Verband registriert Zunahme Versicherungsbetrug zur EM: Schäden an Fernsehern nehmen zu

Von Sven Mechelhoff | 07.06.2016, 17:48 Uhr

Die Nationalmannschaft siegen sehen und das am liebsten in HD: Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat festgestellt, dass Kunden für diesen Wunsch auch über das Erlaubte hinausgehen.

Die Versicherer wüssten aus Erfahrung, dass kurz vor sportlichen Großereignissen und nach Einführung neuer Produktgenerationen die Schadensmeldungen stets zunähmen, heißt es in einer GDV-Mitteilung. Beide Parameter sind jetzt erfüllt: Die Fußball-Europameisterschaft (EM) beginnt am Freitag. Zudem bringen Hersteller nach und nach Fernseher einer neuen Generation auf den Markt. Das Format HDR (High Dynamic Range) verspricht ein breiteres Farbspektrum und überdurchschnittlich hohe Kontraste.

„Zur Finanzierung eines neuen Fernsehers wird manchmal ein Schaden am alten Gerät herbeigeführt, den es so nie gegeben hat“, sagt Thomas Leicht, Vorsitzender der Kommission Kriminalitätsbekämpfung im GDV.

Schadenschilderung stimmt nicht

Jedes Jahr würden in Deutschland tausende Schäden an Fernsehern gemeldet, so der GDV. Eine Untersuchung deutscher Versicherer belege, dass jeder vierte davon nicht plausibel sei. „In vielen Fällen passen Schadenschilderung und Schadenbild nicht zueinander. Der Schaden kann demzufolge nicht so passiert sein, wie er geschildert wurde“, sagt Leicht. In die Untersuchung flossen 1800 als beschädigt gemeldete Fernseher ein. Die durchschnittliche Forderung an die Versicherung betrug 745 Euro.

Betroffen von diesem Betrugsphänomen sei vor allem die private Haftpflichtversicherung, teilt der GDV weiter mit. Häufig werde versucht, aus einem nicht versicherten Schaden – etwa einem technischen Defekt – einen Versicherungsfall zu konstruieren. Ein Mittäter behaupte dann, er habe den Schaden verursacht, und veranlasse seine Versicherung, die Kosten zu übernehmen. Die LVM als großer Versicherer aus Münster registriert den Trend des GDV bisher nicht, wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilte.

Mehr als vier Milliarden Euro Schaden

Der GDV geht davon aus, dass etwa zehn Prozent der Schadenzahlungen durch Versicherungsbetrug entstehen. Den Versicherern entstehe so ein geschätzter Schaden von mehr als vier Milliarden Euro im Jahr, teilt der Verband mit. Die Versicherer prüften jedoch, wie ein Schaden entstanden sei. Teilweise würden Schadensfälle auch nachgestellt, um bei Betrugsverdacht Ungereimtheiten beweisen zu können.

„Die allermeisten unserer Kunden sind ehrlich. Dennoch glauben einige, dass Versicherungsbetrug ein Kavaliersdelikt ist. Sie bedenken jedoch nicht, dass die vielen ehrlichen Kunden den Betrug mit ihren Versicherungsbeiträgen finanzieren“, sagt Leicht.

Die meisten Täter unterschätzten nach GDV-Angaben zudem die möglichen Folgen. Es drohten nicht nur der Verlust des Versicherungsschutzes und zivilrechtliche Konsequenzen. Auch strafrechtlich werde der Betrug sanktioniert – in besonders schweren Fällen mit Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren.