Von Apfel bis Rhabarber Lammersiek Säfte: Eine Million Flaschen Regionalität

Von Thomas Wübker | 21.06.2016, 16:26 Uhr

Biosaft aus regionaler Produktion liegt im Trend. Die Fruchtsaftkelterei Lammersiek in Bad Essen machte schon lange vor dem Bio- und Regio-Boom frisch gepresste Säfte für den Vertrieb in der Umgebung.

Vor 96 Jahren gründete Wilhelm Lammersiek einen Obstgroßhandel für Äpfel und Birnen in Bad Essen. 16 Jahre später hat er angefangen, Obst zu Saft zu verarbeiten. Das macht Lammersiek Säfte & Co. auch heute noch. Ansonsten hat sich viel geändert:

Geschäftsführerin ist die Urenkelin des Firmengründers, Claudia Himmelstoß. In ihrem Betrieb arbeiten drei festangestellte Mitarbeiter sowie sechs Teilzeitkräfte und Aushilfen. Mittlerweile mehr als 20 Sorten Saft hat sie im Programm. Zwar sind Äpfel und Birnen immer noch die am meisten verarbeiteten Obstsorten, aber es finden sich auch Säfte aus Johannisbeeren, Kirschen und Holunder in der Produktpalette. Aktuell verarbeitet der Betrieb Rhabarber zu Saft – seit einigen Jahren ist Rhabarbersaft-Schorle nicht mehr nur bei hippen Gourmets angesagt. „Dieser Trend kam aus Hamburg. Die Stadt ist im Bereich Getränke eher Trendsetter als Berlin“, sagt Claudia Himmelstoß.

Trendgetränk Ariona-Saft

Als neues Trendgetränk hat sie Aronia-Saft ausgemacht. Der sei reich an Gerbstoffen, wirke entzündungshemmend und sei gut fürs Immunsystem, sagt sie. Der Extrakt der Aronia-Frucht wird auch bei Krebserkrankungen wegen seiner antioxidativen Wirkung eingesetzt. „Er ist aber anstrengend zu trinken. Man muss ihn mischen“, empfiehlt Himmelstoß. Wer aktuell zur Saft-Avantgarde gehören will, der solle sich an Granatapfelsaft laben.

Gerade diese Vielfalt mache Lammersiek interessant, sagt Edgar Klinger, Leiter der Osnabrücker Gruppe von Slow Food. „Dort findet man Produkte, die man sonst sehr, sehr lange suchen muss, oder die man sonst nicht mehr findet.“ Außerdem lobt er, dass dort neue Dinge wie Cidre ausprobiert werden.

Dass bei Lammersiek Streuobst verwendet werde, das nicht behandelt wurde und aus der Region stammt, passe hervorragend zur Philosophie zur Slow-Food-Organsiation, die sich für saubere, wohlschmeckende, fair gehandelte Produkte und die Erhaltung regionaler Lebensmittel stark mache, sagt Klinger. „In großen Mostereien wird oft verfaultes Obst verwendet. Das ist bei Lammersiek nicht so.“

Nur Glasflaschen, nie PET

Pro Jahr fülle Lammersiek etwa eine Million Flaschen Saft ab, sagt Claudia Himmelstoß. Zum Umsatz von Lammersiek Säfte & Co. macht sie keine Angaben. Ein Teil der Ware kommt in den Handel; ein anderer wird für Privatleute abgefüllt, die ihr Obst nach Bad Essen bringen und es dort pressen lassen. 50 Kilogramm Äpfel ergeben etwa 40 Flaschen Saft (0,7 Liter), rechnet Claudia Himmelstoß vor. Sie füllt den Saft nur in Glasflaschen. „Darin hält er sich länger, und er schmeckt besser“, sagt sie. Zum Teil seien Stoffe wie Weichmacher in den Kunststoffbehältern, die mit der Flüssigkeit reagieren.

Für die Unbelehrbaren hat Claudia Himmelstoß ein Totschlagargument, wie sie augenzwinkernd sagt: „PET macht impotent.“ Das sei zwar nicht hundertprozentiger Sicherheit nachgewiesen, schränkt sie ein. Die dafür verantwortliche Chemikalie Bisphenol A, die nicht nur in PET-Flaschen, sondern auch in der Beschichtung von Konservendosen, im Kassenzettel oder in Plastikbesteck enthalten ist, werde von manchen Experten aber als riskant für die Manneskraft bewertet.

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