Wirtschaft Weiter Rekord bei Arbeitskräftenachfrage

28.09.2011, 13:56 Uhr

In der deutschen Wirtschaft macht sich Herbststimmung breit - auf dem Arbeitsmarkt ist davon nach Ansicht der Bundesagentur für Arbeit aber noch nichts zu spüren. Im Gegenteil: Im September ist die Zahl der offenen Stellen noch einmal auf ein Rekordhoch geklettert.

Das berichtete die Bundesagentur für Arbeit (BA) bei der Veröffentlichung ihres Stellenindexes BA-X am Mittwoch in Nürnberg. Der entsprechende Index kletterte nochmals um einen Punkt auf einen Wert von 171 - dies sind 28 Punkte mehr als vor einem Jahr.

Das große Stellenangebot zeige, dass es vielen Unternehmen immer schwerer falle, die passende Fachkraft zu finden; oft blieben Stellen deswegen längere Zeit unbesetzt, was die Zahl der offenen Stellen zusätzlich in die Höhe treibe. «Perspektivisch bleibt allerdings abzuwarten, ob und inwieweit die Unsicherheit auf den internationalen Finanzmärkten die Arbeitskräftenachfrage in Deutschland wieder sinken lässt», betont die Bundesagentur einschränkend.

Den größten Bedarf an Arbeitskräften habe weiterhin die Zeitarbeit; gut jede dritte Stelle werde aus dieser Branche gemeldet. Viele freie Stellen gebe es auch im Groß- und Einzelhandel, in der Gastronomie sowie im Gesundheits- und Sozialwesen. Die Arbeitslosenzahlen für September gibt die Bundesagentur für Arbeit (BA) an diesem Donnerstag in Nürnberg bekannt.

Zuversichtlich beurteilen auch deutsche Großbanken und Konjunkturforscher die aktuelle Arbeitsmarktlage. Nach ihren Berechnungen hat die übliche Herbstbelebung die Zahl der Arbeitslosen im September bundesweit auf rund 2,825 Millionen sinken lassen. Dies wären rund 120 000 weniger als im August und mehr als 200 000 weniger als vor einem Jahr, sagten Fachleute in einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa. Der Rückgang würde damit dennoch etwas geringer ausfallen als im Schnitt der vergangenen drei Jahre.

«In der etwas schwächeren Herbstbelebung spiegelt sich die konjunkturelle Verlangsamung wider», sagte Eckart Tuchtfeld von der Commerzbank. «Die jüngsten Zahlen signalisieren, dass die Unternehmen derzeit etwas abwarten und nicht gleich neue Mitarbeiter einstellen», fügte er hinzu. Allerdings rechnet er ebenso wie die meisten anderen befragten Arbeitsmarktexperten weiterhin mit Fortschritten am Arbeitsmarkt - «aber in bescheidenerem Maße als das Anfang des Jahres der Fall war».

Entsprechend haben die meisten Großbanken ihre Jahresprognose für 2011 korrigiert: Sie rechnen inzwischen nur noch mit einer jahresdurchschnittlichen Arbeitslosigkeit von 2,98 Millionen. Vorher waren die meisten von ihnen noch von 2,95, einige sogar von einer noch niedrigeren Jahresarbeitslosigkeit ausgegangen. Für das kommende Jahr erwarten die Experten dennoch keine gravierenden Einbrüche am Arbeitsmarkt. Auch wenn der Job-Boom der vergangenen Monate allmählich zu Ende geht, zeichnet sich für den HypoVereinsbank- Volkswirt Alexander Koch derzeit keine Trendwende am Arbeitsmarkt ab.