Trotz Antikörpern "Kein Beweis" für Immunität: WHO warnt Covid-19-Geheilte vor erneuter Ansteckung

Von afp

In Deutschland gibt es momentan mehr Corona-Genesene als -Infizierte. Doch sie sind weiter gefährdet, warnt die WHO.In Deutschland gibt es momentan mehr Corona-Genesene als -Infizierte. Doch sie sind weiter gefährdet, warnt die WHO.
imago images/Arnulf Hettrich

Genf. Sind Antikörper im Blut ein ausreichender Hinweis auf eine Immunität gegen das neuartige Coronavirus? Die WHO widerspricht und warnt davor, allein aufgrund solcher Test falsche Schlussfolgerungen zu ziehen.

Eine Immunität nach einer überwundenen Infektion mit dem neuartigen Coronavirus ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht erwiesen: Es gebe "aktuell keinen Beweis, dass Menschen, die sich von Covid-19 erholt haben und die Antikörper haben, vor einer zweiten Infektion geschützt sind", erklärte die Weltgesundheitsorganisation am Samstag in Genf. Die Ausgabe von "Immunitäts-Bescheinigungen" könne sogar eine weitere Ausbreitung der Pandemie begünstigen, warnte die Organisation.

Bis Freitag habe keine Studie festgestellt, "ob die Anwesenheit von Antikörpern gegen Sars-CoV-2 bei Menschen eine Immunität gegen eine künftige Infektion mit diesem Virus verleiht", hieß es in einer Mitteilung.

 

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Die Regierungen einiger Länder erwägen, auf Grundlage von Tests und beim Nachweis von Antikörpern im Blut Immunitätsbescheinigungen auszugeben. Auf diese Weise sollen Ausgangssperren gelockert und eine schrittweise Rückkehr zur Arbeit ermöglicht werden, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln.

Die vorliegenden wissenschaftlichen Daten erlauben es laut WHO nicht, eine "Immunitätsbescheinigung" oder ein "Unbedenklichkeitszertifikat" auszugeben. "Menschen, die denken, sie seien gegen eine zweite Infektion immun, weil sie positiv getestet wurden, könnten die öffentlichen Gesundheitsempfehlungen missachten", warnte die WHO. Sich auf derartige Zertifikate zu berufen, "könnte folglich die Risiken erhöhen, dass die Übertragung anhält".

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Antikörper gegen andere Coronaviren

Die aktuell verwendeten serologischen Tests müssten zudem "eine zusätzliche Freigabe durchlaufen, um ihre Genauigkeit und ihre Zuverlässigkeit zu bestimmen". Sie müssten es vor allem ermöglichen, die Immunantwort auf das neuartige Coronavirus von den Antikörpern zu unterscheiden, die bei einer Infektion mit einem anderen der bislang sechs Coronaviren gebildet würden. Vier davon seien stark verbreitet und verursachten leichten Husten. Die beiden anderen lösen die Atemweginfektionen Sars und Mers aus.

"Menschen, die mit dem einen oder anderen dieser Viren infiziert sind, könnten Antikörper bilden, die mit den Antikörpern interagieren, die bei einer Infektion mit dem Sars-CoV-2 gebildet werden", erläuterte die WHO. Es sei daher zwingend erforderlich, dies erkennen und unterscheiden zu können.

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