Treffen in Hannover Bauerntag: Rukwied als Bauernpräsident wiedergewählt

Von Dirk Fisser | 29.06.2016, 11:18 Uhr

Joachim Rukwied steht für weitere vier Jahre als Präsident dem Deutschen Bauernverband vor. 88,76 Prozent der rund 600 Delegierten auf dem Deutschen Bauerntag in Hannover votierten für den Heilbronner Landwirt, einen Gegenkandidaten gab es nicht.

Rukwied hatte den Posten 2012 von Vorgänger Gerd Sonnleitner übernommen. Damals stimmten noch 95,4 Prozent der Delegierten für ihn. Einer der Vizepräsidenten bleibt Werner Hilse, Vorsitzender des Landvolks in Niedersachsen. Er erhielt 83,75 Prozent der Stimmen, das zweitschlechteste Ergebnis der insgesamt vier Vize-Chefs.

Rukwied: Wir brauchen keine Agrarwende

In einer rund einstündigen Grundsatzrede hatte Rukwied zuvor unter Applaus festgestellt: „Wir brauchen keine Agrarwende.“ Er konterte Kritik von Grünen und Umwelt- und Tierschützern. Deutsche Landwirte arbeiteten nachhaltig und würden ihre Tiere artgerecht halten. „Wir kupieren die Schwänze von Ferkeln nicht just for fun“, so Rukwied. „Das machen wir, weil es Tierschutz ist.“

Kritik an Hofreiter und Hendricks

 Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag, warf Rukwied vor, „keinen blassen Schimmer von Landwirtschaft“ zu haben. Hofreiter hatte kürzlich Pläne der Grünen zitiert, innerhalb von 20 Jahren die Massentierhaltung in Deutschland abschaffen zu wollen. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) griff Rukwied für deren Äußerungen an, Landwirte trügen durch Mais-Monokulturen eine Mitschuld an den schweren Schäden nach Hochwassern in Süddeutschland.

Hilfe von Bundesregierung gefordert Auch auf die Marktkrise ging Rukwied ein: Er forderte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) erneut auf, zugesagte Hilfen für Milchviehhalter zu konkretisieren. „Ich erwarte klare Ansagen von Hern Schmidt“, so Rukwied. Der Bundesminister wird am Donnerstag auf dem Bauerntag erwartet. „Die bisherigen Hilfsmaßnahmen sind ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Verluste gehen in die Milliarden.“ (Weiterlesen: Bis zu 14.000 Bauern könnten wegen Agrarkrise aufgeben)

Bauern geben auf

Am Dienstag veröffentlichte Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass seit Mai 2015 etwa 3500 Milchviehbetriebe und 1400 Schweinehalter aufgegeben haben. Bauernpräsident Rukwied hatte zuletzt im Interview mit unserer Zeitung darauf hingewiesen, dass binnen einen Jahres bereichsübergreifend bis zu 14.000 Bauern entweder ganz aufhören oder einzelne Betriebszweige wie die Viehhaltung beenden. Seinen Angaben zufolge hat sich das Einkommen auf vielen Höfen binnen zwei Jahren mehr als halbiert. (Weiterlesen: EU-Agrarsubventionen 2015: Die Top-Empfänger in der Region)

 “Aktionsplan heimische Landwirtschaft“

Hilfe erwarten die Bauern unter anderem von der Politik aber auch Marktpartnern. Das Verbandspräsidium forderte vor dem Auftakt des Bauerntages einen „Aktionsplan für heimische Landwirtschaft“. Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt hatte zuletzt im Interview mit unserer Redaktion weitere Hilfen zugesagt. Diese knüpfte er aber an die Forderung, dass Milchviehhalter ihre Produktion in Krisenzeiten nicht noch weiter ausdehnen. Schmidt sagte: „Ich erwarte Mengendisziplin von den Milchbauern, denen mit Steuergeldern geholfen wird.“Er kritisierte, dass die Milchmengen „ohne jede Vernunft“ gesteigert worden seien.

Gegen Mengenreduzierung

Das konterte Udo Folgart, Fachmann für Milch im Bauernverband: „Wir brauchen keinen Staat oder Verband, der uns sagt, wie viel wir zu produzieren haben, das ist Aufgabe der Wirtschaft.“ Die Debatte um eine Mengenreduzierung angesichts des Überangebots in Europa bezeichnete Folgart als „politische Geisterdebatten“.  

Preise mit Handel nachverhandeln

Der Bauernverband forderte darüber hinaus vom Lebensmitteleinzelhandel Nachverhandlungen mit dem Ziel von Preiserhöhungen. Als Mitschuldige an der Preismisere der Bauern hat ihr Verband die großen Handelskonzerne ausgemacht, die angesichts ihrer großen Marktmacht Preise zum Leidwesen der Bauern drückten. Der Handelsverband hatte das im Gespräch mit unserer Redaktion zurückgewiesen.

 Mit Spannung erwartet wird am Donnerstag der Auftritt von Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt.  Auch EU-Agrarkommissar Phil Hogan soll am Donnerstag sprechen.

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