04.12.2020, 08:09 Uhr

Im Zoo Osnabrück erwarten Elefanten und Nashörner Nachwuchs Schwergewichtige Babys

Andreas Wulftange (l.) und Tobias Klumpe (r.) freuen sich auf Nachwuchs im Elefanten- und Nashorn-Gehege.Andreas Wulftange (l.) und Tobias Klumpe (r.) freuen sich auf Nachwuchs im Elefanten- und Nashorn-Gehege. Philipp Hülsmann

Osnabrück. Geburten sind im Zoo – nun, vielleicht nicht alltäglich,aber doch etwas, das sehr regelmäßig geschieht. Etwas anders sieht das aus, wenn sich Nachwuchs bei Elefanten oder Nashörnern ankündigt.

Um die Besonderheit zu dokumentieren: Im vergangenen Jahr wurden in ganz Europa gerade mal elf Nashörner in Zoos geboren, und der Osnabrücker Zoo hatte bislang mit der Geburt des Baby-Elefanten Minh-Tan im Jahre 2017 erst einmal in fast 85 Jahren das große Glück, eine Elefantengeburt vor Ort miterleben zu können. 

Minh-Tans Mutter Douanita ist wieder schwanger und erwartet jeden Moment ihr sechstes Baby. Der größte Unterschied: Dieses Mal wurde sie auch im Zoo Osnabrück schwanger. „Dass die Zeugung bei uns stattgefunden hat, macht die Sache natürlich noch einmal schöner“, sagt Andreas Wulftange, Biologe und einer der zoologischen Leiter im Zoo Osnabrück. „Vor gut drei Jahren hatten wir Douanita bereits trächtig aus Prag bekommen, jetzt sind wir von Anfang an dabei.“ 

Natur und menschliche Hilfe

Bei der Betreuung setzen Wulftange und sein Team auf eine Mischung aus Natur und menschlicher Unterstützung. „Im Prinzip läuft von der Verpaarung bis zur Geburt sehr vieles natürlich ab. Wir nehmen Urinproben der Elefantenkühe, um den Zyklus bestimmen zu können, damit wir wissen, wann die fruchtbaren Tage sind. Die Elefanten zeigen aber auch selbst an, wenn sie bereit sind. Das gegenseitige Interesse steigert sich, und schließlich kommt es zum Deckakt. Das haben wir beobachten können und die Schwangerschaft anschließend auch anhand der Hormonprofile bestätigen können.“ Auch Elefantenkuh Sita ist schwanger, sie erwartet rund zwei Monate nach Douanita ihren Nachwuchs – doppeltes Elefanten-Babyglück in Osnabrück also. 

Auch wenn der Prozess der Zeugung etwas sehr Natürliches ist, ist eine Elefanten-Schwangerschaft im Zoo alles andere als selbstverständlich. „Es kommt drauf an, wie sich Bulle und Kühe verstehen“, so Wulftange. „Wir haben das Glück, dass sie sich hier bei uns sehr gut verstehen. Das ist aber nicht immer und überall der Fall. Wir hatten zudem das Glück, dass Douanita gleich beim ersten Deckakt schwanger geworden ist, das kann natürlich auch schon mal länger dauern.“ 

Mit Schwangerschaftsgymnastik

Derzeit werden die werdenden Mütter mithilfe der Urinproben überwacht, ein spezielles Trainingsprogramm bereitet sie auf die Schwangerschaft vor. Dazu gehört unter anderem eine Art Schwangerschaftsgymnastik – schließlich bringt der Nachwuchs rund 100 Kilo auf die Waage. Dieser „Brocken“ muss erst einmal geboren werden. 

Philipp Hülsmann
Für den kleinen Minh-Tan beginnt die Zeit der "Pubertät" - er ist jetzt bald nicht mehr der kleinste im Elefantengehege.

Für Minh-Tan, dem vor drei Jahren in Osnabrück geborenen Jungbullen, bringt die bevorstehende Geburt von Bruder oder Schwester auch etwas mit sich: „Er wird nicht mehr so bemuttert wie bisher“, lacht Wulftange. „Er durfte lange bei der Mutter trinken, das darf er jetzt nicht mehr. Er wird jetzt langsam zum Teenager.“ Und auch wenn von außen kaum zu sehen ist, dass Douanita schwanger ist: „Wenn man ganz genau hinschaut, kann man die Bewegungen des Babys im Mutterleib sehen“, freut sich Wulftange. Bei der Geburt Minh-Tans wurde das Team vor drei Jahren überrascht: Er kam nachts zur Welt. Auch jetzt kann es jeden Moment losgehen. 

Erstmals Nashorn-Geburt seit 1979

Auch für den Biologen und zoologischen Leiter Tobias Klumpe ist die sich ankündigende Geburt im Nashorngehege eine besondere und aufregende Angelegenheit. „Seit 1979 gibt es Nashörner im Osnabrücker Zoo, aber jetzt wird das erste Mal hier eine Geburt stattfinden.“ 

Normalerweise würde das Team zur Vorbereitung zu verschiedenen Zoos reisen, um sich dort mit anderen Experten auszutauschen – doch Corona hat auch die Reiseplanungen von Klumpe und seinem Team durcheinander gewirbelt. „Der Austausch mit den Kollegen muss jetzt auf andere Art und Weise stattfinden“; so Klumpe, der aber dennoch eine dienstliche Reise geplant hat: Im Zoo Erfurt hat Nashorn-Mama Marcita gerade ihr zweites Baby zur Welt gebracht. „Marcita hat zuvor bei uns in Osnabrück gelebt, in den kommenden Wochen werden wir uns in Erfurt vor Ort mit den Kollegen austauschen und uns mit Knowhow versorgen.“

Möglichst wenig eingreifen 

Für den Biologen steht bei der Schwangerschaft und der Geburt im Mittelpunkt, nicht zu sehr in den natürlichen Prozess einzugreifen. „Die Natur regelt die Dinge schon gut, da sollte man sich als Mensch möglichst zurückhalten.“ Dennoch findet natürlich eine entsprechende Überwachung statt: Breitmaul-Nashornweibchen Amalie wird zum Zeitpunkt der Geburt rund 14 1/2 Jahre alt sein. „Das ist nicht mehr ganz blutjung für eine Erstgeburt bei Nashörnern“, weiß Klumpe. 

Die Schwangerschaft dauert 16 bis 18 Monate, Klumpe erwartet den Nachwuchs für den kommenden Juni oder Juli – mit entsprechender Unschärfe nach vorne wie hinten. „Im extremsten Fall bräuchte man fast drei Monate Geduld, bevor die Geburt beginnt - das könnte sich etwas ziehen“, weiß der Biologe. Und auch wenn noch einige Monate bis dahin vergehen: „Wenn man viel Phantasie hat, dann kann man ein Bäuchlein erkennen“, lacht Klumpe. „Aber aufgrund des Körperbaus kann man die Schwangerschaft optisch meist erst recht spät erkennen.“ Rund 50 Kilogramm dürfte das Baby bei der Geburt schwer sein.

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