Weltmarktführer in der Substratindustrie Klasmann-Deilmann sucht Ersatz für Torf

Von Christof Haverkamp | 14.01.2015, 07:34 Uhr

Die Klasmann Deilmann GmbH mit Sitz im emsländischen Geeste-Groß Hesepe ist auf der Suche nach einem teilweisen Ersatz für Torf. Den langfristig stehen in Deutschland keine Flächen mehr zur Verfügung.

Die Torfindustrie denkt in Jahrzehnten, denn so lange laufen die Pachtverträge für Abbauflächen. Das gilt auch für die Klasmann-Deilmann GmbH mit Sitz im emsländischen Geeste-Groß Hesepe. Doch was ist, wenn in absehbarer Zeit kein Hochmoor mehr zur Verfügung steht, weil die niedersächsische Landesregierung den Torfabbau aus Gründen des Klimaschutzes schnellstmöglich auslaufen lassen will?

Die bisherigen Genehmigungen für den Abbau enden 2030, neue Flächen wird es dann nicht mehr geben. Klasmann-Deilmann steht daher unter Druck und versucht, den Torf soweit möglich zu ersetzen: durch Kompost, aufgefaserte Holzhackschnitzel oder Kokosschalen. Torf ist zwar der Rohstoff, mit dem Klasmann-Deilmann am meisten zu tun hat – doch die Geschäftsführer Moritz Böcking und Norbert Siebels sprechen lieber von Substratindustrie. Zunächst diente der Torf im Verlauf der mehr als hundertjährigen Firmengeschichte als Brennmaterial. Doch vor etwa fünf Jahrzehnten begannen die Torfbetriebe von Deilmann und Klasmann, die 1990 zu einem Unternehmen fusionierten, nach und nach auf die Produktion von Spezialsubstraten umzustellen.

Die Unternehmensgruppe beliefert heute in allen Erdteilen Gartenbaubetriebe mit Produkten, die dazu beitragen, dass Gemüse oder Zierpflanzen besser wachsen. In der Substratindustrie ist Klasmann-Deilmann Weltmarktführer; die Unternehmensgruppe mit 950 Beschäftigten (davon knapp 400 in Deutschland) hat Produktions- und Vertriebsgesellschaften im In- und Ausland sowie Handelspartner in 70 Ländern. Der Gruppenumsatz betrug im vergangenen Jahr 165 Millionen Euro. Große Torfflächen bearbeitet das Unternehmen noch in Litauen, Lettland und Irland.

2011 hat sich Klasmann-Deilmann eine neue Vision gesetzt: „Wir produzieren die besten Substrate für den weltweiten Produktionsgartenbau und sind ein leistungsstarker Anbieter erneuerbarer Energien“, hat sich das Unternehmen in seiner „Strategie 2020“ als Ziel gesteckt. Warum erneuerbare Energien? „Weil wir glauben, dass sie sehr gut zu uns passen“, stellt Geschäftsführer Böcking fest. Mit einem Anteil von 15 Prozent alternativer Substrate will Klasmann-Deilmann bis 2020 den Torf ersetzen und so die umweltschädliche Freisetzung von Kohlendioxid verringern, die beim Trocknen des Rohstoffs entsteht.

„Wir werden niemals Ruhe geben auf der Suche nach einer Alternative für Torf“, sagt auch Geschäftsführer Norbert Siebels. Doch um fündig zu werden, braucht die Unternehmensgruppe Zeit. Forschung und Entwicklung nehmen einen hohen Stellenwert ein.

Moorschutz-Experte Felix Grützmacher vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) unterstützt die Bestrebungen von Klasmann-Deilmann, Torf durch andere Stoffe zu ersetzen und diese in den Markt zu bringen. „Wir würden uns aber noch ein schnelleres Tempo wünschen“, fügt er hinzu.

Die Verantwortung im Umgang mit Torf ende aber nicht an der Grenze. Dass sich der Interessenverband der europäischen Torf- und Substratwirtschaft Epagma für die Verbrennung von Torf zur Energiegewinnung ausspricht, sieht Grützmacher kritisch. Und verweist darauf, dass der Vorsitzende von Epagma der Geschäftsführer von Klasmann-Deilmann, Norbert Siebels, ist.

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