Regionales Firmenporträt Hört aufs Wort: Schreibdienst Dicta-Team aus Westerkappeln

22.08.2012, 18:42 Uhr

Aus einem lokalen Schreibdienst ist binnen weniger Jahre ein weltweit genutzter Dienstleister geworden: Die Firma „DictaTeam“ aus Westerkappeln hat eine spannende Entwicklung hinter sich.

Wer keine Zeit hat, umfangreiche Texte abzutippen, diktiert sie, schickt sie an die Firma und erhält den fertigen Text zurück. Die Auftraggeber können eine Frist setzen, bis wann der Text fertig sein muss. „Das haben wir bisher immer geschafft“, erzählt Firmengründerin Beate Seidel stolz. Mittlerweile arbeiten bundesweit 180 Mitarbeiter daran, dass das auch so bleibt.

Die gelernte Bürokauffrau hatte die Firma 2007 – quasi aus der Not heraus – gegründet. Nach der Scheidung von ihrem Mann musste sie ihre Familie ernähren. Erfahrungen hatte sie bereits bei einem Schreibdienst gesammelt, der jedoch schließen musste. Der Start der eigenen Firma verlief gut, doch steigende Auftragszahlen und wachsende Ansprüche der Kunden brachten die Firma schnell an ihre Grenzen. Um den Service effektiv erweitern zu können, machte man sich 2009 die Entwicklung im Smartphone-Markt zunutze und entwickelte ein Diktier-Programm.

Mit diesem Handy-Programm – auch „App“ genannt – hat jeder Kunde zum einen ein Diktiergerät in der Tasche und zum anderen eine direkte Verbindung zum Schreibdienst. Das aufgenommene Diktat wird per verschlüsselte E-Mail an Dicta-Team gesendet. „Diese Verschlüsselung kann mit heutigen Mitteln nicht geknackt werden. Deshalb können auch sensibelste Inhalte per Mail verschickt werden“, erklärt Claus Michael Sattler, der für Datenschutz und Vertrieb zuständig ist.

Natürlich geht es beim Schreibdienst nicht nur um Schnelligkeit und Sicherheit, sondern auch um präzises Arbeiten. Immerhin zählen Anwälte, Kliniken, Ärzte, Pfarrer, Studenten und Journalisten zum Kundenkreis – das Verschriftlichen der Texte setzt also häufig Fachwissen voraus. „Unsere Mitarbeiter sind durch ihre Ausbildung und Berufserfahrung fit auf ihren Gebieten. Die Fachtermini der jeweiligen Bereiche stellen keinerlei Probleme für sie dar“, sagt Firmenchefin Seidel.

Doch warum arbeiten Fachkräfte bei einem Schreibdienst und nicht in ihren Berufen? Sattler, die rechte Hand der Firmengründerin, erklärt, dass viele Unternehmen hoch qualifizierte Mitarbeiter ausschließen würden, wenn diese etwa aus familiären Gründen tagsüber nicht ständig am Arbeitsplatz sein könnten.

Ein Beispiel für so eine Mitarbeiterin ist Sonja Kühr. Die 35-Jährige hatte in den Neunzigern eine Ausbildung zur Arzthelferin abgeschlossen und war mehrere Jahre in einem Krankenhaus beschäftigt. Nach dem Umzug in eine andere Region fand sie keine Stelle, die sich mit dem Tagesablauf ihres siebenjährigen Sohnes vereinbaren ließ. „Ich hätte zum einen viele Kilometer weit fahren müssen und wäre zum anderen den ganzen Tag bei der Arbeit gewesen. Das wäre gar nicht möglich gewesen“, erklärt sie. Ihre Mutter, die schon seit drei Jahren für Dicta-Team arbeitet, hatte ihr den Tipp gegeben. Sonja Kühr bewarb sich und tippt nun von zu Hause aus Diktate aus dem Fachgebiet Neurologie ab. Der große Vorteil: Die 35-Jährige kann sich ihre Arbeitszeit flexibel einteilen. So bleibt Zeit für das Frühstück mit dem Sohn. Wenn der Siebenjährige dann in der Schule ist, setzt sie sich an ihren Schreibtisch, bis er zum Mittag wieder zurückkommt. „Nach dem Essen und den Hausaufgaben arbeite ich dann weiter“, schildert Kühr.

Die Kunden nutzen die App der Firma aus Westerkappeln mittlerweile nicht mehr nur für das Aufzeichnen einfacher Diktate: Einige Radioreporter der ARD nahmen damit bei der Fußball-Europameisterschaft und den Olympischen Spielen, sendefertige Interviews und Beiträge auf und verschickten sie direkt an ihre Sendehäuser.