Kommentar zum Haltungskennzeichen Streit ums Tierwohllabel: Woher kommt die plötzliche Liebe zum Schwein?

Meinung – Dirk Fisser | 29.06.2019, 01:19 Uhr

Eine breite Allianz wehrt sich gegen die Pläne der Bundesregierung, ein freiwilliges Tierwohllabel einzuführen. Dazu ein Kommentar.

Was für eine Allianz, die sich da für das Wohl der Schweine einsetzt! Von der CSU bis zu den Grünen, vom Tierschützer bis zum Discounter fordern sie eine verpflichtende Haltungs- und Herkunftskennzeichnung. Und auch die Bauern sind dabei. Nur eine scheint nicht zu wollen: Bundesagrarministerin Julia Klöckner. Ist die Lage so einfach? Natürlich nicht.

Gerade die Politik muss sich fragen lassen, woher das plötzliche Interesse für die Schweine kommt. Weder Union noch SPD haben in der Vergangenheit in Sachen Tierschutzpolitik besonderen Elan gezeigt. So waren es doch die beiden, die kürzlich die betäubungslose Ferkelkastration verlängerten. Notwendig wurde das auch, weil sich die Regierungsparteien über Jahre nicht ernsthaft ums Thema gekümmert haben.

Warum also nun die Vehemenz beim Label? Ist es die Erkenntnis, dass sich mit Schweinen doch Wahlen gewinnen lassen und man den Glaubwürdigkeitsvorsprung der Grünen einholen muss? Oder sind es gekränkte föderale Eitelkeiten, nachdem der Bund die Länder bei Agrarthemen wie den schärferen Düngeregeln vor vollendete Tatsachen stellte? Nun lässt man die Bundesministerin zur Strafe dumm dastehen.

Oder ist es doch neuentdeckte Tierliebe? Das wäre wünschenswert. Eine so breite Allianz hat das Potenzial große Projekte voranzutreiben, das Schweineleben tatsächlich besser zu machen. Mit Union und SPD an der Spitze. Sie werden sich daran messen lassen müssen, ob sie diese Chance nutzen. Alles andere wäre unredlich.

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