Nur noch „Bodenhaltung“ als Etikett Stallpflicht wegen Vogelgrippe: Uhr tickt für Freiland-Eier

Von Dirk Fisser | 27.12.2016, 06:33 Uhr

Weil die Vogelgrippe grassiert, dürfen Legehenennen schon seit geraumer Zeit nicht mehr aus dem Stall. Die Uhr für die Produzenten von Freilandeiern tickt, denn nach zwölf Wochen Stallpflicht müssen sie ihre Produkte umdeklarieren. Der Dachverband der Geflügelwirtschaft fordert mehr Flexibilität.

Die deutsche Geflügelwirtschaft appelliert vor dem Hintergrund der grassierenden Vogelgrippe an die Bundesregierung, sich auf europäischer Ebene für eine Lockerung der Kennzeichnungspflichten bei Freiland-Eiern einzusetzen. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte Verbandspräsident Friedrich-Otto Ripke: „Im Kampf gegen die Geflügelpest müssen nach Tierseuchenrecht auch die Legehennen in den Stall. Das ist richtig, darf aber nicht aufgrund von EU-Vermarktungsnormen zu wirtschaftlichen Einbußen führen, weil gesetzliche Fristen eine Umdeklarierung der Eier von Freiland- auf Bodenhaltung erforderlich machen.“ (Weiterlesen: Vogelgrippe-Risiko: Ställe in Cloppenburg und Vechta betroffen) 

Vier Cent Verlust pro Ei

Ripke sprach sich für eine Lockerung der EU-Vermarktungsordnung aus. Nach der dürfen Legehennen maximal zwölf Wochen aufgestallt bleiben, bevor ihre Eier nur noch als Bodenhaltung verkauft werden dürfen. Dies bedeute für Legehennenhalter einen Verlust von vier Cent pro Ei. „Wir brauchen je nach Seuchenverlauf flexiblere Fristen“, forderte der Verbandspräsident. Seinen Angaben zu Folge laufe die Zwölf-Wochen-Frist in weiten Teilen Deutschlands im Januar aus, nicht aber die Stallpflicht für Millionen Freiland-Legehennen. Tierseuchen- und Vermarktungsrecht müssten besser aufeinander abgestimmt werden, so sein Appell. (Weiterlesen: Verbrauchertipps: Gibt es bei Stallpflicht noch Freilandeier?) 

So viel kostet die Vogelgrippe

Die Mehrkosten für Nutztierhalter durch die Vogelgrippe und damit verbundene Sicherheitsmaßnahmen bezifferte Ripke aktuell mit einem „höheren sechsstelligen Betrag pro Monat“. Größer sei der wirtschaftliche Schaden bei Brütereien und Aufzuchtbetrieben, die ins Ausland exportierten. Beispielsweise hätte Südafrika wegen der Geflügelpest Importstopps verhängt. „Da sprechen wir dann sicherlich über Millionenschäden“, so Ripke. Auf dem deutschen Markt sei derzeit keine Kaufzurückhaltung zu erkennen. „Die Verbraucher gehen besonnen mit dem Thema um. Von Verängstigung ist zu Recht keine Spur. Und dafür sind wir dankbar.“

160.000 Tiere getötet

Allein im Dezember sind in Niedersachsen mehr als 160.000 Stück Geflügel getötet worden, davon etwa 50.000 über die Weihnachtsfeiertage. Gleich in zwei Mastställen für Puten in den Landkreisen Cloppenburg und Oldenburg war der aggressive Vogelgrippe-Erreger vom Typ H5N8 nachgewiesen worden. Schlimmer noch wütet die Geflügelpest in Südkorea: Mittlerweile sind hier an die 30 Millionen Hühner getötet worden. (Weiterlesen: Vogelgrippe: Wie kam der tödliche Erreger nach Europa?)