Neues Werk vor Start der Serienproduktion VW baut Osnabrück mit 300 Millionen auf

Von Stefan Prinz | 22.12.2010, 18:50 Uhr

Der Volkswagen-Konzern drängt an die Weltspitze: Im Wolfsburger Stammwerk ist gestern das 111111111. Fahrzeug aus dem Autokonzern vom Band gelaufen. Und VW wächst weiter: Kurz vor dem Start der Serienproduktion im neuen Osnabrücker Werk hat der Konzern am Standort bereits 225 Millionen Euro investiert.

Das junge Werk in Osnabrück werde Volkswagen als Mehrmarkenstandort ausbauen, erklärte die neue Geschäftsführung im Interview mit unserer Zeitung. Die Mitarbeiter bereiten sich deshalb neben dem Start der Serienproduktion des Golf Cabrio im Frühling auch auf den Bau der Porsche-Modelle Boxster und Cayman vor, so Ludger Teeken, Sprecher der dreiköpfigen Geschäftsführung. In gut drei Monaten könnte bereits das erste Serienmodell des Golf Cabrio in Osnabrück vom Band laufen.

Dieses Auto sei sogar zu großen Teilen in Osnabrück entwickelt worden. „Mit diesen drei Modellen haben wir in den kommenden Monaten sehr gut zu tun“, so Teeken. In genau einem Jahr sollen insgesamt 300 Millionen Euro in den Ausbau des Werkes geflossen und 1800 Mitarbeiter angestellt sein. Zu den Möglichkeiten eines weiteren Wachstums möchte sich die Geschäftsführung allerdings nicht äußern.

Personalchefin Katrin Börsting steht derzeit vor einer Mammutaufgabe: Insgesamt 4000 Bewerbungen lägen ihr bereits vor. Die meisten Einstellungen sollen Anfang nächsten Jahres erfolgen. „Wir haben einen enormen Bewerberzulauf“, sagte Börsting. Und das, obwohl Volkswagen seinen Mitarbeitern in Osnabrück fünf Prozent weniger Monatslohn als am Stammwerk Wolfsburg zahlt. Zudem gibt es weder Urlaubs- noch Weihnachtsgeld.

Dieser mit der IG Metall ausgehandelte Ergänzungstarifvertrag habe den Aufbau des neuen Werkes überhaupt erst möglich gemacht, betonte die Personalchefin. Dafür gibt es eine Beschäftigungsgarantie bis 2014.

Der Altersdurchschnitt bei den 862 bereits angestellten Mitarbeitern liege bei 45 Jahren. Das zeige, dass man auch auf ältere Bewerber setze, so Börsting.

Mit dem Start der Serienproduktion in Osnabrück sieht Finanzchef Henning Jens auch neue Möglichkeiten zur Geschäftsentwicklung für die regionale Wirtschaft. „Wir werden nach unseren bisherigen Erfahrungen mit über 400 Partnern aus der Region zusammenarbeiten.“ So lieferten beispielsweise die Stadtwerke Osnabrück die Energie für den Standort.

Ein blauer Golf war währenddessen gestern in Wolfsburg der 111111111. Volkswagen. Das Jubiläumsfahrzeug zeige das über Jahrzehnte gewachsene technische Können der Belegschaft, sagte Produktionsvorstand Hubert Waltl: „Es braucht hohe Ingenieurskunst und Know-how, um mehr als 111 Millionen Fahrzeuge zu produzieren.“ Auch Betriebsratschef Bernd Osterloh hob die Verdienste der Mitarbeiter hervor. Die Beschäftigten des Konzerns an allen Standorten der Welt könnten stolz auf ihre Leistung sein.

Erfolgsmodell des Konzerns ist nach wie vor der Golf. Bislang wurden 28 Millionen Exemplare in sechs Serien hergestellt. Weitere Spitzenmodelle sind der Passat mit 17,5 Millionen und der Polo mit 11,5 Millionen Autos.