Wirtschaft Dax beschleunigt Talfahrt

22.09.2011, 16:24 Uhr

Neu entfachte Sorgen um die Konjunktur haben die jüngste Talfahrt des Dax am Donnerstag beschleunigt. Der Leitindex sackte um 4,96 Prozent auf 5164,21 Punkte ab und fuhr damit den größten Tagesverlust seit rund zweieinhalb Wochen ein.

Alle Dax-Einzelwerte lagen mit mehr als eineinhalb Prozent im Minus. Bereits am Vortag hatte der Leitindex deutlich nachgegeben, insgesamt stehen nun in dieser Woche drei Handelstage mit klaren Kursverlusten zu Buche. Der MDax sank am Donnerstag um 5,66 Prozent auf 8230,49 Punkte, der TecDax büßte 4,73 Prozent auf 654,74 Punkte ein.

Die Aussagen der US-Notenbank vom Vorabend drückten stark auf die Stimmung, wie Marktbeobachterin Anita Wisniewska-Paluch von Gekko Global Markets sagte. Die Fed hatte am Mittwoch wegen «signifikanter Abwärtsrisiken» für die US-Konjunktur wie erwartet die Umschichtung von Anleihekäufen angekündigt. Viele Experten bezweifeln aber die Wirkung der Maßnahme.

Weltbank-Präsident Robert Zoellick sagte mit Blick auf die Weltwirtschaft, er halte ein neuerliches Abgleiten in die Rezession zwar nach wie vor für unwahrscheinlich: «Aber mein Vertrauen verliert täglich an Boden angesichts des stetigen Flusses an schlechten Nachrichten.» Belastend wirkten auch Abstufungen der Kreditwürdigkeit einiger Banken aus Italien und den USA sowie ein schwacher Einkaufsmanagerindex aus China. Abgerundet wurde das Bild von etwas enttäuschenden US-Jobdaten.

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hatte die Bonität für sieben italienische Banken gesenkt und gedroht, dass dies bei acht weiteren noch geschehen könne. Moody's hatte das Rating einiger US-Finanzhäuser gesenkt, darunter das der Bank of America. Den Titeln deutscher Branchenvertreter brachte das ein kräftiges Minus ein. Die Titel der Deutschen Bank rutschten am Index-Ende um 8,39 Prozent auf 21,895 Euro ab, Commerzbank-Aktien verloren mehr als sechs Prozent, im MDax stürzten die Titel der Aareal Bank um knapp zwölf Prozent ab.

Herbe Verluste gab es angesichts der Konjunktursorgen auch im Autosektor. Daimler-Aktien verbuchten ein Minus von 7,53 Prozent auf 32,735 Euro. VW-Papiere büßten rund sechseinhalb Prozent ein, BMW- Titel etwa fünfeinhalb Prozent. Marktteilnehmer verwiesen zudem auf einen Bericht im Börsenbrief Bernecker, wonach die Branche im vierten Quartal einen Dämpfer erhalten könnte.

Auch Metro-Papiere gehörten mit einem Abschlag von 8,14 Prozent auf 28,945 Euro zu den größten Verlierern. Möglicherweise verzichtet der Handelskonzern nun doch auf einen Verkauf der Großmarktkette Real. Das «Handelsblatt» berichtete unter Berufung auf Kreise, Vorstandschef Eckhard Cordes habe das Vorhaben am Dienstag den im Aufsichtsrat vertretenen Arbeitnehmern vorgestellt. Zudem schwelt die Führungskrise bei Metro offenbar weiter. Medienberichten zufolge soll Cordes eine Vertragsverlängerung von maximal zwei Jahren erhalten.

Am besten schnitten noch als defensiv geltende Aktien aus der Gesundheits- und Konsumbranche ab, so verloren etwa die Aktien von Beiersdorf als bester Dax-Wert nur 1,67 Prozent auf 40,070 Euro.

Im MDax setzten die Aktien von Stada ihren Sinkflug vom Vortag fort. Sie verloren nach den am Mittwoch angekündigten Abschreibungen weitere 9,47 Prozent auf 17,010 Euro, nachdem sie am Mittwoch bereits um mehr als 19 Prozent abgestürzt waren.

Der euroStoxx 50 sank um 4,79 Prozent auf 1995,75 Punkte, auch in Paris und London mussten die Leitindizes Verluste hinnehmen. In New York lag der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss mit mehr als drei Prozent im Minus.

Am deutschen Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 1,49 (Vortag: 1,61) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,52 Prozent auf 131,05 Punkte. Der Bund Future gewann 0,58 Prozent auf 138,60 Punkte. Der Kurs des Euro fiel: Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,3448 (1,3636) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7436 (0,7334) Euro.