04.12.2020, 08:03 Uhr

Thomas Scheibe erzählt aus seinem Alltag Was macht eigentlich ein Tierarzt im Zoo?

Auch Zeit für Streicheleinheiten gibt es natürlich für einen Tierarzt.Auch Zeit für Streicheleinheiten gibt es natürlich für einen Tierarzt. Philipp Hülsmann

Osnabrück. Tierarzt

„Kein Tag ist wie der andere“, erklärt Thomas Scheibe. Ein Satz, für den man wahrscheinlich wenig Fantasie braucht, um ihm zu glauben. Auf rund 23,5 Hektar Fläche versorgt Tierarzt Scheibe zusammen mit seinem Kollegen Jannis Göttling und den Tierpflegern die etwa 2200 Tiere des Osnabrücker Zoos. Dass zwischen Doktorfischen, Flamingos und Löwen wenig Platz für Routine bliebt, kann man sich gut vorstellen. 

Ein kleines bisschen Alltag

Ein bisschen Alltag hat Scheibe aber trotzdem: „Der Tag beginnt mit einer Besprechung“, erzählt er. Zusammen mit dem Kurator planen er und Kollege Göttling den Tag. In der Zwischenzeit trudeln dann meist schon die ersten Meldungen von den Pflegern ein: „Sie sagen uns, welche Tiere krank oder verletzt sind. Und auch, ob es den Patienten vom Vortag schon besser geht.“ 

Fokus liegt auf der Vorbeugung

Nach dem Frühstück geht es dann an die ersten Behandlungen. Hierbei ist Vorsicht geboten, erklärt Zootierarzt Scheibe: „Ein Wildtier kann man nicht so einfach anfassen wie einen Hund.“ Notfalls muss er das Tier unter Narkose setzen, damit es stillhält und sich Tierarzt und Pfleger nichts tun. Allerdings liegt bei der Arbeit der Fokus auf Prophylaxe. Das bedeutet, dass das Team versucht, Krankheiten durch ständige Kontrollen vorzubeugen. Impfen, entwurmen, richtiges Futter und genaue Dokumentation gehören beispielsweise dazu. 

Seit 13 Jahren arbeitet Scheibe nun als Tierarzt im Zoo Osnabrück. Davor hat er eine Ausbildung zum Tierpfleger gemacht und anschließend ein Studium in Berlin drangehängt. Bevor er Zootierarzt geworden ist, hat er Groß- und Kleintiere behandelt und auch in einer Klinik in der Chirurgie gearbeitet. In seinem Metier kennt er sich also bestens aus. „Die spezielle Arbeit mit Wildtieren habe ich aber erst im Zoo kennengelernt“, erzählt Scheibe. Dazu zählen auch die Geburten von Großtieren. Viele schaffen es allein, den Nachwuchs auf die Welt zu bringen. 

Zoo Osnabrück
Thomas Scheibe kommt als Tierarzt im Zoo allen Tieren – von groß bis klein – nah.

„Bei den Elefantenkühen schauen wir genau, was gerade passiert“, erklärt der Zootierarzt. „Wenn die Kühe unruhig werden und kleine Mengen Urin und Kot absetzen, wissen wir, dass es bald losgeht.“ Genaueres erfährt Scheibe, wenn er das Blut der trächtigen Elefantenkuh untersucht: „Im Blut gibt es ein Hormon, das die Schwangerschaft erhält. Sinkt der Spiegel, steht die Geburt des Kalbes kurz bevor.“ Ungefähr drei bis sieben Tage dauert es dann, bis das Kalb auf der Welt ist. Und übrigens: Elefantenkühe sind fast zwei Jahre schwanger. 

Es gibt immer noch Überraschungen

Die magische Grenze liegt dabei beim 630. Tag der Schwangerschaft. Diese ist bei der 33-jährigen Douanita inzwischen überschritten. „Ab jetzt rechnen wir damit, dass die Geburt jederzeit losgeht“, sagt Scheibe. Ein bisschen aufgeregt ist er schon, denn für ihn ist es die erste Elefantengeburt, die er begleiten darf. „Als Douanita 2017 aus Prag kam, wussten wir, dass sie schwanger ist“, erinnert er sich. „Uns sagte man, dass das Kalb im September geboren wird. Aber schon im Juli kam der kleine Minh-Tan zur Welt.“ Eine schöne Überraschung! 

Akribische Vorbereitung auf die Geburt

Die Geburt ihres fünften Kalbs schaffte Douanita ohne Unterstützung, doch das ist nicht immer so. „Ich stehe mit vielen Kollegen in Kontakt, die sich mit Elefantengeburten auskennen. Sie schicken mir aktenweise Informationen zu“, sagt Scheibe. Denn sollte etwas schief gehen, will der Zootierarzt bestens darauf vorbereitet sein. Das kann beispielsweise dann passieren, wenn der Nachwuchs falsch im Bauch liegt oder bei der Geburt stecken bleibt. 

Für eine erfahrene Mutter wie Douanita sollte die sechste Geburt aber kein Problem sein. Mehr Gedanken macht sich Thomas Scheibe allerdings über ihre Tochter Sita – sie ist nämlich auch schwanger. Im Frühjahr wird sie aller Voraussicht nach ihr erstes Kind gebären. Auf ein aufregendes Jahresende folgt also gleich ein aufregender Start ins neue Jahr.

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