Sprehe-Subunternehmer vor Gericht Prozess in Münster: Millionenbetrug mit Werkverträgen?

Von Dirk Fisser | 02.12.2014, 12:08 Uhr

Wegen eines mutmaßlichen Millionen-Betrugs mit Werkverträgen muss sich demnächst ein ehemaliger Subunternehmer der Sprehe-Gruppe vor dem Landgericht Münster verantworten. Der Mann aus dem Landkreis Vechta soll zusammen mit vier weiteren Angeklagten Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von rund fünf Millionen Euro hinterzogen haben.

Das Verfahren beginnt am 15. Dezember, gut ein Jahr nach der Razzia in dem Betrieb „Fine Food“ in Emsdetten. Hier kümmerte sich der Unternehmer per Werkvertrag um die Puten-Zerlegung. Branchenüblich setzte er dazu Arbeiter aus Ungarn und Polen ein.

Keine Entsendebescheinigung?

Die, so vermutet die Staatsanwaltschaft in Münster, sollen aber ohne gültige Entsendebescheinigung nach Deutschland entsandt und hier unter Vorenthalt von Sozialversicherungsbeiträgen gearbeitet haben. Mitangeklagt ist ein 39-jähriger Pole, der die Arbeiter angeworben haben soll.

Razzia und Festnahme 2013

Beide Männer wurden im Dezember 2013 festgenommen. Der Zoll hatte zuvor das Unternehmen in Emsdetten durchsucht, das zum weitverzweigten Sprehe-Konzern aus dem Landkreis Cloppenburg gehört. Auch im emsländischen Lorup und in Neuenkirchen Vörden im Osnabrücker Land betreibt der Konzern je eine Firma. Von den Vorgängen am Standort Emsdetten will die Zentrale aber nichts gewusst haben. „Uns war nicht bekannt, wie dieser Vertragspartner seine Leistung organisiert und dabei mit Subunternehmern arbeitet“, hieß es im Dezember 2013 auf Nachfrage.

250 ausländische Arbeiter

Etwa 250 Ost- und Südosteuropäer soll der Hauptangeklagte aus Steinfeld beschäftigt haben. Nach den Ermittlungen des Zolls waren die Arbeiter über mehrere Jahre weder kranken- noch rentenversichert. So erklären sich dann auch die hohen Summen aus der Anklage. Allein auf den Hauptangeklagten entfallen 2,8 Millionen Euro, die er veruntreut und hinterzogen haben soll. Bei 2,4 Millionen Euro soll er Beihilfe geleistet haben. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft. Insgesamt 17 Verhandlungstermine hat die 12. Große Strafkammer am Landgericht angesetzt.

In Emsdetten ist mittlerweile ein neuer Subunternehmer tätig. Unmittelbar nach der Festnahme des Beschuldigten offenbarte sich, dass mehrere Arbeiter seit Monaten keinen Lohn erhalten haben sollen. Etwa 80 Werkvertragler standen daraufhin bei der Tafel in Emsdetten Schlange.