Tönnies nennt Sögel als Vorbild Fleischbranche will über Mindestlohn verhandeln

Von Dirk Fisser | 10.09.2013, 17:05 Uhr

Jetzt also doch: Die vier führenden Unternehmen der Fleischbranche in Deutschland wollen Gespräche mit der Gewerkschaft NGG über einen tariflichen Mindestlohn führen. Zudem sollen einheitliche Standards für Werkvertragsarbeiter ausgearbeitet werden. Das teilte der Tönnies-Konzern mit.

Demnach hätten sich neben Tönnies auch Danish Crown, Vion und Westfleisch bei einem Treffen in Bonn geeinigt, zügig Verhandlungen aufzunehmen. In der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ hatte sich Unternehmer Clemens Tönnies noch geweigert, Gespräche mit der NGG zu führen. Stattdessen hatte er als mittelfristiges Ziel eine Festanstellung sämtlicher Werkvertragsarbeiter ins Spiel gebracht.

Nun der Sinneswandel: Er freue sich, „dass wir neben dem flächendeckenden Mindestlohn jetzt auch bei den weiteren Rahmenbedingungen gemeinsam einheitliche und verbindliche Standards festsetzen werden“, so Tönnies in einer Mitteilung. Sein Unternehmen betreibt unter anderen den Schweineschlachthof Weidemark im emsländischen Sögel – der größte in Niedersachsen.

Bislang war die Einführung eines Mindestlohns auch daran gescheitert, dass die Mitbewerber auf dem hart umkämpften Fleischmarkt sich gegenseitig nicht trauten. So hatte beispielsweise Tönnies zwar verbindliche Lohnuntergrenzen begrüßt, diese aber nur akzeptieren wollen, wenn sich alle daran halten. Ansonsten seien Wettbewerbsverzerrungen zu fürchten.

In Sachen Werkvertragsarbeiter nennt Tönnies das Beispiel Sögel als Vorbild. Hier sind annähernd 1000 Werkvertragsarbeiter für den Schlachthof Weidemark im Einsatz. Nach Aussage des Unternehmens erhalten diese Mitarbeiter mindestens 8,50 Euro in der Stunde. Gemeinsam mit der Samtgemeinde Sögel als Standort des Schlachthofs sind nach negativen Berichten zudem einheitliche Standards in Sachen Unterbringung erarbeitet worden. Zuletzt war eine Beratungsstelle für die überwiegend aus Ost- und Südosteuropa stammenden Arbeiter ins Leben gerufen worden.