„Davon lebt kein Schwein besser“ Wursthersteller: Cem Özdemirs Haltungskennzeichen macht Fleisch teurer

Von Dirk Fisser | 06.09.2022, 02:55 Uhr 1 Leserkommentar

Macht das von Cem Özdemir geplante Haltungskennzeichen auf Fleischverpackungen das Fleisch teurer? Die Wurstproduzenten kritisierten die Pläne des Ministers deutlich - und sie sind nicht allein.

Die deutschen Wurstproduzenten üben massive Kritik an Cem Özdemirs Entwurf für ein Haltungskennzeichen. Sarah Dhem, Präsidentin des Bundesverbandes der deutschen Wurst- und Schinkenhersteller sagte unserer Redaktion zur Bewertung des Gesetzentwurfs: „Auf einer Skala von 1 bis 10 lande ich bei minus 5. Da wird nur der Ist-Zustand gekennzeichnet.” Dhem verwies darauf, dass lediglich der Ist-Zustand der Tierhaltung gekennzeichnet werden solle, „davon lebt kein Schwein besser”.

Kennzeichen schafft mehr Verwaltungsaufwand

Die Verbandschefin betonte, dass die Folge des jetzt vorgelegten Gesetzentwurfs nur mehr Verwaltungsaufwand und damit höhere Kosten seien. „Das Fleisch wird im Zweifelsfall also teurer, obwohl im Stall nichts besser geworden ist. Einen Anreiz für bessere Tierhaltung schafft das Kennzeichen nicht”, bemängelte Dhem.

Vor Preissteigerungen in Folge des Haltungskennzeichens hatte nach Recherchen unserer Redaktion zuvor auch schon der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels gewarnt. In einem Entwurf für eine Stellungnahme an die Bundesregierung heißt es: „Wir befürchten, dass die Umsetzung dieses Gesetzentwurfs zu einer Verknappung und damit zu einer empfindlichen Verteuerung von Schweinefleischprodukten aus Deutschland führen würde.”

Die Handelskonzerne sehen aber keine Anzeichen dafür, „dass die breite Verbraucherschaft derzeit bereit ist, für eine staatliche Haltungskennzeichnung eine zusätzliche Preissteigerung in Kauf zu nehmen.”

Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne) hatte zuvor einen Gesetzesentwurf für ein fünfstufiges Haltungskennzeichen vorgelegt, bei dem die erste Stufe den gesetzlichen Mindeststandard abbilden soll. Gekennzeichnet werden soll zunächst nur Frischfleisch vom Schwein im Supermarkt.

1 Kommentar
Sebastian greve
Das der Verband das kritisiert ist logisch, da sieht man seine Felle davon schwimmen. Im digitalen Zeitalter muss das ohne großen Aufwand möglich sein, kann mir keiner erzählen. Aber eigene Ideen kommen nicht. Ich persönlich möchte gutes Fleisch essen und wissen welche Qualität es hat. Und zur notesse ich weniger wenn es teurer wird. Man muss nur mal nach z.b. Frankreich schauen was dort Fleisc...