Tipps vom Finanzrocker Daniel Korth Viele junge Menschen sparen falsch: So vermehrst Du dein Geld richtig

Aus 50 Euro ein kleines Vermögen machen? Mit diesen Experten-Tipps für junge Menschen geliingt's.Aus 50 Euro ein kleines Vermögen machen? Mit diesen Experten-Tipps für junge Menschen geliingt's.
Christin Klose/dpa

Hamburg/Lübeck. Geldanlage und Altersvorsorge werden für junge Menschen immer wichtiger. Trotzdem sparen viele falsch. Wie die Geldanlage schon mit kleinen Beträgen und ohne großes Risiko gelingt, erklärt der bekannte Finanz-Blogger Daniel Korth (Finanzrocker).

Sich in jungen Jahren Gedanken über seine Finanzen im Alter zu machen, ist sehr erwachsen. Und scheinbar ist das Thema Finanzen bei der Generation Z, also den Menschen um die 20, sehr präsent. Eine Reihe von Studien kommt zu dem Ergebnis, dass diese Generation so viel spart wie nie – vor allem aus Angst vor der Zukunft. So fragte die Deutsche Bank 2019 mehr als 1000 Schüler, Auszubildende, Studenten und junge Berufstätige im Alter zwischen 14 und 25 Jahren, ob sie regelmäßig Geld zurücklegen, und wenn ja, wie viel. Das Ergebnis: 85 Prozent der Jugendlichen in Deutschland sparen – eine erstaunlich hohe Zahl.

Wo landet das Ersparte der jungen Menschen?

Die Generation Z hat laut Studie durchschnittlich 482 Euro im Monat zur Verfügung. Von diesem Betrag legen sie 141 Euro auf die hohe Kante, also rund 29 Prozent des Einkommens (viele wohnen noch im "Hotel Mama"). Der Rest der Bevölkerung legt im Schnitt zehn Prozent des Einkommens zurück. In der folgenden Tabelle siehst Du, wie die jungen Menschen sparen:

Laut der Studie nutzen rund zwei Drittel das gute alte Sparbuch, 29 Prozent ein Tagesgeldkonto – beides Sparformen, bei denen es so gut wie keinen Zins mehr gibt und bei denen aufgrund der Inflation über die Jahre ein Verlust entsteht. Nicht viel besser sieht es beim Bausparvertrag aus, den 17 Prozent nutzen. Immerhin zwölf Prozent der Befragten greifen auf Aktien und Fonds zurück. Gerade diese Anlageformen bietet sich für junge Menschen an, da sie langfristig anlegen können, mit einem Horizont von 30 oder 40 Jahren. 

Hier findest Du Finanz-Basics:

Richtig sparen mit diesen Profi-Tipps

"Generell muss man sich heutzutage die Frage stellen, wo kriege ich überhaupt noch Zinsen?", sagt Finanz-Blogger Daniel Korth. "Gerade auf Festgeldkonten oder Tagesgeldkonten ist es in der Regel nicht mehr der Fall." Der Lübecker bloggt als "Finanzrocker" seit vielen Jahren zum Thema Geld und hat damit schon einige Preise gewonnen. Er rät jungen Menschen dazu, die Finanzen in die eigenen Hände zu nehmen, um selbstständig und unabhängig handeln zu können. 

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Finanzrocker Daniel Korth.

"Das Beste was man machen kann, ist ein Sparplan mit etwas weniger Geld auf einen einzigen ETF, einen möglichst breit gestreuten", sagt Korth. "Da gibt es zum Beispiel den 'All Country World Index' oder den 'MSCI World Index'. Beide börsengehandelten Fonds beinhalten mehrere tausend Unternehmen. Dadurch sei das Risiko einer Geldanlage gering, weil Verluste des einen Unternehmens oftmals durch Gewinne des anderen ausgeglichen würden. Und solch breit gestreute ETFs bieten recht zuverlässige Rendite – wenn man lang genug anlegt. So hat der MSCI World Index in den 51 Jahren seines Bestehens pro Jahr durchschnittlich 4,9 Prozent Rendite erzielt. Im Vergleich zu einem Festgeldkonto, das heutzutage im besten Fall ein Prozent Zinsen abwirft, eine enorme Verbesserung.

Was ist ein ETF?

Kurz erklärt: Börsengehandelter Fonds
Ein börsengehandelter Fonds (englisch exchange-traded fund, ETF) ist ein Investmentfonds, der an einer Börse gehandelt wird. Ein ETF bildet die Wertentwicklung eines Index, wie beispielsweise des DAX, ab. Mit ETFs ermöglichen es, mit einem Wertpapier kostengünstig in ganze Märkte zu investieren.
ETFs vereinen die Vorteile von Aktien und Fonds in einem Produkt. Sie sind kostengünstig, transparent und breit diversifiziert. Die meisten börsengehandelten Fonds sind passiv verwaltete Indexfonds. Der Begriff ETF wird auch synonym mit Indexfonds benutzt.

Laut Finanzrocker Korth eignen sich ETFs besonders gut, um einen Zugang zur Börse zu erhalten und sich mit deren Volatilität vertraut zu machen. Außerdem sei das Eröffnen eines Depots einfach: "Das geht mittlerweile bei jeder Onlinebank, teilweise sogar kostenlos."

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Keine Angst vor der Börse: Der Einstieg in den Aktienhandel ist mittlerweile sehr leicht und kostengünstig.

Ein Rechenbeispiel

Eine Studentin, die 50 Euro im Monat übrig hat, und jetzt schon fürs Alter Geld zur Seite legen will, wäre bei einem ETF-Sparplan genau richtig aufgehoben. Korth rät jedoch, nicht das gesamte Geld in den ETF zu stecken, sondern Rücklagen zu bilden. "Die sind das A und O und das Rückgrat für die eigene Geldanlage."

Sind ETFs wirklich ohne Risiko

Diese Eigenschaften eines börsengehandelten Fonds sind wichtig
Der wesentliche Risikofaktor eines ETFs ist der Index, den der Fonds abbildet. Ist er sehr breit über Branchen und Länder hinweg gefasst wie der MSCI World, der Titel von mehr als 1600 Unternehmen weltweit enthält? Oder ist er speziell auf bestimmte Themen fixiert? Je breiter der Index ist, desto höher ist die Liquidität des abgebildeten Marktes. 
Umgekehrt steigt mit der Spezialisierung das Anlagerisiko. Denn bei sehr breiten ETF fällt es nicht so stark ins Gewicht, wenn etwa die Aktie eines Unternehmens im Index in den Keller geht. Umfasst der Index aber nur zehn Titel, hat eine Niete stärkere Auswirkungen auf die Entwicklung des ETF.
Bei der Wahl des ETF lohnt daher ein Blick in die Details. Datenblätter beschreiben Wertentwicklung, Anlageziele, Vermögensaufteilung sowie Chancen und Risiken des Fonds.

"Ich sollte immer versuchen, zweigleisig zu fahren und mit 25 Euro einen Sparplan anfangen und sobald ich mehr Geld verdiene, diesen anzupassen." Generell sollte die Rücklage laut Korth immer zwischen drei und sechs Nettogehälter umfassen. "Sechs Nettogehälter nur, wenn ich ein Auto habe oder eine Immobilie, damit man plötzlich anfallende Kosten decken kann. Dieses Geld ist auf einem Tages- bzw. Festgeldkonto gut aufgehoben."

Angenommen, die junge Frau legt nun also 25 pro Monat zur Seite. Dann hätte sie bei einer durchschnittlichen Jahresrendite von 4,9 Prozent in zehn Jahren 3839,42 (3000 Euro aus monatlicher Einzahlung; 839,42 Euro Rendite), in zwanzig Jahren 10.034,13 Euro (6000 Euro Anlage; 4034,13 Euro Rendite) und nach 30 Jahren bereits 20.028,97 Euro (9000 Euro; 11.028.97 Euro). Je länger also Geld in den ETF investiert wird, desto ertragreicher wird er – und irgendwann übersteigt die Renditensumme die der monatlichen Einzahlungen.

Darum hat Korth eine Regel:

„Ich darf in den Aktienmarkt nur reingehen, wenn ich langfristig anlegen will. Nur dann ist das Risiko klein.“

Anlegen in ETFs – geht das auch nachhaltig?

Börsengehandelte Fonds gibt es in allen Varianten. Es gibt die breit gestreuten "World"-Indizes, es gibt Fonds, die nur den europäischen Raum abdecken, die nur Schwellenländer beinhalten, die den deutschen Aktienindex abdecken (DAX) oder die nachhaltige und ökologische Unternehmen beinhalten. 

"Mittlerweile gibt es ganz viele nachhaltige ETFs, auch auf große Indizes, zum Beispiel den 'MSCI World SRI' mit verantwortungsvollen Unternehmen", sagt Finanzrocker Korth. Solche Indizes sparen bestimmte Branchen wir Rüstungsindustrie oder Ölbranche aus. Um für Experten als ethischer Fonds zu gelten, müssen Fonds bestimmte Richt­linien erfüllen. Ausgeschlossen sein müssen geächtete Waffen, der Betrieb von Atom­kraft­werken sowie Kinder­arbeit und Menschen­rechts­verletzungen.

Korth gibt zu Bedenken: "Wenn ich in einen großen nachhaltigen ETF – etwa von Blackrock (Anbieter von iShares) – investiere, muss ich aufpassen, dass ich mir nicht selber in die Tasche lüge. Denn wenn ich in einen solchen nachhaltigen ETF investiere, der Anbieter aber trotzdem in Waffen, Tabakhersteller und Glückspielfirmen investiert, wie nachhaltig ist die Geldanlage dann noch?"

Von diesen Anlagemöglichkeiten rät der Experte ab

Bei der Geldanlage haben gerade junge Menschen eine enorme Auswahl. Von bestimmten Angeboten rät Experte Korth jedoch ab: 

Kryptowährung: "Fallt nicht auf irgendwelche Hypes rein und investiert zum Beispiel schnell mal eben in Bitcoin. Das geht meistens in die Hose." Kryptowährung ist sehr schwankungsanfällig und sollte maximal fünf Prozent des Vermögens betragen.

Einzelaktien: Anfängern rät Korth davon ab. "Ich habe auch mit ETFs angefangen, und habe heute mehr als 50 Einzeltitel im Portfolio. Aber der Weg dahin war sehr steinig. Man muss erstmal ein Gefühl für die Börse entwickeln."

Gold/Edelmetalle: Rohstoffe und Edelmetalle sind laut Korth meist Sicherheitsanker im eigenen Portfolio. Die dienen zur Sicherung des Vermögens, weil sie keine große Rendite abwerfen – "auch wenn Gold in den vergangenen Jahren ein großes Plus gemacht hat". Und man sollte überlegen: Es gibt dadurch auch Kosten, die zum Beispiel für Schließfächer anfallen.

Bausparvertrag: Auch der Bausparvertrag koste Abschlusskosten und hat so gut wie keine Rendite. Einziger Vorteil könnte sein, dass ich bei der Bank dann leichter einen Kredit bekomme.


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