Wirtschaft Zu kreativen Menschen blickt er auf

17.07.2009, 22:00 Uhr

Auch die Kfz-Teile-Händler bekommen die Flaute in der Automobilindustrie zu spüren. Vor allem mittelständische Unternehmen sind in der aktuellen Situation gefordert. Wer in guten Zeiten nicht vorgesorgt hat, kann schnell in Bedrängnis geraten. Zu den Unternehmen, die bereits frühzeitig ihre Hausaufgaben gemacht haben, zählt die Osnabrücker Firma Wessels + Müller. Grund für uns, mit Hans-Heiner Müller, Chef des zweitgrößten deutschen Kfz-Teile-Händlers, unsere Interview-Serie „Unternehmer Weser-Ems“ fortzusetzen.

Wie wirkt sich die Flaute in der Automobilindustrie auf Ihre Branche aus?

Unsere Branche ist natürlich auch sehr besorgt über das, was zurzeit wirtschaftlich in der Welt und in Deutschland passiert, und sicher muss unsere Branche, die ja im Wesentlichen durch ordentliche mittelständische Familienunternehmen repräsentiert wird, genau aufpassen, um nicht auch unverschuldet in einen negativen Sorg gezogen zu werden.

Einerseits spricht die Flaute in der Automobilindustrie dafür, dass die Autos auf den Straßen länger gefahren und dann auch irgendwann repariert werden müssen. Andererseits müssen sich die Menschen, die in diesen unruhigen Zeiten schlimmstenfalls ihren Arbeitsplatz verlieren, ganz andere Sorgen machen als darüber, wie sie denn mit ihrem Auto all morgendlich pünktlich zur Arbeit kommen. Schnell wird dann aus Kostengründen der nicht mehr benötigte Zweitwagen einfach ganz abgeschafft.

Und wie sieht es speziell bei Ihrem Unternehmen aus?

Als mittelständisches Unternehmen haben wir in den vergangenen sicher ganz guten Jahren jeden verdienten Euro in unserer Firma belassen. Wir konnten damit immer in die guten Beziehungen zu unseren Kunden investieren. Außerdem haben wir viele gut ausgebildete, engagierte Mitarbeiter, die sich gerade in diesen schwierigen Zeiten noch mal besonders ins Zeug legen, um alles zu tun, damit unsere Kunden mit der Leistungsfähigkeit unseres Unternehmens zufrieden sind. Darüber hinaus haben wir eine sehr schlanke Organisation und können bzw. werden uns, falls notwendig, täglich auf neue Begebenheiten unseres Marktes einstellen.

Hat die deutsche Automobilindustrie den Trend zu kleineren und sparsameren Fahrzeugen verschlafen?

Nein, sparsame Autos sind von deutschen Herstellern schon entwickelt worden. Allerdings sind die meisten Fahrzeuge immer noch viel zu teuer. Kaum ein deutscher Hersteller hat den Mut, technisch einwandfreie aber auf das wesentliche reduzierte Fahrzeuge anzubieten. Vielleicht reichen dem Autofahrer drei Farben, eine einheitliche Innenausstattung und eine vernünftige Motorvariante. Garantiert könnte ein solch einfaches Auto deutlich günstiger produziert und angeboten werden.

Wie beurteilten Sie die staatlichen Hilfsaktionen für die Automobilindustrie?

Denjenigen, die sich sowieso ein neues Auto kaufen wollen oder müssen, wird die „Abwrackprämie“ sicher ein willkommener Zuschuss sein. Nach letzten Umfragen wollen rund 1,2 Millionen Autofahrer die staatliche Prämie in Anspruch nehmen. Ob das ausreicht, eine sicher für alle wünschenswerte Belebung beim Neuwagenabsatz zu bekommen, bleibt abzuwarten. Ich hoffe sehr, dass wir schnell wieder eine gesamtwirtschaftliche Belebung bekommen, denn nur wenn die Arbeitsplätze sicher sind, werden die Menschen an eine gute Zukunft glauben, und die Bereitschaft haben, auch im privaten Bereich wieder zu investieren.

Über welchen Erfolg während Ihrer bisherigen Tätigkeit haben Sie sich am meisten gefreut?

Dass ich mich auf das Engagement unserer Mitarbeiter jederzeit verlassen konnte, sämtliche notwendigen Entscheidungen im Sinne des Unternehmens von allen mitgetragen wurden und dass ich privat immer auf die Unterstützung meiner Familie zählen konnte.

Was war Ihr Berufswunsch als Kind?

Ich bin in einem Unternehmerhaushalt groß geworden, und diese Frage hat sich eigentlich nie wirklich gestellt. Es gab eigentlich immer den Drang zur Selbstständigkeit und zur Fortführung des elterlichen Betriebs. Als ich als Junge meine ersten Reitstunden bekam, war da vielleicht auch mal ganz kurz die Idee, Farmer werden zu wollen. Aber auch dann hätte ich schnell die alte Weisheit erlernen müssen, wenn man ein totes Pferd reitet, man ganz schnell wieder absteigen soll.

Was war Ihr Lieblingsfach in der Schule?

Mathematik und Biologie.

Welche Begabung hätten Sie gern?

Ein Instrument spielen zu können.

Was ist für Sie ein perfekter Tag?

Ein Tag ohne negative Überraschungen.

Zu welchen Menschen schauen Sie auf?

Zu kreativen Menschen, die aus einer Garage heraus etwas völlig Neues entwickelt haben.

Auf was würden Sie nie verzichten wollen?

Auf meine Familie.

Womit kann man Ihnen eine Freude bereiten?

Mit einer guten neuen Idee.

Welchen Lehrsatz aus Ihrer Ausbildung werden Sie nie vergessen?

Ich habe mich schon sehr früh mit der Literatur von John Maynard Keynes befasst. Er zählt sicher zu den bedeutendsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts. Insbesondere haben mich seine Theorien zu einem antizyklischen Verhalten interessiert.

Mit welcher Eigenschaft können Bewerber Sie beeindrucken?

Mit Geradlinigkeit und Standhaftigkeit.

Wie viel verstehen Politiker von Wirtschaft?

Es gibt sicher solche und solche. Ein großes Problem ist, dass sich die meisten Politiker zwangsläufig von einem riesigen Heer von Lobbyisten viel zu stark beeinflussen lassen müssen. Die jeweils größten Industrien verfügen auch über die meisten Lobbyisten.

Welchen Stellenwert hat das Ehrenamt in Deutschland?

Ohne das Engagement der vielen freiwilligen Helfer in Ehrenämtern würde vieles im sozialen, sportlichen und auch wirtschaftlichen Bereich gar nicht funktionieren.

Haben Sie ein Hobby?

Leider kein intensiv ausgeprägtes. Wenn es die Zeit erlaubt, gehe ich gern einmal am heimischen Dümmer segeln oder spiele gemeinsam mit meiner Frau eine Runde Golf.

Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?

Dass meine Kinder in der dritten Generation das Unternehmen erfolgreich weiterführen.