Neuer Tarifvertrag steht Mehr Geld für Stahlarbeiter in Niedersachsen

Von Alexander Klay | 08.07.2014, 20:39 Uhr

Osnabrück/Georgsmarienhütte. Mehr Geld für 75.000 Beschäftigte der nordwestdeutschen Stahlindustrie: Am frühen Dienstag einigten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft IG Metall in Gelsenkirchen auf ein Plus von 2,3 Prozent zum 1. Juli und weitere 1,7 Prozent zum 1. Mai 2015.

Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 17 Monaten bis Ende Oktober 2015 und gilt in Niedersachsen, Bremen und Nordrhein-Westfalen. Ursprünglich hatte die IG Metall fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt gefordert. „Wir wollten mehr Geld. Mit der zweistufigen Erhöhung ist uns das deutlich gelungen. Wir wollten mehr Sicherheit und mehr Fairness. Auch das haben wir erreicht“, sagte Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall in Nordrhein-Westfalen. Am Mittwoch will die Tarifkommission der Gewerkschaft über das Ergebnis beraten.

Neben den vereinbarten Steigerungen bei Löhnen und Gehältern sollen alle Auszubildenden monatlich 36 Euro mehr erhalten. Zudem vereinbarten beide Seiten die unbefristete Übernahme der Auszubildenden bis zum 31. Januar 2018. Eine bisherige Regelung war bis ins Jahr 2016 gültig.

Zudem bleiben für ältere Arbeitnehmer nach dem Start der Rente mit 63 und 45 Berufsjahren die Ansprüche zur Altersteilzeit erhalten: Wer die Regelung bereits nutzt, erhalte weiterhin 85 Prozent des Nettoentgelts. Andernfalls hätten zahlreichen Arbeitern durch das neue Gesetz deutliche Einbußen, nach Angaben der Arbeitgeber aber auch Besserstellungen gedroht.

„Es war die erwartet schwierige Tarifrunde“, sagte Helmut Koch, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Stahl. „Beim Entgelt haben wir uns bis an die Schmerzgrenze bewegen müssen. Zugestimmt haben wir letztlich wegen der relativ langen Laufzeit.“

Erstmals steht mit dem Verhandlungsergebnis eine tarifvertragliche Regelung zum Einsatz von Werkvertragsunternehmen bevor. Es seien „Standards zur Einhaltung von Tarifverträgen, Sicherheitseinweisungen und Arbeitszeiten“ vereinbart worden, heißt es bei der IG Metall. Details dazu sind am Dienstag jedoch nicht bekannt geworden. Dazu Stahl-Arbeitgeberchef Koch: „Die Regelungen zu Werkverträgen konnten so gestaltet werden, dass bestehende betriebliche Regelungen ausreichend widergespiegelt werden und die notwendige Entscheidungsfreiheit bei unseren Mitgliedsunternehmen verbleibt.“

Ebenfalls am Dienstag hat sich die IG Metall auf ein Hauptanliegen für die bevorstehende Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie verständigt. Eine Bildungs- und Altersteilzeit soll jungen Menschen Raum für berufliche Qualifikation verschaffen und Älteren einen flexibleren Ausstieg aus dem Berufsleben ermöglichen. Die Beschäftigten forderten mehr individuelle Gestaltungsspielräume, sagte Gewerkschaftschef Detlef Wetzel. „Nur so können sie Arbeit und Leben miteinander vereinbaren.“ Über Lohnforderungen soll am 27. November abschließend beraten werden.

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