Osnabrücker Kaffee-Streit Kaffee Partner gegen Coffee Perfect vor Oberlandesgericht

Von Alexander Klay | 02.09.2015, 08:32 Uhr

Der Streit unter den Osnabrücker Kaffeemaschinen-Vermietern Kaffee Partner und Coffee Perfect hat das Oberlandesgericht (OLG) erreicht. Ende September werden die Richter in Oldenburg über ein Wettbewerbsverbot sowie Unterlassungsklagen gegen Manager entscheiden.

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  • Das Osnabrücker Unternehmen Kaffee Partner wirft seinem früheren Ableger Coffee Perfect rechtswidriges Geschäftsgebahren vor
  • Gegen ein vom Landgericht Osnabrück verhängtes Wettbewerbsverbot hat Coffee Perfect Berufung eingelegt
  • Ende September wird das Oberlandesgericht Oldenburg über das Wettbewerbsverbot sowie Unterlassungsklagen gegen zwei Manager entscheiden

Das Wettbewerbsverbot hatte Kaffee Partner gegen den einstigen Ableger Coffee Perfect vor dem Landgericht Osnabrück erwirkt. Coffee Perfect hat dagegen Berufung eingelegt. Damit landete die Sache beim OLG Oldenburg: Vor dem 6. Zivilsenat wurden in der vergangenen Woche die Argumente ausgetauscht – für ihr Urteil lassen sich die Richter mehrere Wochen Zeit.

Die Front im Osnabrücker Kaffee-Krieg verläuft durch ein Gebäude: den schneeweißen Neubau an der Kaffee-Partner-Allee 1 unweit des Hafens. In den unteren Etagen sitzt Kaffee Partner: Das 1973 gegründete Unternehmen lebt vom Vermieten hochwertiger Kaffeemaschinen. Es hat nach eigenen Angaben 70.000 Kunden, 530 Mitarbeiter und macht einen Jahresumsatz von gut 100 Millionen Euro. 2014 sei das beste Jahr der Unternehmensgeschichte gewesen.

Unternehmen gehen getrennte Wege

Oben, im dritten Stock, sitzt Coffee Perfect. Bis vor wenigen Monaten war der kleine Ableger für den Onlineshop zuständig, in dem Privatleute Kaffeemaschinen und -bohnen kaufen können, sowie für das gegenüberliegende Café. Heute gehen die Firmen getrennte Wege. Und der Spross steht im Verdacht, der Mutter Konkurrenz zu machen sowie Mitarbeiter abzuwerben. Kaffee Partner bewertet dieses Geschäftsgebaren als rechtswidrig, es verstoße gegen Grundsätze des ehrbaren Kaufmannes, lässt die Firma wissen. (Weiterlesen: Kaffee Partner: Konkurrenz im eigenen Hause?) 

Der Streit im Osnabrücker Kaffee-Quartier kochte hoch, nachdem sich Andreas Ost und Michael Koch bei Kaffee Partner zurückzogen. Sie führten das Unternehmen zur heutigen Größe – und hatten dazu Finanzinvestoren an Bord geholt. Über die Jahre übernahmen die Geldgeber immer mehr Anteile. Seit vergangenem Herbst haben sie allein das Sagen. Ost und Koch scheiterten mit ihrem Versuch, die Kontrolle zurückzugewinnen.

Manager und Mitarbeiter wechselten die Firma

Pikant wurde die Angelegenheit, nachdem neben Ost und Koch auch die Geschäftsführer Marc Beimforde und Jan-Dirk Büsselmann Kaffee Partner verließen: Wenig später tauchten sie in den Büros von Coffee Perfect auf. Anders als Kaffee Partner gehört diese Firma weiterhin den Familien Ost und Koch. Mit den beiden Managern wechselten etliche Mitarbeiter die Seite – gingen sie an einem Tag in den unteren Stockwerken bei Kaffee Partner zur Arbeit, erschienen sie tags drauf in den oberen Stockwerken bei Coffee Perfect zum Dienst. Dort arbeitete man an einer „Geschäftsfelderweiterung“, hieß es.

Seitdem steht der Vorwurf der arglistigen Täuschung und des geschäftsschädigenden Verhaltens im Raum. Kaffee Partner erwirkte vor dem Landgericht Osnabrück einstweilige Verfügungen gegen Büsselmann und Beimforde, die aber nicht lange Bestand hatten. Mit dem neuen Verfahren vor dem Oberlandesgericht Oldenburg werden diese Punkte aber wieder aufgerollt.

Coffee Perfect ist stark gewachsen

Tatsächlich ist Coffee Perfect in den vergangenen Monaten stark gewachsen. Von 40 auf 130 Mitarbeiter. „Wir sind stolz auf das, was wir geschafft haben“, sagt Geschäftsführer Christoph Geyer. „Das Geschäft läuft langsam an.“ Das sieht heute so aus: Neben dem Café im Osnabrücker Hafen und dem Online-Shop ist die Marke „Coffee Plus“ ins Leben gerufen worden. Sie vermietet Kaffeevollautomaten an Unternehmen – ganz so, wie es der Rivale Kaffee Partner tut. Um alle Aktivitäten unter ein Dach zu bekommen, firmiert Coffee Perfect seit August unter dem Namen „CP Group GmbH“. Deren Geschäftsführer sind neben Christoph Geyer auch Marc Beimforde und Jan-Dirk Büsselmann.

Beiderseits Gelassenheit

Der bevorstehenden Entscheidung des OLG Oldenburg sieht Geyer gelassen entgegen. „Wir sind da sehr zuversichtlich, dass das Gericht in unserem Sinne entscheiden wird“, sagt er. Hoffnung bereitet ihm der Vollstreckungsschutz, den das Gericht in Sachen Wettbewerbsverbot erlassen hat. Soll heißen: Bis zum Verkündungstermin für das Urteil, den der 6. Zivilsenat für den 18. September anberaumt hat, bleibt die Entscheidung des Landgerichts Osnabrück ohne Wirkung.

Betonte Gelassenheit auch bei Kaffee Partner. Der Marktführer für Kaffeeautomaten in Unternehmen sieht sich auf Kurs, hat nach eigenen Angaben seinen Geräteverkauf gegenüber dem Rekordjahr 2014 noch gesteigert. Es herrsche eine „volle Fokussierung auf das operative Geschäft“, hieß es. Offene Stellen würden nach und nach wieder besetzt.

Besonders positive Kommentare im Internet

Im Internet ist das Unternehmen derzeit offenbar um ein positives Image bemüht. Das legt zumindest eine Flut an Beiträgen nahe, die in jüngster Zeit auf dem Portal „kununu.de“ erschienen sind. Dort bewerten Angestellte ihren Arbeitgeber. Bis zum Sommer gab es dort alle paar Wochen einen neuen Eintrag. Seit Bekanntwerden des Streits im Kaffee-Quartier sind neue Äußerungen nahezu täglich zu finden. „Für mich: Top Arbeitgeber!! Jetzt erst recht!!“, „Herrliches Arbeiten bei Kaffee Partner!“, „Kaffee Partner – ein Super Partner“, schreiben anonyme Autoren.

Coffee Perfect zieht es nach Österreich

Rivale Coffee Perfect bereitet unterdessen den nächsten Schritt vor: die Expansion nach Österreich. Auf der Homepage sind Stellenausschreibungen für Servicetechniker und Vertriebsmitarbeiter zu finden. Geschäftsführer Geyer beschreibt den Markt im Heimatland der Kaffeehaus-Kultur als „hochinteressant“. Dies dürfte in Osnabrück einigen bitter aufstoßen: Konkurrent Kaffee Partner ist dort seit 2013 vertreten – und hat sich nach eigenen Angaben seither einen Marktanteil von zehn Prozent erarbeitet.

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