Verschärft Trump Schifffahrtskrise? Deutsche Reeder schwenken um auf Dienstleistung für andere Reedereien

Von Christian Schaudwet, Christian Schaudwet | 13.02.2017, 07:01 Uhr

Deutsche Reeder schwenken in der Schifffahrtskrise aufs Dienstleistungsgeschäft für andere Reedereien um. Dem Verband Deutscher Reeder (VDR) zufolge richten viele Schifffahrtsunternehmen derzeit ihr Geschäftsmodell neu aus.

„Das kann konkret bedeuten: weg vom Eigentum an den Schiffen hin zum Management für Schiffe anderer Unternehmen – auch aus dem Ausland“, sagte der Geschäftsführer im VDR-Präsidium, Ralf Nagel im Gespräch mit unserer Redaktion. Solche Managementdienstleistungen zählten zu den Kernkompetenzen deutscher Reeder. „Bereederung ‚made in Germany‘ ist ein Qualitätsmerkmal, mit dem deutsche Schifffahrtsunternehmen punkten können“, so Nagel. Deutschland müsse sein maritimes Know-how als Standortvorteil bewahren. Um die Chancen der Digitalisierung für die Schifffahrt zu nutzen, bedürfe es aber einer engen Kooperation von Forschung, Entwicklung, Reedereien und Start-ups.

US-Handelspolitik könnte Schifffahrt weiter schwächen

Eine harte US-Handelspolitik unter dem neuen Präsidenten Donald Trump könnte die Krise der Branche nach Nagels Einschätzung weiter verschärfen: „Mehr Protektionismus, etwa der USA, könnte den internationalen Warentransport negativ beeinflussen“.

Die Krise der Handelschifffahrt geht ins neunte Jahr. Was Eigner mit ihren Schiffen verdienen, deckt teils nicht einmal mehr die Betriebskosten. Die Frachtraten bleiben niedrig, immer noch sind zu viele Schiffe auf dem Markt. Anleger und Banken, die Schiffe finanziert haben, gehen leer aus. Die deutsche Handelsflotte ist in den vergangenen fünf Jahren um ein Viertel geschrumpft.

Internationale Großreedereien fusionieren

Internationale Großreedereien wie APL, CMA/CGM, CSCL und Cosco versuchen, durch Fusionen wirtschaftlicher zu werden. Die dänische Maersk übernimmt Hamburg Süd, Hapag Lloyd fusioniert mit der arabischen UASC. Die insolvente koreanische Hanjin Shipping wird voraussichtlich abgewickelt.

In Haren im Emsland und im ostfriesischen Leer sind derzeit rund 750 Schiffe registriert, die alle mehr oder weniger mit der Krise zu kämpfen haben. Rund 364 Reedereien gibt es in Deutschland, die meisten davon sind kleine Familienbetriebe mit ein paar Schiffen.