31.12.2013, 09:00 Uhr

Mindestlohn für Werkvertragsarbeite „Sögeler Weg“ als Vorbild


Sögel. Mindestlohn, angemessene Wohnverhältnisse, integrative Angebote und eine Beratungsstelle: Der „Sögeler Weg“ im Bemühen um Verbesserungen für die Arbeits- und Lebensbedingungen von Werkvertragsbeschäftigten beim Schlachthof Weidemark hat Vorbildfunktion über die Fleischbranche hinaus.

Nachdem Mitte Juli zwei rumänische Werkvertragsarbeiter, die auf der Meyer Werft tätig waren, beim Brand einer Massenunterkunft in Papenburg starben, legte auch das Schiffbauunternehmen eine Sozialcharta auf. Diese fußt in weiten Teilen auf den Vereinbarungen des „Sögeler Wegs“.

Der Rat Sögel hatte im Mai den Kodex für Weidemark und die dort tätigen Subunternehmen beschlossen. In dem Schlachthof im Industriegebiet Püttkesberge sind mehr als 1300 Beschäftigte tätig, davon rund 1000 Männer und Frauen aus Osteuropa. Weidemark, das zum Tönnies-Konzern mit Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück gehört, zählt mittlerweile zu den größten Schlachtbetrieben in Europa. Derzeit werden dort etwa 80000 Schweine pro Woche geschlachtet – die Kapazitäten sind sogar ausgelegt auf eine Stückzahl von 100000. Jährlich sollen in Sögel künftig fünf Millionen Schweine geschlachtet werden.

Den Männern und Frauen, die bei Weidemark arbeiten – und sei es nur für eine Übergangszeit –, reicht Sögel in vielfältiger Weise die Hand. Jüngstes Projekt ist eine Beratungsstelle, an die sich ausländische Arbeitnehmer mit ihren Sorgen und Nöten wenden können. Getragen wird die Anlaufstelle vom Kolping-Bildungswerk im Bistum Osnabrück. Zur Finanzierung des Kolping-Europabüros, das Anfang November seine Tätigkeit aufnahm, steuern die Werkvertragsfirmen monatlich fünf Euro für jeden ihrer Beschäftigten bei.

Auch diese Vereinbarung ist Element des „Sögeler Wegs“. Weitere Punkte sind die Zahlung eines Mindestlohns von 8,50 Euro brutto, Vorgaben für die Wohnsituation in den Unterkünften für Werkvertragsbeschäftigte sowie die Zertifizierung der Mietwohnungen.

Weiterhin bemüht sich die Gemeinde um die Integration der Werksvertragsarbeiter und deren Familien auch über eine oftmals zunächst begrenzte Beschäftigungszeit im Schlachthof hinaus. „Sögel steht den Frauen und Männern aus Osteuropa als neue Heimat offen“, sagt Bürgermeisterin Irmgard Welling. Mehr als 25 Familien hätten sich in jüngster Zeit in dem Ort niedergelassen und seien in guter Weise in die Ortsgemeinschaft eingebunden worden. Sögel biete, so Welling, weiteren Neubürgern, die auf dem Hümmling heimisch werden wollen, gerne ein neues Zuhause an.


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