wird schon bald mit einem Kater aufwachen: Ab Januar macht Merkel ganz gewiss klar, wer die GroKo (Große Koalition) führt: sie!

Anders als oft dargestellt ist sie keine „Zauderkünstlerin“. Wenn es ihr und der Union nutzt, ist Merkel blitzartig zu 180-Grad-Wenden bereit. Der Ausstieg aus der Wehrpflicht und der Abschied von der Atomkraft sind Beispiele, wie straff sie die Modernisierung der CDU vorangetrieben hat.

Und jetzt sollen zusammen mit der SPD die im Koalitionsvertrag verankerten Versprechen einer Rente mit 63 und einer Mütterrente durchgesetzt werden – das ist der Testfall für die Große Koalition. Im Bündnis mit der FDP hat Merkel Versprechen ganz einfach kassiert: Umfassende Steuersenkungen kamen nicht. „Wenn sie nicht mehr Bundeskanzlerin ist, dann wird die CDU am Boden liegen. Und das werfe ich ihr vor.“ So äußern sich Kritiker in der Union. Sie werden erleben, wie Merkel jetzt für die Zeit nach 2017 die Weichen stellt. Wer sagt eigentlich, dass sie es nicht noch einmal wissen will?


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