Modehersteller mit Gewinneinbruch Gerry Weber versucht, frischer und moderner zu werden

Von Christian Schaudwet | 23.02.2017, 16:38 Uhr

Der angeschlagene Modehersteller Gerry Weber modernisiert seine Kollektion und seine Marken. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat sich das aber noch nicht ausgezahlt. Umsatz und Gewinn sind erneut gesunken.

Gerry Weber International kann die Früchte seiner Neuausrichtung noch nicht ernten. Der Chef des westfälischen Damenmodeherstellers, Ralf Weber, hat die vorläufige, im Januar veröffentlichte Jahresbilanz am Donnerstag bestätigt. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern brach um 82,6 Prozent auf 13,8 Millionen Euro (Vorjahr: 79,3 Millionen) ein. Der Umsatz ging um 2,2 Prozent auf 900,8 Millionen Euro zurück (Vorjahr: 920,8 Millionen).

Vom „nachhaltigen und profitablen Wachstum“, das Ralf Weber wieder erreichen will, ist der Konzern noch weit entfernt. Weber rechnet frühestens im Geschäftsjahr 2017/2018 damit. Im laufenden Jahr werde der Konzernumsatz noch einmal leicht sinken. Außerdem verlieren weitere Verkäuferinnen ihre Jobs. 75 Filialen, in denen 450 Verkäuferinnen arbeiteten, sind bereits geschlossen, den Mitarbeiterinnen in 28 Geschäften steht dies noch bevor. Das Filialnetz mit über 1000 Läden war zuletzt hochdefizitär. Den 200 Stellenstreichungen in der Konzernzentrale in Halle sollen dagegen keine weiteren folgen.

Bio-Baumwolle und Swarovski-Steine

Die Anstrengungen, die Kernmarke Gerry Weber aufzufrischen, sind in neu gestalteten Schaufenstern, in den Werbekampagnen und in der Kollektion erkennbar. Man habe die Wertigkeit der Produkte erhöht – etwa durch die Verarbeitung von fair gehandelter Bio-Baumwolle, durch Swarovski-Edelsteine und durch Gore-Tex-Material bei Outdoor-Kleidung, sagte Weber. Bei der Markenmodernisierung müsse man jedoch behutsam vorgehen, ergänzte Gerry Webers Einzelhandelsvorstand Norbert Steinke. „Mit der Brechstange verjüngen, das funktioniert nicht.“

Jüngere Käuferinnen versucht das Unternehmen mit seiner neuen Marke Talkabout zu gewinnen. Die Kollektion entstand in Zusammenarbeit mit Kaufhausketten und soll im laufenden Jahr auf bis zu 150 Verkaufsflächen bei solchen Großkunden vertrieben werden.

Charme-Offensive bei Großabnehmern

Anders als die Marken Gerry Weber, Taifun und Samoon, bleibt Talkabout Großabnehmern vorbehalten, der Konzern will die Marke nicht in eigenen Boutiquen anbieten. Unter anderem damit versucht Gerry Weber, Großkunden zu besänftigen. Der Hersteller hatte viele Kaufhausbetreiber verstimmt, weil er ihnen mit eigenen Läden in die Quere gekommen war. Die ersten Reaktionen auf den neuen Kurs seien positiv, sagte Steinke, aber: „Vertrauen zurückzugewinnen, das dauert.“

Im Frühjahr will Gerry Weber seinen runderneuerten Online-Shop eröffnen. Der Umsatz durch Vertrieb per Internet soll binnen fünf Jahren von derzeit 43,9 Millionen Euro auf 100 Millionen Euro steigen.