Protest gegen Kürzungen Handwerk pocht auf Steuerbonus

Von Beate Tenfelde | 02.12.2014, 05:31 Uhr

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer hält den Steuerbonus auf Handwerkerleistungen für unverzichtbar, um erfolgreich Schwarzarbeit zu bekämpfen.

In einem Gespräch mit unserer Redaktion wies Wollseifer Überlegungen der Regierungskoalition zurück, durch Abstriche bei der Absetzbarkeit von Handwerkerrechnungen finanzielle Spielräume für die energetische Gebäudesanierung zu gewinnen. Es verbiete sich, sehr unterschiedliche Ziele gegeneinander auszuspielen.

Der Steuerbonus als Instrument gegen Schwarzarbeit müsse erhalten bleiben. Dieser Bonus sei Kunden und Betrieben bekannt, einfach zu nutzen sowie sozialverträglich für Kleinverdiener und Mieterhaushalte, betonte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. Völlig andere Ziele hat nach seinen Worten die steuerliche Anreizförderung für mehr Energieeffizienz bei Gebäuden. Es gehe dabei um mehr Klimaschutz sowie den Erfolg der Energiewende. Eine rein haushalterische Betrachtung dieser Instrumente sei daher nicht angemessen, sagte Wollseifer.

Unionsfraktionsvize Michael Fuchs hat Kürzungen beim Steuerbonus für Handwerker-Rechnungen dagegen verteidigt. In einem Gespräch mit unserer Redaktion betonte der CDU-Wirtschaftsexperte, entscheidend sei das Gesamtpaket. Es gehe am Ende um größtmögliche Impulse für Energieeffizienz und für das Handwerk. Die Chance zur Durchsetzung der energetischen Gebäudesanierung müsse jetzt genutzt werden, forderte Fuchs.„Wir kommen hier nicht an Überlegungen zur Gegenfinanzierung vorbei“, sagte er mit Blick auf mögliche Kürzungen beim Handwerkerbonus. Dass Arbeitskosten von unter 300 Euro pro Jahr nicht mehr bei der Steuerberechnung akzeptiert würden, halte er dabei für einen denkbaren Ansatz. „Das ist dann auch gut für die Konjunktur. Darauf werden wir in den weiteren Gesprächen achten“, erklärte Fuchs.

SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil hat sich unterdessen dagegen ausgesprochen, die energetische Sanierung von Gebäuden pauschal zu kritisieren. Zu Plänen, aus dem neuen Zehn-Milliarden-Euro-Paket des Finanzministeriums verschiedene Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz in Wohngebäuden zu fördern, sagte Heil: „Energetische Sanierung ist weit mehr als die Dämmung von Hausfassaden.“ Es gehe um Fenster, Dächer und vor allem um Heizkessel. Laut seinen Schätzungen seien rund drei Viertel aller Heizungsanlagen nicht auf dem heutigen Stand der Technik. Hier gebe es ein enormes Einsparpotenzial.

Der Bund prüft, ob künftig nur noch Handwerker-Rechnungen über 300 Euro von der Steuer absetzbar sein sollen. Derzeit gilt das vom ersten Euro an bis zu 1200 Euro pro Jahr und Haushalt. Das mit einer Kürzung eingesparte Geld könnte im Gegenzug für eine stärkere steuerliche Förderung der Gebäudesanierung eingesetzt werden, berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Bund und Länder kostet der Handwerker-Bonus pro Jahr insgesamt 1,5 Milliarden Euro. Ein Sprecher von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte, auch die Länder müssten mit ins Boot geholt werden. Ohne eine Beteiligung der Länder sehe er für Neuerungen keine Grundlage. Das Finanzministerium unterstütze aber ausdrücklich das Ziel, mit der Gebäudesanierung messbare Fortschritte beim Energiesparen zu machen. Die Regierung will morgen ihr neues Klimaschutzpaket beschließen.