Wirtschaft Verschärfte Schuldenkrise drückt Dax tief ins Minus

23.07.2012, 13:17 Uhr

Die erneute Verschärfung der Euro-Schuldenkrise hat den deutschen Aktienmarkt am Montag deutlich ins Minus gedrückt.

Nach Leerverkaufs-Verboten von Spanien und Italien weiteten die wichtigsten Indizes ihre Verluste massiv aus. Zuletzt büßte der Dax 3,20 Prozent auf 6418 Punkte aus und beschleunigte damit seine schwache Entwicklung vom Freitag. Der MDax gab am Montagnachmittag um 3,63 Prozent auf 10 415 Punkte nach und der TecDax verlor 3,07 Prozent auf 745 Punkte.

Italiens Börsenaufsichtsbehörde hat Leerverkäufe von Finanzwerten bis zum Freitag verboten. Spanien zog kurz darauf nach und verbot Leerverkäufe in allen Papieren für die kommenden drei Monate. Die Märkte sackten daraufhin europaweit ab, der Euro rutschte unter 1,21 US-Dollar auf ein neuerliches Tief seit Juni 2010. Bereits zuvor hatten Medienberichte belastet, wonach den Gläubigern Griechenlands langsam der Geduldsfaden reißt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und Berlin wollen den Berichten zufolge trotz eines neuen Finanzierungslochs keine zusätzlichen Hilfen gewähren. Damit wird ein Staatsbankrott wahrscheinlicher.

Am europäischen Anleihemarkt spitzte sich die Lage dramatisch zu. Experten zufolge sorgten vor allem die finanziellen Problemen der spanischen Regionen für neue Rekordstände bei Anleihen und Kreditausfallversicherungen (CDS). Zudem rutschte die krisengeschüttelte Wirtschaft des Landes im zweiten Quartal tiefer in die Rezession. Auch die Lage am Rentenmarkt Italiens trübte sich ein. «Nach den guten Unternehmenszahlen in der Vorwoche schauen die Anleger jetzt wieder durch die Eurokrisen-Brille auf die Märkte», urteilte Händlerin Anita Paluch von Gekko Global Partners.

Unter den Meldungen zur Schuldenkrise litten die Finanzwerte europaweit. Die Titel der Deutschen Bank fielen um 5,21 Prozent. Für die Commerzbank-Aktien ging es am Dax-Ende um 6,71 Prozent bergab. Allianz und Munich Re gaben ebenfalls deutlich nach. Dem «Handelsblatt» zufolge wird der Libor-Skandal die Bilanz der Deutschen Bank mit Rückstellungen von bis zu einer Milliarde US-Dollar belasten.

Die Anteilsscheine des Medizinkonzerns Fresenius gaben nach einem Zukauf in den USA unterdurchschnittliche 2,44 Prozent ab. Die Titel von Rhön-Klinikum, an deren Übernahme Fresenius vorerst gescheitert ist, wurden von der Nachricht nicht belastet und gehörten mit minus 1,43 Prozent noch zu den besten Werten im MDax.

Am Rentenmarkt sank die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere von 0,98 Prozent am Freitag auf 0,94 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,28 Prozent auf 135,73 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,21 Prozent auf 146,00 Punkte. Der Kurs des Euro fiel unter die Marke von 1,21 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,2105 (Freitag: 1,2200) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8261 (0,8197) Euro.