Wesjohann fordert Herkunftskennzeichnung Wiesenhof-Chef: Kunden müssen Fleisch aus Brasilien direkt erkennen können

Von Dirk Fisser | 06.06.2022, 11:43 Uhr | 2 Leserkommentare

Kommen die Chicken Nuggets aus Brasilien? Gut möglich, der Verbraucher weiß davon in der Regel aber nichts. Deutschlands größter Geflügelfleischproduzent, der Wiesenhof-Mutterkonzern PHW, fordert daher eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung.

Der Wiesenhof-Mutterkonzern PHW fordert von der Bundesregierung, neben der Haltung von Tieren auch die Herkunft verpflichtend auf der Fleischverpackung zu kennzeichnen. Im Interview mit unserer Redaktion sagte Peter Wesjohann, Chef von Deutschlands größtem Geflügelfleischproduzenten: „Zwingend und sofort brauchen wir eine Herkunftskennzeichnung nicht nur im Supermarkt, sondern auch in der Gastronomie.” Ansonsten werde teureres Tierwohl-Fleisch durch billigere Alternativen aus dem Ausland ersetzt, ohne das Verbraucher etwas bemerkten.

Auch Restaurants sollen Herkunft angeben

Dies sei bereits im Gastro-Sektor zu beobachten, der für 60 Prozent des Geflügelfleischabsatzes in Deutschland verantwortlich sei. Angesichts der Preissteigerungen in Folge von Corona und Ukraine-Krieg würde zunehmend günstigere Ware aus dem Ausland aufgetischt. „Das ist dann Fleisch aus Osteuropa, aber im Conveniencebereich auch aus Brasilien”, so Wesjohann.

Der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens mit Stammsitz in Rechterfeld, Niedersachsen, sprach sich zudem dagegen aus, den Umbau der Tierhaltung in Deutschland über eine Anhebung der Mehrwertsteuer zu finanzieren. „Wer das macht, verteuert das ohnehin teurere Tierwohlfleisch noch einmal zusätzlich”, warnte Wesjohann. Er favorisiere „eine absolute Tierwohlabgabe pro Kilogramm Fleisch.”

Wiesenhof-Chef für Tierwohlabgabe

Vorbild könne die privatwirtschaftliche Initiative Tierwohl sein, bei der unter anderem Handelskonzerne Geld in einen Fonds einzahlen, aus dem Bauern dann bessere Ställe finanziert bekommen. „Man könnte die Initiative als Fonds unter staatliche Aufsicht stellen”, regte der Unternehmer an.

Am Dienstag will Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir seine Pläne für eine staatliche Haltungskennzeichnung in Berlin vorstellen. Überschattet wird der Termin von Streitereien innerhalb der Ampel-Koalition, wie der Umbau der Tierhaltung finanziert werden soll. Die FDP hatte angesichts der Inflation sämtlichen Modellen eine Absage erteilt, bei denen zusätzliche Kostensteigerungen auf Verbraucher zukommen.

Union warnt: Pläne drohen zu scheitern

Albert Stegemann, agrarpolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, sagte unserer Redaktion: „Minister Özdemir droht an den eigenen Ampel-Koalitionspartnern krachend zu scheiten.” Der CDU-Politiker bemängelte, dass keine alternativen Finanzierungskonzepte diskutiert würden. Ohne eine entsprechende Planungssicherheit würde kein Landwirt seinen Stall umbauen. „Dies ist nicht nur eine verpasste Chance, sondern der faktische Einstieg in den Abbau der landwirtschaftlichen Tierhaltung in Deutschland”, so Stegemann.

2 Kommentare
Richard Klein 70067
In Grunde ganz einfach, jedes Unternehmen was nur auf extremer Mast haltung und Gewinnmaximierung aus ist bekommt keine Subventionen mehr. Wer dagegen Wert auf gute Haltungs Bedingungen zieht bekommt sie. Aber solange wie in Oldendorf bei Melle etc. riesen Schweinemastbetriebe gebaut und subventioniert werden, wird sich daran auch nix ändern. Da ändern auch Strafzahlungen nix, wird einfach auf den...