Wirtschaft Lufthansa-Chef beim Osnabrücker Wirtschaftsdialog

07.07.2009, 05:26 Uhr

Auf einen Kurzflug durch den Konzern Deutsche Lufthansa AG nahm dessen Vorstandsvorsitzender Wolfgang Mayrhuber die Zuhörer beim zweiten Osnabrücker Wirtschaftsdialog mit. Zu einem klaren Bekenntnis zum Flughafen Münster/Osnabrück rang er sich allerdings nicht durch.

Der Anfang zu der von der Neuen OZ und der Universität Osnabrück organisierten Veranstaltung war launig: „Liebe künftige Lufthansa-Vielflieger“ begrüßte Mayrhuber die gut 150 größtenteils studentischen Gäste in der Aula des Schlosses. Ein frommer Wunsch angesichts der derzeitigen krisenbedingten Probleme der Branche. Von der ist auch die deutsche Airline nicht ausgenommen, sagte Mayrhuber.

Dennoch sieht er für das Fluggeschäft großartige Wachstumschancen. „Der Markt hat sich rapide geändert: Unser Standort ist Deutschland, unser Heimatmarkt Europa, aber der Wachstumsmarkt ist die ganze Welt.“ Mit Blick auf Asien befinde sich die Luftfahrt „erst am Anfang der Entwicklung“.

Die konsequent weltgewandte Unternehmensausrichtung unterstreichen die Lufthansa-Zukäufe (British Midland, Brussels, Austrian) der vergangenen Wochen. Für die musste sich Mayrhuber Kritik aus dem Publikum gefallen lassen, er führe das Unternehmen auf einen riskanten Weg. Doch der Top-Manager sieht in allen drei erworbenen Unternehmen Potenzial, bei Brussels besonders wegen der dortigen EU-Kommission: „Die Bürokratie wird in Europa nicht aufhören“, meinte der gebürtige Österreicher schelmisch.

Das Wachstum der Branche werde aber manchmal behindert durch die mangelnde Infrastruktur, am Boden genauso wie in der Luft, so Mayrhuber. Jede Minute, die ein Flugzeug am Flughafen warten müsse, koste Geld. An die Politik richtete er deshalb den Wunsch nach Startbahnverlängerungen. „Mit drei Kilometer Autobahn kommen sie nur drei Kilometer weit. Mit drei Kilometer Runway (Start- und Landebahn) kommen sie in die ganze Welt.“

Wer wollte, konnte darin ein gut verstecktes Plädoyer für den Ausbau des FMO in Greven erkennen. Konkreter wollte Mayrhuber auch auf spätere Nachfrage aber nicht werden. Versprechungen könne er keine machen, das Fluggeschäft sei „beinhart“. Den stark lokalen Fokus einiger Landesväter hält er aber für falsch.

Auch der Himmel ist laut Mayrhuber nicht frei von Grenzen. Eine Vielzahl unterschiedlicher Zuständigkeiten in der Luftraumüberwachung habe ständige Umwege zur Folge. „Im Schnitt fliegt jedes Flugzeug in Europa 56 Meilen mehr als es müsste.“ Jeden Tag legten allein die Lufthansa-Flieger in Warteschleifen elfmal die Strecke von Frankfurt nach New York zurück.

Das kostet und ist schlecht für die Umwelt. Für Mayrhuber gehören Ökologie und Ökonomie zusammen. Erfrischend praxisnah erklärte der Konzernlenker dieses Wechselspiel am Beispiel der Leuchtspuren auf den Flugzeug-Gängen, die den Passagieren den Weg zum nächsten Notausgang weisen sollen. Die waren früher elektrisch, kosteten viel Strom, mussten gewartet werden, sorgten dadurch für massive Verspätungen. Jetzt setze die Lufthansa auf einen von ihr selbst entwickelten Werkstoff, der Tageslicht aufnimmt und es bei Dunkelheit abstrahlt.