Zu viel Mineralöl und Zucker Ökotest gibt Dr. Oetker schlechte Noten

29.12.2015, 09:36 Uhr

Verbrauchermagazin hat 26 Produkte getestet und zu viel Mineralöl, zu viel Zucker und zu viel Aroma bemängelt. Der Bielefelder Nahrungsmittelkonzern wehrt sich.

 Von Stefan Schelp 

Das Verbrauchermagazin Ökotest hat Produkte von Dr. Oetker untersucht – und eine ganze Reihe schlechter Noten vergeben. Von 26 Produkten bekam nur eines ein „Sehr gut“, dafür setzte es achtmal ein „Mangelhaft“ und zweimal ein „Ungenügend“. Kritik üben die Tester im heute erscheinenden Heft an zu viel Mineralöl, zu viel Aromastoffen und zu viel Zucker. Dr. Oetker wehrt sich, hält sich aber mit Stellungnahmen zu den einzelnen Noten zurück, da dem Unternehmen die „genaue Kritik“ noch nicht bekannt sei, das berichtet die NW .

In 14 von 26 Produkten hätten die Labore erhöhte Mengen an Mineralöl aus gesättigten Kohlenwasserstoffen gefunden, berichtet Ökotest, in vier dieser Fälle hätten die Labore sogar „stark oder sehr stark erhöhte Werte“ gefunden. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung kann das Mineralöl zur Schädigung von Leber und Lymphknoten führen. Das Mineralöl könne aus Papier- oder Kartonverpackungen kommen, mutmaßt Ökotest. Genauso könne aber auch Schmieröl aus der maschinellen Produktion in die Ware geraten sein.

Oetker hingegen versichert, bei keinem Dr.-Oetker-Produkt bestehe direkter Kontakt zwischen Karton und Produkt. Bei manchen Produktgruppen – hierzu gehöre zum Beispiel das Puddingpulver – befänden sich die Produkte zudem in einem Frischfaserpapier-Polyethylen-Verbundbeutel. Die Beutel seien mit mineralölfreien Farben bedruckt.

Zu viel Zucker

Nächster Ökotest-Kritikpunkt ist der hohe Zuckergehalt. Der sei im Übermaß in der Mehrzahl der getesteten Lebensmittel enthalten, auch dort, wo man ihn nicht erwartet habe, zum Beispiel in den Pizzaburgern. Selbst der Kinderpudding „Paula“ enthalte mehr als die Hälfte der von der Weltgesundheitsorganisation für Erwachsene empfohlenen täglichen Zuckermenge von 25 Gramm, sagen die Tester.

Darüber hinaus bemängelt Ökotest die Zugabe von Aromen in 16 der 26 Produkte. Aromen würden den Lebensmitteln hinzugefügt, um Qualitätsunterschiede auszugleichen. „Das werten wir grundsätzlich ab“, heißt es.

Gentechnik: ja oder nein?

Nicht zufrieden ist Ökotest mit Oetkers Angaben zu einem fairen Engagement. Oetker habe Zertifikate oder Verträge nicht vorgelegt. In den Augen des Verbrauchermagazins ist das ein schweres Manko. Dadurch sei zumindest nicht auszuschließen, dass Kühe, die die Milch für Pudding oder Vanillesoße liefern, auch genmanipuliertes Futter bekommen.

Das sieht Oetker ganz anders. „Dr. Oetker folgt den hier vorherrschenden Verbraucherwünschen und verwendet entsprechend keine gentechnisch modifizierten Rohstoffe“, heißt es. Dies sei im Food-Standard festgesetzt, der für alle Lieferanten verbindlich sei.

Dieser Standard lege fest, dass „die an Dr. Oetker gelieferten Zutaten und Stoffe weder aus einem gentechnisch veränderten Organismus bestehen noch einen solchen enthalten oder aus ihm hergestellt worden sein“ dürfen. Der Lieferant habe die Prüfzertifikate auf Wunsch von Dr. Oetker vorzulegen.

Oetker verfüge aber über keine Verträge, in denen vereinbart ist, dass die Tiere, von denen Fleisch oder Milch gewonnen werde, nicht mit genmanipuliertem Futter gefüttert werden dürfen. „Unabhängig davon wäre weder für uns noch für andere Lebensmittelhersteller, die weiterverarbeitete Produkte einkaufen, ein analytischer Nachweis möglich, da sich diese Produkte substanziell nicht voneinander unterscheiden“, erklärt das Unternehmen.

Oetker versichert dennoch, man nehme die Kritik „sehr ernst“. Bevor man allerdings eine Konsequenz ziehe, werde genau geprüft, ob die Kritik belastbar sei und ob eine Reaktion auch langfristig „unter verschiedenen Aspekten, wie zum Beispiel ökologischen und ökonomischen, für uns als Unternehmen tragbar ist“.