Warnung vor Verbraucherbetrug Tierschutzbund droht mit Ausstieg bei Initiative Tierwohl

Von Dirk Fisser | 24.08.2016, 07:41 Uhr

Der Deutsche Tierschutzbund droht, die Mitarbeit in der der sogenannten Initiative Tierwohl von Handel, Produzenten und Landwirtschaft aufzukündigen und warnt vor einem Betrug der Verbraucher. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte Verbandspräsident Thomas Schröder: „Wir sind mit der Entwicklung der Initiative unzufrieden.“

Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte Verbandspräsident Thomas Schröder: „Wir sind mit der Entwicklung der Initiative unzufrieden.“ Hintergrund des Ärgers ist die Frage, wie es in der kommenden Vertragsperiode ab 2018 mit der Initiative weiter gehen soll. Anforderungen an die Tierhalter werden derzeit erarbeitet, sind nach Ansicht von Schröder aber „viel zu schwach“.

Würden es so umgesetzt, „dann kann man nicht von mehr Tierwohl reden. Dann stehen wir vermutlich vor dem größten Verbraucher- und Tierschutzbetrug, den es in Deutschland je gegeben hat.“ Nach jetzigem Planungsstand orientiere sich die Initiative viel zu sehr an gesetzlichen Mindeststandards und gehe kaum darüber hinaus. „Das ist aus Tierschutzsicht nahezu unterirdisch“, so Schröder.

Er wirft den Beteiligten unter anderem vor, allein die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe im Blick zu haben, nicht aber die eigentliche Frage des Tierwohls. „Die Beteiligten wollen möglichst viele Schweine im System haben, da zählt nur Quantität, nicht Qualität.“ Der Tierschutzbund gehört dem Beraterausschuss der Initiative an.

100 Millionen Euro im Topf

Erst kürzlich hatten sich die Handel und Agrarbranche auf eine Fortführung der Initiative für die Zeit ab 2018 verständigt. Der Handel sagt zu, 100 Millionen Euro für schweinehaltende Betriebe zur Verfügung zu stellen. Mit dem Geld sollen bessere Haltungsbedingungen im Stall finanziert werden. (Weiterlesen: Initiative Tierwohl nach 2017: Ende ist nicht ausgeschlossen)

Nach Angaben der Initiative würde das Geld reichen, um 4800 Betriebe aufzunehmen. In etwa so viele hatten sich zum Start für eine Teilnahme beworben. Mangels ausreichender Finanzmittel musste gut die Hälfte der Landwirte aber zunächst mit einem Platz auf der Warteliste vorliebnehmen. (Weiterlesen: Initiative Tierwohl: Hälfte der Bauern geht leer aus)

Schröder bemängelte, dass es der Brancheninitiative an Perspektive fehle. „Der Landwirt muss jetzt wissen, mit welchem Geld er nach 2020 rechnen kann.“ Derzeit gebe es für Bauern keine Planungssicherheit, weswegen sie vor dem tierschutzgerechten Umbau von Ställen zurückschreckten. „Der Handel muss da jetzt Farbe bekennen, wenn die Initiative mehr sein soll als ein Marketinginstrument.“ Finanzmittel müssten jetzt und auch perspektivisch über 2020 hinaus massiv erhöht werden. „Die Versprechen der Branche, mehr Tierwohl abzusichern, sind sonst nichts wert“, sagte Schröder.

Initiative: Teilen Ansichten nicht

Am Mittwoch äußerte sich die Initiative Tierwohl zu der Kritik. Sie betonte in einer Stellungnahme, sie wolle „pragmatisch und realistisch das tun, was wirklich machbar ist“. Die „geäußerten Ansichten“ des Tierschutzbundes teile sie nicht.

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