Artensterben und Klimawandel Schlimmer als Corona: Die nächste Pandemie kommt – garantiert

Von Josef Settele, 26.11.2020, 14:17 Uhr
Die Waldbrände in Kalifornien aus der Luft: Massive Feuer verringern den Lebensraum von Tieren.
imago/ZUMA Press/A. Gerst/NASA

Flensburg. Klimawandel, Artensterben und Pandemien befeuern sich gegenseitig, sagt "Umweltweise" Josef Settele. Ein Gastbeitrag.

Corona, Corona, Corona. Ich ahne, Sie können es nicht mehr hören. Sollten Sie aber. Denn ich garantiere Ihnen: Die nächste Pandemie wird kommen. Und wenn wir Pech haben, wird sie noch gravierender und tödlicher als die Covid-19-Welle sein. 

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Dabei bin ich niemand, der sich zu den Apokalyptikern rechnet. Im Gegenteil. Ich bin Wissenschaftler, forsche seit mehr als drei Jahrzehnten und glaube an Fakten, Vernunft und Fortschritt. Ich bin kein radikaler Naturschützer, der das Fliegen und den Fleischkonsum generell verboten haben möchte. 

Sebastian Wiedling



Zusammenspiel aus Klimawandel, Artensterben und Zoonosen

Aber ich sage auch klipp und klar: So wie bisher können wir nicht weiter machen. Wir Menschen graben uns eine Grube, in die wir selbst hineinzufallen drohen. Ich verstehe mein Buch als Weckruf für eine dringende Kurskorrektur. Was die Menschheit seit Beginn des Industriezeitalters der Natur zumutet, führt zu dem Dilemma, das ich die "Triple-Krise" nenne. Es handelt sich um ein fatales Zusammenspiel aus Klimawandel, Artensterben und Zoonosen, also Infektionskrankheiten, die von Tier zu Mensch (und umgekehrt) übertragen werden und Pandemien auslösen können. Zu den oft tödlichen Krankheiten, die durch Zoonosen entstanden sind, gehören Malaria, Aids, Ebola, MERS und SARS (Covid) und diverse Formen der Grippe.

Das erste von Menschen verursachte Artensterben

Die drei Komponenten der Triple-Krise bedingen und befeuern sich gegenseitig, ihre Wechselwirkungen sind verheerend. Wissenschaftlich belegt ist ein enger und unbestreitbarer Zusammenhang zwischen der Zunahme schwerer Epidemien oder gar Pandemien und der Zerstörung der Umwelt einschließlich des Niedergangs unzähliger Arten. Gerade nimmt das sechste große Artensterben der Geschichte seinen Anfang. Es ist das erste, das wir Menschen verursacht haben – mit unabsehbaren Folgen.

dpa/Frank Rumpenhorst



Lebensraum der Tiere verringert sich

Je mehr der Mensch in bis dahin unberührte Natur vordringt und sie ausschlachtet, desto mehr Virenkrankheiten springen auf ihn über. Nach Brandrodungen oder natürlichen Feuersbrünsten wie dieses Jahr in Australien, Sibirien oder dem Westen der USA, die durch den Klimawandel weiter zunehmen werden, verringert sich der Lebensraum für Tiere. 

imago images/ZUMA Press

Waldbrand in Kalifornien.

Sie werden auf ein nun kleineres Territorium zusammengedrängt. Erhöht sich die Dichte einer bestimmten Tierart, kann es leichter zu einer Übertragung und damit höheren Infektionsraten untereinander kommen.

Viren, die im Dschungel auf uns warten

Tiere verkraften Erreger, die nur innerhalb ihrer Art zirkulieren, in der Natur meist gut, nicht aber eng gehaltene Haustiere – man denke nur an die Nerzfarmen und die Schweinepest – und schon gar nicht der Homo sapiens. Da Viren extrem anpassungsfähig sind, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der eine oder andere Erreger eine Gestalt angenommen hat, um den Menschen zu infizieren. Pufferzonen zwischen Wildnis und Zivilisation verschwinden, etwa durch Besiedlung oder Umwandlung von Naturflächen in Agrarland. Und glauben Sie mir: Das Coronavirus, das die Krankheit Covid-19 ausgelöst hat, ist harmlos gegen das, was da noch im Dschungel auf uns wartet.

Tropenkrankheiten durch nicht heimische Tiere

Der Klimawandel ermöglicht es, dass sich Mücken-, Hornissen- und Zeckenarten in Regionen fest ansiedeln, in denen sie bislang den Winter nicht überlebt hätten. Auch so werden Krankheiten eingeschleppt. In Europa steigt das Risiko, von einer Tropenkrankheit betroffen zu sein. Seit einem Jahrzehnt werden in Deutschland und anderen Ländern Europas zunehmend Mückenarten heimisch, die gefährliche Viren in sich tragen. Wer von der Asiatischen Tigermücke gestochen wird, kann an Dengue-, Chikungunya- oder Zika-Fieber erkranken. Hoffnung, sie wieder loszuwerden, besteht angesichts der Erderwärmung nicht.

imago images / blickwinkel



Der Zustand der Welt ist erbärmlich

Ich habe als Co-Vorsitzender des globalen Berichtes des Weltrates für Biodiversität zusammen mit meinen Kollegen Zehntausende Studien von Wissenschaftlern aus allen Kontinenten zum Zustand der Welt ausgewertet. Sie ließen ein einziges Fazit zu: Er ist erbärmlich. 

Intakte Natur verschwindet in ungeahntem Tempo. Wir zerstören die Basis unseres Wohlstandes, unserer Volkswirtschaften, Lebensgrundlagen und Wohnqualität. Der Mensch beutet überall natürliche Ressourcen aus, ohne das Morgen oder gar das Übermorgen mitzudenken. Wir müssen die Frage beantworten: Definieren wir unseren Wohlstand über ständig steigende Wirtschaftszahlen oder über die Lebensqualität? Sind uns schnelle Autos und maßloser Konsum wichtiger als Gesundheit?

„Wir haben nur diese eine Welt“

Auch wenn den Satz „Wir haben nur diese eine Welt“ viele nicht mehr hören können. Er stimmt wie eh und je. Lassen Sie uns die Erde bewahren – im Miteinander. Weder Autoindustrie noch Landwirte haben ein Interesse, den Planeten zu vernichten. Ich hoffe, dass mir ein Beitrag hierzu durch jahrzehntelange Forscherarbeit genauso gelungen ist, vielleicht auch mit meinem Buch. Helfen Sie mit, den blauen Planeten zu bewahren!

Edel



Corona, Corona, Corona. Ich ahne, Sie können es nicht mehr hören. Sollten Sie aber. Denn ich garantiere Ihnen: Die nächste Pandemie wird kommen. Un

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