Wenig erreicht für Arbeitnehmer Post-Tarifabschluss: Niederlage für Gewerkschaft Verdi

Meinung – Alexander Klay | 06.07.2015, 19:57 Uhr

Der erzielte Tarifabschluss bei der Deutschen Post sichert die Besitzstände der Beschäftigten. Gewinner ist aber der Konzern, kommentiert unser Autor. Die Post kann mit ihren umstrittenen Dumping-Tochtergesellschaften weitermachen wie bislang.

Kein Wunder, dass die Anleger jubeln. Nach der Tarifeinigung bei der Deutschen Post ist deren Aktienkurs am Montag um mehr als drei Prozent in die Höhe geschnellt. Nicht nur das belegt: Viel hat die Gewerkschaft Verdi nach 52 Streiktagen nicht erreicht.

Der Tarifabschluss ist vielmehr ein fauler Kompromiss: In den kommenden drei Jahren steigen die Einkommen der Tarifbeschäftigten moderat. Und diese Mitarbeitergruppe wird nicht in die höchst umstrittenen regionalen Zustellgesellschaften abgeschoben. Nun könnte man sagen, mit diesem Ergebnis ist weitaus Schlimmeres verhindert worden.

Jedoch ist das Gegenteil der Fall. Viel mehr als das Wahren von Besitzständen ist Verdi nicht gelungen: Für alle, die künftig bei den Dumping-Töchtern der Post anfangen, gilt der Tarifabschluss nicht. Gleichzeitig hat der Konzern quasi einen Freibrief dafür erhalten, die Mitarbeiterzahl bei seinen Billigtöchtern in den kommenden Jahren mindestens zu verdreifachen. Was für ein fauler Zauber.

Das schlechte Abschneiden der Gewerkschaft Verdi wirft außerdem einen dunklen Schatten auf die laufende Tarifrunde der Kita-Erzieher. Auch hier müssen sich Gewerkschaft und Mitglieder am Ende wohl von ihren ambitionierten Zielen verabschieden – womöglich wird unterm Strich nicht viel mehr als das „übliche“ Lohnplus bleiben.

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